Rechts der Donau geht heute das Volksbegehren „Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern – Rettet die Bienen“ zu Ende. Zwar ist die Form des Volksbegehrens nur in Bayern möglich. Aber links der Donau, auf baden-württembergischer Seite, wird auf städtischem Grund auch so schon einiges getan für die Bienen und andere Insekten.

Das Blühwiesen-Expertenteam der städtischen Abteilung Grünflächen sitzt derzeit über Plänen für ein langfristiges Staudenprogramm. Das sieht so aus, dass im Zuge des Glacis-Park-Konzeptes innerhalb der gesamten Bundesfestung jede Menge mehrjährige Stauden gepflanzt werden sollen, sagt Grünflächenchef Christian Giers. Dazu gehören die Bereiche kleine und große Ehinger Anlage, Blaubeurer Ring, Zollernring, Obere Donaubastion „und rauf zur Wilhelmsburg“, zählt Giers auf. Man werde die Staudenarten so auswählen, dass vom Frühjahr bis zum Herbst immer etwas blüht. „Da die vertrockneten Pflanzenteile dann nicht abgeschnitten werden, können Insekten darin überwintern.“ Demnächst will Giers bei der Stadt beantragen, dass im Haushalt 2020 Mittel für dieses Staudenprogramm eingestellt werden.

Wiesenmahd statt Mulchen

Allerdings konnten Bienen und Co. bereits im vergangenen Sommer Pollen und Nektar sammeln. Auf städtischen Flächen blüten Wiesenblumen am Ackersaum und an Gewässerrändern. Am Panoramaweg am Eselsberg, an der Käßbohrer-Blau und im Örlinger Tal kam die Blüte von Margeriten und Salbei nicht nur bei den Insekten, sondern auch bei Spaziergängern gut an.

Insgesamt hat die Stadt bereits eine Fläche von 12 Hektar (120 000 Quadratmeter) vom zwar kostengünstigen, aber umweltschädlichen Mulchen auf die ökologisch wertvolle Wiesenmahd umgestellt, sagt der Grünflächenchef. Das heißt, das Gras wird nur zweimal im Jahr gemäht und das Mähgut wird abgeräumt, um keinen Düngeeffekt zu erzielen.

Dieses Jahr nimmt sich das Team um Eugen Hungele die nächsten 13 Hektar als Extensivflächen vor – in der Friedrichsau und am Wiblinger Ring. Die Pflegeumstellung ist möglich geworden, weil der Gemeinderat einem „dauerhaften Sonderfaktor“ von 50 000 Euro zugestimmt hat.

Um auch ins kleinteilige Straßenbegleitgrün auf einer Fläche von insgesamt 76 Hektar mehr Artenvielfalt zu bekommen, gehe dieser Tage die Bewerbung für ein entsprechendes Förderprogramm des Landes raus, bestätigt Giers. Wenn es klappt, wären die Zuschüsse bis 2020 gesichert.

Überwiegend ehrenamtlich läuft das Engagement beim Ulmer BUND. „Wir treffen uns zweimal im Jahr mit dem Grünflächenamt, um das Thema Grün zu besprechen“, sagt Regionalgeschäftsführerin Daniela Fischer. Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat werde „hoffentlich, wie versprochen, nicht auf städtischen Flächen“ ausgebracht.

Aber da passt wiederum das Ulmer Bündnis Artenvielfalt auf. In diesem  engagieren sich Naturschutzverbände aus der Region Ulm/Donau-Iller wie Naturschutzbund (NABU), Imkerbund und das regionale Bündnis für eine agrogentechnikfreie Region.  „Im Unterschied zum bayerischen Volksbegehren richtet das Bündnis seinen Fokus aber nicht nur auf die Landwirtschaft“, betont Sprecher Theo Düllmann. Sondern auch auf die Kommunen, die Kirchen als Besitzer und Verpächter von landwirtschaftlichen Flächen sowie auf die Hausbesitzer mit ihren umstrittenen Privat(schotter)gärten.

In Neu-Ulm wachsen artenreiche Kräuterwiesen


Straßenbegleitgrün „Bei uns ist es schon seit vielen Jahren eine Selbstverständlichkeit, dass wir an die Artenvielfalt denken“, sagt Iris Stieglitz vom Neu-Ulmer Grünflächenamt. Wenn das so genannte Straßenbegleitgrün etwa nach Baustellen neu angelegt werden muss, entscheide man sich für „artenreiche Kräuterwiesen aus gebietsheimischem Saatgut“. Zwar gibt es in Neu-Ulm noch kein ausgesprochenes Blühstreifenprogramm. Aber überall dort, wo Bäume gepflanzt werden und neue Gehwege entstehen, würden auf Inseln Blühmischungen eingesät. In Offenhausen beispielsweise leuchten im Sommer gelbe und orangefarbene Ringelblumenblüten am Straßenrand.