Militär Übung des Ulmer Korps

Ein Blick in die Operationszentrale des Zelt-Hauptquartiers, in dem permanent Nachrichten über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen einlaufen.
Ein Blick in die Operationszentrale des Zelt-Hauptquartiers, in dem permanent Nachrichten über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen einlaufen. © Foto: Böhmer
Ulm / Willi Böhmer 17.04.2018

Die erste Hürde ist genommen. In der Operationszentrale der Zeltstadt, die das Ulmer Bundeswehrkommando aus der Wilhelmsburgkaserne vergangene Woche in Stetten am kalten Markt aufbaute, wurde die Verlegung von mehr als 20 000 Soldaten aus Nato-Ländern in das fiktive Einsatzland Arnland durchgespielt. Und Prüfer schauten der Truppe dabei kritisch auf die Finger. „Die Planungsphase und die Verlegung der Truppen ins Einsatzland haben wir exzellent bestanden“, sagte der Befehlshaber des Kommandos, Generalleutnant Jürgen Knappe.

Vom 1. Mai an wird seine Einheit im Nato-Trainingscenter in Stavanger den Nato-Einsatz in Arnland selbst durchspielen. Es ist eine Stabsübung, das heißt, kein einziger Soldat robbt tatsächlich durch den Matsch und kein Panzer rollt in echt. Der Krieg findet in und an Computern statt. Ein dickes Drehbuch in der Schublade der Nato beschreibt alle Details dieser Einsatzübung, bei der das Kommando auf unerwartete Ereignisse reagieren muss: auf Attacken, Terroranschläge, Cyber-Angriffe, Falschmeldungen und auf vieles mehr.

Übungsname „Jaguar“

Die Übung mit dem Titel „Trident Jaguar 2018“ soll zeigen, dass das Kommando in der Lage ist, einen großen Nato-Auslandseinsatz zu führen. Niemand in der Truppe bezweifelt, dass das Kommando diesen „Nato-TÜV“ bestehen wird. Die Vorbereitungen laufen bereits seit vielen Monaten. Richtig ernst wird es allerdings erst vom 1. Juli an: Dann steht das Hauptquartier aus der Wilhelmsburgkaserne ein Jahr lang in Bereitschaft. Ruft die Nato in dieser Zeit zu einem Einsatz und stimmt die Bundesregierung zu, wird in Ulm das Hauptquartier sein.

So wie jetzt in dem fiktiven Ernstfall. Das ausgedachte Drehbuch spielt in Skandinavien und hat folgenden Inhalt: Eine Region des frei erfundenen Staates erklärt sich für unabhängig, der Gouverneur hat das dort stationierte Militär unter seiner Befehlsgewalt. Es gibt Terroranschläge auf das Mutterland, unberechenbare Milizen, die Korruption ist hoch, es erfolgen Attacken und Bedrohungen.

Schließlich bittet der Regierungschef des destabilisierten Landes die Nato um Hilfe. Die reagiert prompt und stellt eine Truppe aus verschiedenen Nato-Staaten zusammen, die die Stabilität in Arnland sicherstellen, gleichzeitig aber auch eine Eskalation verhindern sollen. Und sie soll die Souveränität Arnlands garantieren. Das Ulmer Kommando soll diesen Einsatz im Nato-Warfare-Center in  Stavanger leiten.

Weil die Nato an seine Einsatz-Hauptquartiere besondere Anforderungen stellt, auch besondere Sicherheitsanforderungen, finden in der Wilhelmsburgkaserne seit geraumer Zeit umfangreiche Umbauten und Neubauten statt. Insgesamt werden bis zum Jahr 2020 in vier große neue Gebäude im Kasernenbereich 61 Millionen Euro investiert, berichtete Oberst Sven Knacke.

Die neue Operationszentrale soll bereits im nächsten Jahr zur Verfügung stehen. Sie wird der  Nabel werden für die Vorbereitungen und Planungen von Einsätzen im Auftrag der Nato, aber auch der Europäischen Union oder der Vereinten Nationen. 135 Arbeitsplätze entstehen dort, die Zentrale wird etwa 18 Millionen Euro kosten.

60 Millionen Investitionen

Ein „Deployable Headquarter Building“, in dem beispielsweise das Zelthauptquartier einsatzbereit gehalten wird, soll ebenfalls im September 2019 stehen, eine Zeltreinigungs- und Trocknungsanlage gehört dazu. Bereits im März geht das IT-Gebäude in Betrieb, ausgestattet mit der modernsten Kommunikationstechnik. Dort wird aktuellste Software aufgespielt, und es wird ein Trainingscenter für Bedienstete der gesamten Bundeswehr werden, sagt Knacke. Und schließlich wird bis 2020 ein Konferenzzentrum aufgebaut, mit Räumen für bis zu 300 Personen. Schließlich wird das Sanitätszentrum aus der Rommelkaserne in die Wilhelmsburgkaserne verlegt. Und das kostet extra.

Entscheidung Anfang Juni erwartet

Politik „Ulm hat große Chancen“, dass das neue Nato-Logistik- und Unterstützungskommando beim  Einsatzkommando in der Wilhelmsburgkaserne angesiedelt wird. Das sagte der Befehlshaber des Kommandos, Generalleutnant Jürgen Knappe während der Übung in Stetten. Die endgültige Entscheidung werde auf der Tagung der Nato-Verteidigungsminister am 7. und 8. Juni erwartet. Es handle sich dabei keineswegs um ein reines Nachschubkommando. Die Einheit soll „in der zweiten Reihe“ für den Truppen- und Materialtransport innerhalb Europas zuständig sein und auch deren Schutz koordinieren. „Es geht um operative Führung.“ Diese Aufgabe passe zum bestehenden Ulmer Einsatzkommando. Weitere Details, etwa welche Truppenaufstockung damit verbunden wäre, sind noch unklar.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel