Mode Ulm auf der Brust

Beate Storz 11.08.2017

Ulm ganz nah am Herzen. Ulm auf der Brust. Kostenlose Werbung für Ulm. Wer stolz ist auf seine Stadt, der trägt ein T-Shirt mit „Ulm“-Aufdruck. Das ist in, trendy, hip. Auf manchen T-Shirts steht sogar mehr als die vertrauten drei Buchstaben, mitunter eine echte Botschaft. Mit Ulm verbinden die Hiesigen ihre Heimat. Und wer in die weite Welt zieht, der hat vielleicht noch mehr das Bedürfnis, seine Stadt dabeizuhaben: „Seht alle her: Ich komm’ aus Ulm!“

Fast noch druckfrisch sind die T-Shirts im Ulmer-Münster-Shop. Denn erst seit Anfang der Woche gibt es dort eine eigene T-Shirt-Kollektion. Wer ein solches kauft, zeigt nicht nur Heimatverbundenheit, sondern unterstützt gleichzeitig das Ulmer Münster: Das Oberteil kostet 14 Euro, und der Reinerlös fließt in den Erhalt des Münsters.

Die Kleidungsstücke sind in den Farben Schwarz, Graumeliert und Bordeauxrot erhältlich mit dem Lettering „The word’s tallest Church tower“, darunter steht „Ulmer Münster 161,53 m“ und „768 steps“. Der Grund für diese Angaben: „Nach der Münsterturmbesteigung werden wir häufig gefragt, wie viele Stufen das Münster denn habe und wie hoch es sei“, erklärt Silke Reiser, die Leiterin des Besucherbetriebs Ulmer Münster.

Der Entwurf stammt von der Ulmer Grafikerin Dorothee Köhl. Die Kleidungsstücke erfüllen unter anderem die Oeko-Tex-100 Norm und der Hersteller garantiert die Einhaltung der WRAP-Grundsätze (Worldwide Responsible Accredited Produktion). „Die Kleidung wird in Asien gefertigt, da wollen die Käufer schon wissen, ob die dortigen Arbeitskräfte fair behandelt werden“, sagt Silke Reiser.

Die Ulmer-Münster-Shirts bestehen aus Baumwolle und die graumelierten aus Baumwolle und Viskose. Sie sind in den Größen S, M, L, XL, XXL lieferbar, aber auch Sondergrößen und andere Farben können bestellt werden.

Ulm-T-Shirts wären wohl kaum ein Trend, wenn es sie nur an einer Stelle gäbe. Nein, die Stadt ist voll von T-Shirts mit Eigenwerbung. Die Idee „Ulm zum Anziehen“ hatten auch die Grafik-Design-Schüler der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule mit ihren Lehrern Jutta Zimmermann und Wolfgang Winkler. 30 Schüler der Mittel- und Abschlussklasse kreierten 80 bis 100 Entwürfe für T-Shirts mit Ulm-Bezug.

„Wir mussten uns dann für vier Motive entscheiden, was schwierig war, weil alle Vorschläge toll waren“, erzählt Dirk Homburg von der Ulm/Neu-Ulm Touristik. Er koordinierte dieses Projekt mit der Schule: „Es war eine Win-Win Situation. Wir brauchten Ulm-T-Shirts und die Schüler konnten ihre theoretischen Kenntnisse in die Praxis umsetzen.“

Die Touristinformation im Stadthaus verkauft seit kurzem die neuen Kleidungsstücke – und Ulm-Käppis. Kerstin Hampel, die Leiterin der Touristinformation, berichtet, dass die meisten Käufer gar keine Auswärtigen sind, sondern stolze Ulmer. „Unser Einstein-T-Shirt indes wird häufig von asiatischen und amerikanischen Urlaubern gekauft. Dessen Design stammt wiederum von der Designerin Nicole Teufel.

Die Baumwoll-Hemden werden bei einer Druckerei in Elchingen bedruckt, lieferbar in Orange, Weiß, Schwarz, Blau, Rosa, Grün und Türkis. Für Kinder gibt es Ulmer-Spätzle-Shirts, die Großen bevorzugen T-Shirts mit künstlerischen, teilweise abstrakten Ulm-Motiven. Die Kleidung kostet zwischen 10 und 15,90 Euro.

Zu einem ordentlichen Studenten gehört ein T-Shirt mit Uni-Aufdruck. Denn man ist stolz auf seine Uni. Darüber hinaus bietet die Universität seit vier Jahren Kleidung mit Ulm-Bezug, jenseits von Hemden mit dem Logo der Universität. Anlässlich „50 Jahre Universität Ulm“ gibt es ein Sondermodell, mit dem Jubiläumslogo und drei Spatzen, erhältlich für 18,50 Euro. Außerdem bietet die Uni noch schwarze, weiße oder graue T-Shirts an, einfach mit der Aufschrift „uulm Universität“. Es gibt sie aus unterschiedlichen Materialien, auch als Sportshirt oder als Kapuzenpullover.

Preise nach Putsch gestiegen

Ein echter Marktlücken-Füller ist Anton Sebastian Würmlin aus Freiburg. Er verkauft Kleidungsstücke mit lokalem Bezug, jeweils in der entsprechenden Stadt. Würmlin hat zwei Modelabels gegründet: Freiburgs-Finest und Neighbourhood-Store mit dem Ziel, jede Stadt mit ihrer eigenen Mode auszustatten. In seiner Heimat Freiburg, das als Pilotstadt fungierte, kam sein Projekt sehr gut an. Mittlerweile ist er mit seiner Mode noch in Mannheim, Heidelberg, Saarbrücken oder Mainz präsent.

Und nun auch in Ulm. „Mich hat es schon immer gestört, dass auf den T-Shirts New York oder London steht. Für mich ist aber meine Heimat Freiburg wichtig“, begründet Würmlin seine erfolgreiche Idee. Seit sechs Wochen gibt es von ihm drei Ulm-T-Shirts. Bisher nur im Internet, jedoch ist er auf der Suche nach Ulmer Einzelhändlern, die seine T-Shirts verkaufen wollen.

Die Kleidung wird von Würmlin kreiert und komplett in der Türkei hergestellt. „Das ist zur Zeit die beste Qualität. Die Shirts werden dort genäht und bedruckt“ erklärt er. Allerdings bekommt er die politischen Umbrüche in der Türkei zu spüren. „Die Preise sind seit dem gescheiterten Putschversuch gewaltig gestiegen“, erzählt Würmlin.

Für Ulm hat er derzeit drei Modelle in Schwarzweiß, Dunkelblau-orange und Graumeliert im Angebot. Darauf steht nicht nur das Wort „Ulm“. Auch die Stadtteile von Söflingen über Wiblingen bis Böfingen und Oststadt sind in verschiedenen Schriftarten und -größen aufgedruckt. Bei ihm kaufen eher die ehemaligen Ulmer diese T-Shirts zum Stückpreis von 29,95 Euro zuzüglich Versandkosten.