Elektromobilität Ulm lehnt Angebot für Lkw-Teststrecke ab

Elektrofahrzeuge werden an einer Ladestation mit Strom versorgt.
Elektrofahrzeuge werden an einer Ladestation mit Strom versorgt. © Foto: dpa
Harald John 14.08.2017
Die Stadtverwaltung verweist auf fehlende Voraussetzungen in Ulm und will weitere Baustellen im Westen vermeiden.

Die Stadt hat sich nicht als „Testfeld Elektromobilität“ für Lastwagen und Busse beworben. Gegenüber der SÜDWEST PRESSE erklärte OB Gunter Czisch am Wochenende, dass die Bedingungen, die das Bundesumweltministerium an ein entsprechendes Umfeld für die Erprobung von E-Mobilität stellen würde, nicht zu erfüllen seien. Notwendig wäre, so Czisch zu den Vorgaben von Ministerin Barbara Hendricks, eine Teststrecke mit einem hohen regelmäßigen Frachtaufkommen vom Donautal zum Containerbahnhof gewesen. Dieses Frachtaufkommen finde so im Donautal nicht statt.

Noch gravierender aber sei gewesen, dass die Teststrecke entweder an der Westtangente oder an der B10 mitten durch die Stadt zu errichten gewesen wäre. Das sei angesichts ohnehin vieler Baumaßnahmen in der Stadt „nur schwer umsetzbar gewesen“.

Czisch erklärte weiter, dass ihn die Anfrage informell über Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann erreicht habe. Innerhalb weniger Tage hätte die Stadt einen Logistikunternehmer finden müssen, der sich für entsprechende Tests mit Elektro-Lastwagen bereit erklärt. Mit einem Logistikunternehmen sei das Projekt durchgespielt und dann aber als nicht schnell machbar verworfen worden.

Gegen Kritik vor allem der SPD, die im Landtag eine Anfrage zur „klimaneutralen und abgasfreien City-Logistik“ gestellt hat, verwahrt sich der Oberbürgermeister. „Aktionismus ist fehl am Platz.“ Das ganze Thema Mobilität sei sehr komplex und er habe schließlich bei der Schwörrede auch den innerstädtischen Lieferverkehr angesprochen.

Auch seien viele Arbeitsplätze in der Region vom Auto und Motor abhängig, deshalb müsse bei Projekten grundsätzlicher gedacht werden. Momentan seien mehrere Projekte geplant, die Verwaltung sei dabei, diese im Hinblick auf Modellcharakter und Machbarkeit aufzuarbeiten.

Bei seiner Schwörrede hatte Czisch gesagt, dass Ulm als eine von 20 Städten und Landkreisen in Deutschland für das Forum „Zukunftsstadt 2030“ ausgewählt worden ist. Dabei sollte besonders auf einen umwelt- und stadtverträglichen Verkehr Wert gelegt werden. Czisch: „Mobilität wird individueller und vielfältiger, vernetzter und digitaler.“