„Wir spielen seit 30 Jahren Fußball, und Politik war bei uns noch nie ein Thema“, sagt der Vorsitzende des SC Türkgücü Ulm, Ali Incekara, vor dem Hintergrund, dass bei zurückliegenden Partien der türkischen Nationalmannschaft türkische Spieler militärisch salutiert hatten. Incekara sieht seinen Fußballverein nicht für Statements zur politischen Agenda zuständig. „Wir sind eine total gemischte Truppe, haben natürlich auch Kurden in der Mannschaft und wollen nur eins: Fußball spielen.“ Wenn allerdings ein Spieler meinte, sich während eines Spiels politisch positionieren zu müssen, würde er dies natürlich ansprechen. „Das ist aber in all der Zeit noch nicht vorgekommen“, sagt Incekara.

Württembergischer und Bayerischer Fußball-Verband

Das sieht der Bayerische Fußball-Verband (BFV) ganz ähnlich. im bayerischen Amateurfußball hatten am Wochenende mehrere Spieler die provozierende Geste des Torjubels von Cenk Tosun im Spiel der türkischen Nationalmannschaft gegen Albanien nachgeahmt. Der BFV möchte das nicht tolerieren und die Fälle der politischen Stellungnahme vor das Sportgericht bringen. „Wir dulden nicht, dass jemand unseren Sport für Diskriminierungen, Provokationen und Beleidigungen missbraucht“, sagt Verbandsspielleiter Josef Janker. In dieser Sache werde die Linie der Null-Toleranz-Politik verfolgt.

Der Württembergische Fußballverband will den Vorfällen bei den Spielen der türkischen Nationalmannschaft vom Wochenende genauer auf den Grund gehen. Diese fallen in den Zuständigkeitsbereich des wfv. Ob es zu Sanktionen kommt, sei noch unklar, mein Verbandssprecher Heiner Baumeister. Vorher werde den Spielern noch die Gelegenheit gegeben, ihr Handeln zu erklären.

Türkische Nationalspieler salutieren

Zum Hintergrund: Nachdem Cenk Tosun nach einem Treffer im EM-Qualifikationsspiel gegen Albanien salutiert und damit eine Debatte ausgelöst hatte, hatten türkische Nationalspieler am Montag beim Spiel gegen Frankreich erneut ins Publikum salutiert. Sie bekunden damit ihre Sympathie mit dem Präsidenten Erdogan. Mit dem Gruß unterstützen die Spieler symbolisch die türkischen Truppen in Nordsyrien. Cenk Tonsun postete nach dem Spiel gegen Albanien ein Bild vom politisch motivierten „Torjubel“ auf der Social-Media-Plattform Instagram. Damit haben die Spieler eine große Debatte losgetreten. Ilkay Gündogan und Emre Can hatten den Beitrag zunächst geliked, anschließend jedoch wieder entliked, da sie damit laut eigenen Aussagen eigentlich keine politische Stellungnahme bekunden wollten.

Cenk Sahin vom FC St. Pauli gekündigt

Besonders hart verfuhr der FC St. Pauli mit einem Spieler, der die Militärsoffensive der Türkei in Syrien öffentlich unterstützt. Cenk Sahin hatte das Bild des militärischen Grußes von Cenk Tosun ebenfalls auf Instagram geliked. Auf Facebook hatte Sahin außerdem in einem Kommentar geschrieben: „Wir sind an der Seite unseres heldenhaften Militärs und der Armeen. Unsere Gebete sind mit euch!“ Der türkische Fußballprofi darf aufgrund dieser Solidaritätsbekundung nun nicht mehr für den Hamburger Verein spielen.

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