Asteroid Ulm im Anflug

Ulm / JAKOB RESCH 26.01.2015
Wenn wir das hier alle gemeinsam lesen, dann können wir sagen: Wieder mal Glück gehabt. Denn dann ist der Asteroid mit dem furchteinflößenden Namen 2004 BL86 am Montag Nachmittag, 17 Uhr, an der Erde vorbeigesegelt und hat uns weder pulverisiert, noch aus der Bahn geworfen. Jedenfalls nicht in Ulm.

Nie zuvor kam unter Beobachtung der Experten ein Kleinplanet dieser Größe – Durchmesser: rund oder auch weniger rund 500 Meter – der Erde so nah, immerhin auf 1,2 Millionen Kilometer. Und doch blieben sie gelassen. Gerhard Drolshagen, bei der europäischen Weltraumagentur ESA auf erdnahe Objekte spezialisiert, begründet das mit Blick auf 2004 BL86 so: „Seine Bahn ist relativ gut bekannt.“ Relativ? Nun ja, besser als nichts.

Von Ulm kann man so etwas zum Beispiel nicht sagen. Also von der Stadt Ulm vielleicht schon, aber vom Asteroiden „Ulm“ eher weniger. Er kreist nicht so erdnah um die Sonne wie 2004 BL86. Nein, unser Ulmer ist ein Hauptgürtelasteroid und verkehrt damit irgendwo zwischen den Planetenbahnen von Mars und Jupiter, die bekanntlich Johannes Kepler mit seinen Rudolfinischen Tafeln in Ulm verewigt hat. Aber das nur so aus Klugscheißerei.

Unser Ulmer im All heißt genau genommen 12 111 Ulm. Und dass er neben der Ziffer einen eigenen Rufnamen hat, macht ihn zu einer echten Ausnahmeerscheinung unter den 670.000 Kleinplaneten im Sonnensystem, von denen bloß 18.000 offizielle Namen haben. Ulm bewegt sich dabei zwischen Ullmann, Ulysses und Uluru, nicht zu verwechseln mit Lieutenant Uhura aus dem Raumschiff Enterprise.

12 111 Ulm ist 1998 von Eric Walter Elst entdeckt worden, einem belgischen Astronomen, der schon viele Asteroiden verhaftet hat. 1987 war es der mit dem Namen „Ulmerspatz“, genauer: 8345 Ulmerspatz. Es ist klar, dass dieser Ulmerspatz größere Sprünge macht als die uns näherstehenden Spatzen. Auch er zwitschert zwischen der Mars- und Jupiterbahn herum, womit wir wieder bei Kepler gelandet wären, der auch einen eigenen Asteroiden hat: 1134 Kepler. Kepler ist zwar kein Erdbahnkreuzer wie 2004 BL86, aber immerhin ein Marsbahnkreuzer.

Apropos: „Neues vom Mars“ gibt es am 4. März von der Astronomischen Arbeitsgruppe Ulm, um hier zurück zur Erde zu kommen, und im November dann auch was über „Keplers Ulmer Jahr“. Gesetzt den Fall, sie lesen das hier. Wenn nicht, ist auch klar, was am Montag, 17 Uhr, passiert ist.

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