Ulm Ulla Willick steht als Puck auf der Bühne

Erst Oberon, dann Titania, nun Puck: Ulla Willick freut sich auf ihren dritten „Sommernachtstraum“.
Erst Oberon, dann Titania, nun Puck: Ulla Willick freut sich auf ihren dritten „Sommernachtstraum“. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / MAGDI ABOUL-KHEIR 13.05.2015
Seit mehr als 20 Jahren spielt Ulla Willick am Theater Ulm, aber ihr Auftritt in William Shakespeares „Sommernachtstraum“ auf der Wilhelmsburg ist dennoch etwas Besonderes: Sie gibt den Puck – oder doch eine Königin?

Frau Willick, Ihr wievielter „Sommernachtstraum“ ist das?

ULLA WILLICK: Ich glaube, mein dritter. Und alle in Ulm. Einmal habe ich in einer Inszenierung Wolfgang Hagemanns närrischerweise den Oberon gespielt, und bei Ansgar Haag war ich einmal Titania. Ich hab aber auch schon ein paar Narren in Shakespeare-Stücken gespielt, zum Beispiel in „Was ihr wollt“.

Und nun spielen Sie den Puck. Für diese Rolle lassen sich die Regisseure oft ungewöhnliche Besetzungen einfallen – auf was für einen Luftgeist dürfen wir uns einstellen?

WILLICK: Gewiss keinen neckischen Waldgeist in Strumpfhosen! Es stimmt schon, die Rolle wird gern gegen den Strich besetzt. Ich sehe auf der Wilhelmsburg aus wie Königin Elizabeth II.: im Chanel-Kostüm, mit bläulich-lila-grauer Perücke, Krone und Handtäschen. Denn ich bin in dieser Rolle zugleich Puck und die Mutter von Theseus und Oberon – also, nicht unbedingt so wie bei Shakespeare.

Welche Übersetzung, welche Textfassung spielen Sie?

WILLICK: Es ist Andreas von Studnitz’ eigene Fassung – er hat das Stück ja schon einmal in Lübeck inszeniert; sein Puck war damals übrigens eine Kleinwüchsige. Die Lübecker Fassung war jetzt also sein Ausgangspunkt, aber er hat sie für die Wilhelmsburg nochmal bearbeitet. Es ist eine ziemlich konzentrierte Strichfassung, sprachlich sehr direkt, auch mal drastisch – und damit durchaus im Sinne von Shakespeare, der ja eigentlich auch sehr direkt war und oft viel zu sehr geglättet wird.

Es gibt – durch Schlegels Übersetzung und nicht zuletzt auch durch Mendelssohns berühmte Schauspielmusik – hochromantische Lesarten des „Sommernachtstraums“, aber auch ziemlich abgründige. Was erwartet uns auf der Wilhelmsburg?

WILLICK: Es ist ein Traum, aber eher ein böser, abgründiger – nicht so romantisch, würde ich sagen. Wir pflanzen auch keinen Zauberwald auf die Wilhelmsburg (lacht). Dafür ist der bekannte Vibraphonist Wolfgang Lackerschmid mit dabei, der nicht nur musikalisch durch den Abend führt und einige Lieder geschrieben hat, sondern auch ein wichtige Rolle spielt.

Sie waren 19 Jahre lang Ensemblemitglied am Theater Ulm, seit 2014 sind Sie dort nun ein gern gesehener Gast, in dieser Spielzeit in „Der nackte Wahnsinn“. Können wir uns in Ulm auch in den kommenden Spielzeit auf Sie freuen?

WILLICK: Ich bin als Gräfin in der Léhar-Operette „Schön ist die Welt“ dabei, die Benjamin Künzel im Podium inszeniert. Das ist auch mal etwas ganz anderes und somit reizvoll. Vielleicht gastiere ich auch noch woanders. Und ich mache Hörspiele, das ist ein Spaß. Aber ich muss wirklich nicht mehr in sechs oder sieben Stücken pro Jahr auf der Bühne stehen.

Wenn Sie selbst magische Kräfte wie Puck besäßen: Was würde Sie damit anstellen?

WILLICK: Wahrscheinlich würde ich mir ein paar Träume verwirklichen, zum Beispiel auch noch die ein oder andere schöne Rolle spielen. Und ich würde lieben Menschen, die mir nahestehen, etwas Gutes zaubern. Manchmal hat man natürlich auch Lust, etwas ganz Verrücktes anzustellen – ich denke, das würde ich als Puck wahrscheinlich auch.
 

Zur Person

Schauspielerin
Sie stand in ihrem Berufsleben in mehr als 200 Rollen auf der Bühne, aber den Puck im „Sommernachtstraum“ spielt Ulla Willick nun zum ersten Mal.

Seit 1994 ist die gebürtige Kölnerin am Theater Ulm; eigentlich ist sie schon seit Ansgar Haags Zeiten als Intendant pensioniert, aber sie war bis vor zwei Jahren festes Ensemblemitglied. Seit der Spielzeit 2013/14 hat sie als Gast regelmäßige Auftritte, etwa in „Tartuffe“ und in der aktuellen Saison in „Der nackte Wahnsinn“.

Und nun eben in Shakespeares „Sommernachtstraum“ auf der Wilhelmsburg, in Andreas von Studnitz’ Inszenierung.

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