Geburtstag Udo Vogt wird 80: Der vatikanische Protestant

Verleger durch und durch: Udo Vogt.
Verleger durch und durch: Udo Vogt. © Foto: Maria Müssig
Ulm / Henning Petershagen 30.07.2018

Wer dem Trubel um einen besonderen Geburtstag entrinnen will, bucht am besten eine Kreuzfahrt. So hielt es auch Udo Vogt, weshalb das Gespräch mit ihm anlässlich seines Achtzigsten am 13. Juli erst nach seiner Rückkehr stattfinden konnte. Denn ohne seine Mitwirkung hätte es langwieriger Recherchen bedurft, eine Übersicht über das Wirken dieses rastlosen Verlegers zu gewinnen, der es schaffte, als Protestant das Zentralorgan des Vatikans, den deutschen „Osservatore Romano“ zu verbreiten.

Wer sich für die Geschichte Ulms und seiner Umgebung interessiert, hat unter Garantie eine ganze Reihe von Druckwerken der Süddeutschen Verlagsgesellschaft im Bücherregal stehen. Die sind – zumindest seit 1965 – alle unter Vogts Ägide entstanden. Ob das nun die Standardwerke sind wie die amtliche Kreisbeschreibung mit Hans Eugen Speckers Stadtgeschichte, die Veröffentlichungen des Stadtarchivs Ulm, aber auch die klassischen City-Kalender sowie zahlreiche Ausstellungs-Kataloge: Alle tragen die Handschrift Vogts, der stets mit kritischem Blick auf die höchste handwerkliche Qualität seiner Druckwerke achtete.

Dies fiel ihm umso leichter, als er selber das Druckerhandwerk erlernt hat. Der gebürtige Aalener hat es als Schriftsetzer sogar zum Meister gebracht, studierte aber auch Betriebswirtschaft und Publizistik und hat in diversen Praktika seit 1952 sämtliche Abteilungen des Schwaben-Verlags bis hin zur Zeitungsproduktion durchlaufen. Dass er später in Ulm eng mit den Ikonen der ehemaligen Hochschule für Gestaltung zusammenarbeitete, etwa mit Otl Aicher oder Almir Mavignier, hat seine Qualitätsansprüche in puncto Buchgestaltung zusätzlich gesteigert.

Insofern ist es kaum verwunderlich, dass Vogt neben dem Ulmer Museum auch die Landesmuseen in Stuttgart und Karlsruhe mit den Produkten „seiner“ Süddeutschen Verlagsgesellschaft überzeugen konnte. Die durfte einen maßgeblichen Anteil der Kataloge für die Großen Landesausstellungen drucken. Selbst die Biennalen in Venedig und São Paolo erteilten Aufträge. Und auch die Kolossalfrauen der Niki de Saint Phalle durchliefen die Druckerpresse in der Sedelhofgasse, bevor sie auf den Plakaten endeten, welche die Künstlerin handsigniert in die USA schickte.

Vogts Ulmer Karriere begann 1965, als er zum Betriebsleiter der Süddeutschen Verlagsgesellschaft avancierte. Die druckte auch die Lokalausgabe der „Schwäbischen Zeitung“, als die 1968 ihre Fühler nach Ulm ausgestreckt hatte und deren Prokura Vogt 1970 übernahm. 1979 wurde er Geschäftsführer der „Süddeutschen“, 1989 Geschäftsführer der Niederlassung Ellwangen des Schwabenverlags und 1993 Vorstand der Unternehmensgruppe Schwabenverlag. Und so geriet der Protestant Vogt zum Verleger nicht nur des Katholischen Sonntagsblatts, sondern auch des deutschen Osservatore Romano, was in regelmäßigen Abständen seine Präsenz in der Chefetage des Vatikans erforderte.

Zukunft der Branche sichern

Der Strukturwandel der Branche hat Vogt neue Wege suchen lassen, um die Zukunft der Süddeutschen zu sichern. So kaufte er 1999 für den Schwabenverlag AG den renommierten Jan-Thorbecke-Verlag, und von da an sind seine Ulmensien in der „Süddeutschen Verlagsgesellschaft im Jan-Thorbecke-Verlag“ erschienen.

Seit 2001 im Unruhestand

Engagement 2001 ging Vogt in den Ruhestand, der keiner war: Fünf Jahre saß er im Aufsichtsrat der Schwabenverlag AG. Anschließend engagierte er sich erneut als Verleger der Süddeutschen, bis der Schwaben-Verlag sich 2015 von seiner Tochter trennte: unter Umständen, die Vogt heute noch im Magen liegen, wie er sagt.

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