U19 EM: Kaum Fans bei Europas Junioren-Kickern

Gut gepflegt: Beim Spiel der Kroaten gegen die Holländer hatten die Ulmer Sanitäter einiges zu tun.
Gut gepflegt: Beim Spiel der Kroaten gegen die Holländer hatten die Ulmer Sanitäter einiges zu tun. © Foto: Alexander Krüeger
UTE GALLBRONNER 15.07.2016
Auf den Spuren der U19-Kicker sucht man große Fan-Ansammlungen vergebens. Gern gesehene Gäste sind sie trotzdem.

Auf den Spuren der künftigen Fußball-Elite zu wandeln ist gar nicht so leicht. Der Deutsche Fußball-Bund als Gastgeber ließ verlauten: Training der U19 der Niederlande auf der Anlage der TSG Söflingen. Morgens um halb zehn an der Harthauser Straße. Es schüttet aus Eimern. Nur Fußballer sind keine da. Nur ein paar Fitness-Hungrige hetzen in Richtung Studio. TSG-Geschäftsführer Jochen Schmitt verrät: „Leider konnten wir den holländischen Jungkickern keine Heimat bieten.“ Der Grund: Kurzfristig wird das Rasenspielfeld saniert. Also keine Holländer, sondern Bauarbeiter und frisches Grün.

Am Freitag treten die Sieger des ersten Spieltags der Gruppe B, die Niederländer und die Engländer, im Donaustadion gegeneinander an (12 Uhr). Am Donnerstag sind beide Teams schon aufeinander getroffen – am Frühstücksbuffet im Maritim Hotel. Dort nächtigen alle vier Mannschaften der Gruppe. Dort waren sie auch morgens um 9.30 Uhr. Leicht voneinander zu unterscheiden, da immer alle korrekt in Mannschaftskleidung unterwegs sind. Einziger Ausdruck von Individualität: Badeschlappen oder Sportschuhe.

Am Buffet jedenfalls ließ der Holländer dem Engländer den Vortritt. Zumindest beim Rührei. Gesprochen wurde nicht allzu viel. Wer öfter mal mit jungen Sportlern unterwegs ist, der wundert sich. Da ist normalerweise mehr Lärm. „Hochprofessionell“ träten die Sportler auf, heißt es beim Hotelpersonal. Keinerlei Grund zur Klage. Wenn es anders wäre, würde man das aber auch nicht erzählen. Im Maritim nimmt es das Personal sehr ernst mit der Diskretion. Frühstück für Nicht-Fußballer gibt’s im Nebenraum. Sehr freundlich, aber ebenso bestimmt weist der Koch den Weg.

Vor dem Hotel langweilen sich die Busfahrer. „Nur eine Fahrt zum Training“ stehe am Freitag an. Sonst seien „die Jungs“ vor allem im Hotel. Und zum Donaustadion könne man schließlich laufen. Sogar joggen, wie die Kroaten Mittwoch Abend  demonstriert haben. Das Laktat aus den Beinen laufen, und ein paar blaue Flecken von der ersten Partie gegen die Holländer. Da wurde richtig kräftig hingelangt. Doch auch der Kollege, der mit der Trage vom Feld musste, ist wieder auf den Beinen. Dank intensiver Betreuung.

In der Hotellobby sitzt Steven Bergwijn, so was wie der Star des niederländischen Teams, einsam auf der Treppe und zockt auf dem Smartphone. Zwei französische Kollegen stehen draußen, wo es mittlerweile nur noch nieselt und telefonieren. Der dritte hat sich hinters Haus an eine windstille Stelle verzogen und sich eine Kippe angezündet. Sonst herrscht wieder einmal nichts als Ruhe in und ums Hotel.

Mittagessen. Ruhen. Die Engländer schreiten zur Videoanalyse. Auf den Trainingsplätzen in Jungingen und Böfingen herrscht dagegen Ruhe. Nicht mal ein Platzwart ist unterwegs, keine Kinder auf Autogrammjagd. Zwei halbwüchsige Mädchen sitzen auf der Bordsteinkante, die Köpfe unterm Kopfhörer zusammengesteckt. „Fußballer? Ja, die vom VfL trainieren hier“, sagt Celine. Engländer? „Ich hab’ noch keine gesehen“, meint ihre Freundin: „Aber die kennt ja eh keiner. Wenn es wenigstens Deutsche wären.“ Als die U20 gespielt hat, sei sie mit ihrer Klasse im Donaustadion gewesen: „Dieses Mal gehen wir aber nicht. Meiner Lehrerin ist das zu doof.“

Am Donaustadion herrscht am frühen Abend immer noch Ruhe – allerdings eine von Security gesicherte. Kein Zutritt für Unbefugte. Da wird drauf geachtet. Auch das Abschlusstraining erfolgt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. So wie bei den Großen halt, wenngleich sich bei der U19 eigentlich kaum jemand dafür interessiert. Dabei kicken sie echt gut, die Jung-Stars. Prominente Scouts wurden ja bereits gesichtet. Was fehlt, ist halt der Glamour-Effekt.

Für die Ulmer Sehenswürdigkeit Nummer eins hatten die jungen Herren bisher auch nichts übrig. Rauf aufs Münster? Das geht nicht. Das würde die Kickerbeine zu müde machen. Das Problem mit dem Laktat.

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