So viele Wirte, Bar-Besitzer, Restaurantchefs und Club-Betreiber sieht man nur selten an einem Ort: Etwa 50 kamen am Freitag um 11 Uhr auf dem Münsterplatz zusammen. Und alle hatten einen Teil der Möblierung ihrer Betrieben dabei.

Ulmer Wirtsleute sehnen sich in der Corona-Krise nach einem Fahrplan

Stühle, die während des Tages nicht zum Sitzen da waren, sondern als Parolenträger. „Wir brauchen einen Fahrplan“, war da zu lesen. Oder: „Die Wahrheit schmerzt, aber die Ungewissheit frisst einen auf.“

„Wir wollen auf uns aufmerksam machen. Freundlich aber sichtbar“, erklärt Lino Reccia, einer der Organisatoren. Wie in anderen Städten hatte der Inhaber des „Enchilada“ mit seinem Mitstreitern die Aktion eigentlich geplant, um die Politik in der Corona-Krise zu einer Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie zu bewegen. Doch mit einer auf ein Jahr befristeten Senkung des Steuersatzes auf sieben Prozent kam Berlin den Ulmer Protestierern zuvor.

Ulmer Gastronomen fordern mehr Unterstützung aus der Politik

„Das hat uns etwas den Wind aus den Segeln genommen. Ich hätte mir nämlich mehr Stühle auf dem Münsterplatz gewünscht“, gibt Reccia zu. Dennoch gibt es noch drei wesentliche Wünsche der teilnehmenden Gastro-Profis. „Ich kann auch bis Dezember zulassen, wenn ein entsprechendes Hilfspaket dahintersteht“, sagt Daniel Zauner, der Wirt der „Zill“. Dabei denkt er vor allem an seine Mitarbeiter in Kurzarbeit. „Ich stocke schon auf 80 Prozent auf, aber auf Dauer wird das nicht gehen.“

Kurzarbeitergeld und Spätzuschläge sind wichtige Themen

Mehr Kurzarbeitergeld für ihre Beschäftigten, das fordern sie alle. „Die Aufstockung ist wichtig, weil unsere Leute oft aus einem Mix aus Lohn, Trinkgeld oder auch Spätzuschlägen leben. Für die bleiben dann zum Teil nur 40 bis 50 Prozent des Einkommens“, erklärt Reccia.

An der Aktion "Leere Stühle" beteiligen sich Gastronomen aus ganz Deutschland – auch in Ulm wurde am Freitag protestiert.
An der Aktion „Leere Stühle“ beteiligen sich Gastronomen aus ganz Deutschland – auch in Ulm wurde am Freitag protestiert.
© Foto: Matthias Stelzer

Aktion „Leere Stühle“ soll fortgesetzt werden

„Das Schlimme ist, dass es keinen Fahrplan gibt“, sagt Willi Meinl. Der Gastronom, der zwei Betriebe auf bayerischer Seite betreibt, will  klare Ansagen, wann und wie eine Öffnung der Gastrobetriebe möglich sein soll. Je länger die Corona-Schließungen andauern, umso mehr hält er staatliche Hilfen für angebracht. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, würde er gerne mehr Neu-Ulmer Kollegen auf dem Münsterplatz sehen. Wenigstens an einem der kommenden Protest-Freitage. Die Aktion „Leere Stühle“ soll bis auf Weiteres weitergehen.