Ulm/Neu-Ulm Ulm-China-Feuerland: Die längsten Busreise der Welt

STEFAN LOEFFLER 11.04.2013
Er ist rot, hat 40 Sitzplätze und viel Raum für Gepäck. Auf den ersten Blick ein normaler Bus, den Hans-Peter Christoph jetzt in Neu-Ulm abholte. Und doch kann der Setra zu einem ganz besonderen Fahrzeug werden.

Hans-Peter Christoph liebt es, mit einem Bus auf Reisen zu gehen. Und zwar als Fahrer und unter einer Bedingung: Immer muss das Reisegefährt für den Geschäftsführer der Freiburger "Avanti-Reisen" den Schriftzug der Ulmer Traditionsmarke Setra tragen.

Dann fühlt er sich sicher, und das muss er auch. Denn vor kurzem war der Weltenbummler wieder einmal in Neu-Ulm, wo er ein ganz besonderes Stück für seinen Fuhrpark abholte, einen S 515 HD der neuen Setra ComfortClass 500. Die aktuelle und sechste Baureihe der Ulmer Marke wird erst seit wenigen Wochen in Neu-Ulm gefertigt und Hans-Peter Christoph ist einer der ersten, der diesen modernen Luxusbus in Empfang genommen hat. Damit nicht genug, denn der badische Unternehmer ist auch der erste, der damit die bislang längste Busreise dieser Welt bewältigen möchte.

Am Montag ging es um 8 Uhr vor dem Freiburger Konzerthaus los. Auch dieser Start schien für zufällig vorbeikommende Passanten nichts Außergewöhnliches zu sein. Der Bus hupte zur Abreise, die Menschen schwenkten ihre Taschentücher. Alles ganz normal, wenn am vorderen Einstieg des Ulmer Fahrzeugs nicht das Schild angebracht gewesen wäre: "Freiburg-Feuerland". Wie soll das denn gehen?

Ganz einfach. Zuerst reisen die Passagiere entlang der Seidenstraße bis nach Shanghai, von wo aus der Setra eine vierwöchige Schiffsreise nach Alaska antritt. Von Anchorage geht es Ende Juli weiter auf der Panamericana bis nach Argentinien. Die Strecke, die zwei der legendärsten Routen der Erde verbindet, ist gespickt mit Highlights. Sie führt unter anderem zum heiligen Berg Ararat, durch die Wüste Gobi, an Vulkanen und kanadischen Seen vorbei sowie durch die grünen Dschungel Mittelamerikas. Geht alles glatt, wird der Bus am 22. Dezember nach 52 000 Kilometern Fahrt in Ushuaia ankommen, der südlichsten Stadt der Welt. Das gab es noch nie.

Doch bis dahin ist das ein langer Weg und alles andere als ein Zuckerschlecken. Schließlich muss der S 515 HD auf seiner ersten großen Bewährungsprobe unter anderem holprige Fahrten durch endlos lange Wüsten, verschneite Berglandschaften und feuchte Tropengebiete bestehen.

Setra-Fan Hans-Peter Christoph wischt jedes Bedenken, dass sein Bus nicht das andere Ende der Welt erreichen wird, locker weg. "Für mich gibt es keinen besseren Reisepartner als die Ulmer Marke. Ich bin mir sicher, dass wir unseren Mechaniker so gut wie nie benötigen werden." Das ist in diesem Fall Anatoli Reklin, der mit Hans-Peter Christoph in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal mit einem Setra Reisebus der TopClass 400 vom Breisgau aus nach China gereist war - und immer ohne technische Probleme.

Toi, toi, toi. Warum sollte es also dieses Mal schief gehen? Der EvoBus-Servicetechniker ist ebenso gelassen und zuversichtlich wie der fahrende Busunternehmer, den er auf der ganzen Tour begleitet: "Ich habe mit dem neuen Setra ein gutes Gefühl. Das einzige, was wir noch nicht richtig einschätzen können, sind die Straßen in Südamerika."

Der Fünf-Sterne-Luxusbus ist im Gegensatz zu manch anderem Reisebus mit lediglich 40 Ledersesseln ausgestattet. So bleibt den Fahrgästen genügend Platz, um die Füße auszustrecken und sich hin und wieder auch einmal ein bisschen Privatsphäre zu gönnen. Der leuchtend rot lackierte Premium-Reisebus verbraucht durch eine strömungsoptimierte Form weniger Sprit als seine Vorgänger-Modelle und ist zudem leichter und sicherer aufgebaut. Ganz besonders stolz ist Hans-Peter Christoph auf den umweltfreundlichen Motor: "Mit dem Bus erfüllen wir schon heute die europäische Euro 6-Abgasnorm."

Damit ist der Globetrotter seiner Zeit deutlich voraus. Denn bis die Richtlinie im Jahr 2014 in Kraft tritt, ist der Bus schon längst wieder da.