Vortrag Türkische Lieder von Deutschland

Der Autor Imran Ayata im Roxy.
Der Autor Imran Ayata im Roxy. © Foto: Roxy: Songs of Gastarbeiter - kommentierter Auflegeabend mit dem in Ulm geborenen Autor Imran Ayata und seinem Kollektiv AYKU
Ulm / Gottfried Lothar 12.10.2018

Unser Land würde ohne die zahlreichen Gastarbeiter nicht so erfolgreich dastehen. Doch was wissen wir von ihrer Kultur, die wir wohl nur als Touristen in den Ferien erleben? Und was für Musik hören sie?

Der in Ulm geborene Schriftsteller Imran Ayata und der bayerische Musiker, Regisseur und Künstler Bülent Kullukcu sind diesen Fragen nachgegangen. Als Kollektiv AYKU haben sie Plattenschränke, Kassetten- und CD-Samm­lungen in ihrem Umfeld durchwühlt, um die Musik der ersten türkischen Einwanderer zu entdecken. 2013 entstand aus dieser Arbeit die CD „Songs of Gastarbeiter, Vol. 1“. Im Roxy stellten sie Ausschnitte daraus vor und erläuterten die Musikstücke mit Erinnerungen, Fotografien und Filmsequenzen.

Anfangs hatten die Künstler auf Türkisch gesungen, sie beschrieben ihre Eindrücke von der für sie so fremden deutschen Mentalität. Doch seit den 1980er Jahren wurden diese Songs auch in deutscher Sprache gesungen. Künstler wie Cem Karaca und Ata Canani zitierten die Max Frisch zugeschriebene Zeile „Es wurden Arbeiter gerufen, doch es kamen Menschen an“, um daraus ihre auch kritischen Texte zu entwickeln, wie sie im HipHop und Rap bevorzugt wurden.

Im Gegenzug sangen deutschsprachige Künstler über die Gastarbeiter wie die „kleinen Italiener aus Napoli“. Und Freddy Quinn präsentierte in seinem Song „Istanbul ist weit“ sogar eine Strophe in bestem Türkisch.

Während ihrer Recherchen trafen Ayata und Kullukcu auch manche Musiker von damals und konnten sie zu Neuaufnahmen der Lieder und zu gemeinsamen Konzerten bewegen, so dass die damaligen Hits weiterhin live vorgetragen werden.

Nach zwei Stunden endete das kommentierte Auflegen, das lehrreiche Geplauder, das kritische Hinweisen auf Missstände im Umgang, das augenzwinkernde Schauen auf die eigenen Wurzeln – leider.

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