Während sich tausende Sportler auf den Einstein-Marathon freuen, schimpfen viele Anwohner. Die Straßen gesperrt, kein Parkplatz, keine Chance aus dem Haus zu kommen, und im schlimmsten Fall pinkelt einem noch einer an die Tür. Die Auswüchse der Event-Kultur sind wahrlich nicht schön. Das ist keine Frage. Doch wer sich für ein Leben in der Stadt entscheidet, der tut das schließlich bewusst. Er hat kurze Wege, kann sich vielleicht das Auto sparen und ein breites Freizeitangebot nutzen.

Ruhe ist auf dem Land. Selten laute Musik, Straßensperren gibt es nur alle Jubeljahre, und das Auto kann man fast immer vor der Haustüre parken. Man muss halt überlegen, wann nachts der letzte Zug nach Hause fährt, sofern man aufs Bierchen nicht verzichten mag. Familien müssen auf spontanen Taxi-Einsatz gefasst sein, weil der Zug mal wieder Verspätung hat und das Kind nicht pünktlich zur Schule kommt oder den Bus verpasst hat. Alles hat Vor- und Nachteile.

Die Stadt könnte aber einiges tun, um die Dauer-Aufregung über zu viel Leben in der Innenstadt etwas zu dämpfen. Wie wäre es mal mit einer Planung für das ganze Jahr und einem Brief, was wann los ist und mit welchen Einschränkungen zu rechnen ist. Vielleicht sogar mit einem kleinen Bonbon versehen, wie einem kostenlosen Parkplatzticket oder einem Gutschein fürs Donaubad?

Es den Veranstaltern zu überlassen, wie sie Anwohner informieren, ist eine einfache Lösung. Doch es wird stets Stückwerk bleiben, und mit jedem Häppchen wird der Zorn angefacht. Natürlich ist der Einstein-Marathon, wie andere Innenstadt-Events, eine kommerzielle Veranstaltung. Natürlich verdienen die Organisatoren Geld. Doch sie zahlen auch reichlich Gebühren, und die werden jedes Jahr mehr. Gleiches gilt für die Anforderungen, was die Absicherung der Strecke angeht – und zwar an Stellen, an denen sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.

Als der erste Marathon vor 13 Jahren in Ulm gestartet wurde, war der Jubel groß. Es gab viele Unterstützer und noch mehr Schulterklopfer. Inzwischen wird er von vielen als Selbstverständlichkeit hingenommen. Die Nörgler und Neider werden lauter, immer mehr wollen profitieren. Doch die Einstein-Läufe sind nicht selbstverständlich, schon gar nicht die reibungslose Organisation. Dies zu unterstützen ist wichtig: Der Marathon tut Ulm gut.