Ulm The Car Project: Tuning-Verein will Image aufpolieren

Ulm / Carolin Stüwe 08.09.2018
„The Car Project“ will ein Gegensatz sein zu Rasern auf dem Altstadtring. Schnell gefahren wird auf der Rennstrecke.

Burnouts entstehen nicht nur im Berufsleben, sondern auch, wenn man beim Auto im Stand die Hinterreifen durchdrehen lässt, bis es qualmt und nach Gummi riecht. Viel Feinstaub wirbeln Autofreaks gleichermaßen auf, wenn sie ihr getuntes Fahrzeug in der Kurve kontrolliert ausbrechen lassen. Solche Drifts und die Burn­outs sind jedoch beim Ulmer Tuning-Verein „The Car Project“ überhaupt nicht gern gesehen.

„Wir sind der Counterpart zu den Rasern; wenn wir schnell fahren wollen, gehen wir auf die Rennstrecke Hockenheimring, 200 Kilometer von hier“, sagt der erste Vorsitzende Marco Lima. Der 29-jährige Wirtschaftsinformatiker ist in der IT-Branche beschäftigt und fand als 18-Jähriger über seinen Vater zum Motorsport „und weil die Oma in Walldorf wohnte“ – also unweit des Hockenheimrings.

Beruflich in Ulm gelandet, stieß Lima auf eine Gruppe junger Leute, die sich vor neun Jahren erstmals auf dem Ikea-Parkplatz verabredet hatte und gleich ein Treffen Gleichgesinnter mit 40 Autos aus dem Boden stampfte. Damals wusste noch niemand so recht, wohin die Idee führen sollte. „Heute wissen wir es“, sagt der Vorsitzende, der zum Pressegespräch extra sein schwarzes TCP-T-Shirt angezogen hat.

„Alle sind bei uns willkommen“

TCP ist die Abkürzung für „The Car Project“. Der eingetragene Verein bietet seither Menschen jeglichen Alters eine Anlaufstelle für das Hobby rund um Fahrzeuge. Egal ob Tuner, Oldtimer-Fan, Fotograf, Rennfahrer oder auch jene, die eines davon werden wollen, „alle sind bei uns willkommen“, sagt Lima.

So wie Jannik Hartberger (22), der sich einen Käfer-Oldtimer von 1973 komplett restauriert hat. Und Daniel Seiler hat sich seinen knallgelben Ford Focus ST mit der Nummer 34 „mit einem großen Kühler“ für die Rennstrecke getunt, damit er nicht gleich schlapp macht – der Ford.

Für ihr Importauto aus Japan wiederum kaufen sich Tuning-Fans als Schmuck für den Innenraum keinen deutschen Wackeldackel, sondern Getränkedosen aus Japan und sogar schlichte, herzförmige Griffe, wie sie auch in Japan in der U-Bahn hängen. Auffallende Felgen und leuchtende Autolackfarben und freche Sprüche liegen nach wie vor im Trend.

Coole Sprüche gehören dazu.
Coole Sprüche gehören dazu. © Foto: Volkmar Könneke

TCP-Tuner fahren auf Treffen, stellen dort ihre fahrbaren Untersätze ab und Klappstühle auf, „und dann quatschen wir über unsere Autos“, beschreibt Diana Fleck den unspektakulären Ablauf. Die 20-jährige Kinderkrankenpflegerin in Ausbildung fand vor fünf Jahren auf dem Ikea-Parkplatz ihren Freundeskreis – immer sonntags ab 18 Uhr. Dort könne man als Anfänger durchaus „dämliche Fragen“ stellen, später selbst am Auto schrauben – sie fährt einen Mazda MX 5-Cabrio – und generell „den Kopf ausschalten vom Alltag“.

Strenge Regeln: Müll beseitigen, Lärm vermeiden

Den Kopf einschalten müssen die Tuner dann  wieder, wenn sie den Platz verlassen: den Müll mitnehmen oder im vorhandenen Mülleimer entsorgen sowie beim Losfahren Lärm vermeiden, um Anwohner nicht mit sinnlosem Aufheulen des Motors zu belästigen. So steht es klar in der Vereinssatzung. Sollte doch einmal jemand dagegen verstoßen, müsse er gehen. Ist jemand absolut uneinsichtig, wird sogar die Polizei gerufen. „Denn unser Ziel ist es, die Szene in Ulm in ein gutes Licht zu rücken“, betont Lima.

Ganz schick: die Felgen und dieses leuchtende Blau.
Ganz schick: die Felgen und dieses leuchtende Blau. © Foto: Volkmar Könneke

Das Image leide unter denjenigen Rasern, „die ihre Gegner auf der Straße suchen“. Es müsse daher regelrecht aufpoliert werden. Zwar seien die privaten Autorennen etwa auf dem Ulmer Altstadtring weniger geworden, seit die Polizei mehr getunte Autos kontrolliert, sagt Diana Fleck. Gleichzeitig nervt es sie aber, wenn die TCP-Fahrer allein aufgrund ihrer modifizierten Autos genauso von der Polizei rausgewunken werden. Dann folge halt ein „freundlicher Dialog“ und weiter geht’s. Denn technische Mängel würden weitgehend schon bei den Treffs im Gespräch und später in den eigenen Garagen behoben.

Verkehrsrowdys ignorieren

Wie begegnen die gesitteten Tuner den Verkehrsrowdys? Der Verein diskutiert in den sozialen Netzen immer wieder über Vorfälle in der Stadt, auch über schwere Unfälle. Wenn solch ein Kandidat an der Ampel stehe, habe es aber keinen Zweck, ihn anzusprechen. Lima weiß aus Erfahrung: „Die lassen nicht mit sich reden.“ Das sei aber kein Problem der Szene an sich, sondern der Persönlichkeit dieser Menschen, die nach Aufmerksamkeit heischen. Man sollte sie ignorieren. Bloß: „Wenn sie bei Rot über die Ampel fahren, muss man sie sofort der Polizei melden.“

Deshalb sei es genauso das Ziel des TCP-Vereins, junge Tuner „abzugreifen, bevor sie in schlechte Kreise kommen und sich über den Kauf teurer Autos verschulden“, sagt der Vorsitzende. Und: Es sollte mehr offizielle Rennstrecken geben.

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Treffen nur bei schönem Wetter

Gemeinschaft „Die Community ausleben“, das können die TCP-Mitglieder und diejenigen, die es werden wollen, jeden Sonntag ab 18 Uhr auf dem Ikea-Parkplatz beim Fachmarkt­zentrum an der Blaubeurer Straße – aber nur bei schönem Wetter. Mehr zum „The Car Project“ auf deren Website unter www.thecarproject.de

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