Nachverdichtung Trotz Bedenken: In Wiblingen wird gebaut

Schon im August gab es Bürgerproteste in der Kemptener Straße 15. Denn die oberirdischen Parkplätze fallen weg, wenn dort 28 Wohnungen gebaut werden. Und Bäume werden gefällt.
Schon im August gab es Bürgerproteste in der Kemptener Straße 15. Denn die oberirdischen Parkplätze fallen weg, wenn dort 28 Wohnungen gebaut werden. Und Bäume werden gefällt. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Wiblingen / Carolin Stüwe 12.01.2018
Im Wiblinger Hart 4 und in der Kemptener Straße 15 entstehen insgesamt 52 Wohnungen und eine Kindertagesstätte. Manche Nachbarn sind nicht begeistert.

Ein neuer Kindergarten sei zwar gut, lobte eine Anwohnerin, aber dies führe in der Straße zu starkem Hol- und Bringverkehr sowie Lärm durch Kindergeschrei. Zudem wolle man keinen Staub, den Baustellen im Quartier verursachen, aber die bestehenden UWS-Wohnungen sollen doch bitte bald saniert werden. Und: Stellplätze im öffentlichen Raum des Wohnviertels sollten nicht mehr als Park & Ride-Parkplätze „von Fremden“ missbraucht werden, die dann mit dem Bus weiter in die Stadt fahren.

Fazit einer erneuten Informationsveranstaltung für die geplanten Neubauten im Wiblinger Hart 4 und Kemptener Straße 15: Den Nachbarn, zum Teil Wohnungseigentümer, die schon 35 Jahre dort wohnen, wäre es am liebsten, alles bliebe beim Alten. Die Kritik an den neuen Projekten war so kontraproduktiv, dass man sich am Ende im Bürgerzentrum sogar über die Himmelsrichtungen stritt – vor 140 Zuhörern.

Anfang 2019 wird gebaut

Egal, woher die Sonne nun scheint und wohin das versprochene neue Müllhäuschen kommt, es wird gebaut. Anfang 2019 soll es an beiden Standorten losgehen, sagte Frank Pinsler, Geschäftsführer der Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (UWS). Nach voraussichtlich anderthalb Jahren Bauzeit werde man dann erst die UWS-Nachbarhäuser in der Kemptener Straße renovieren, denn diese seien 15 Jahre älter als die Umgebung im Wiblinger Hart 4.

Baubürgermeister Tim von Winning ergänzte, dass für die Neubauten demnächst das Bebauungsplanverfahren beginnt. Schließlich habe man bereits Wünsche und Anregungen von Bürgern in die Rahmenplanungen mit aufgenommen:

  • Die Höhe beider Neubauten wurde auf vier Geschosse begrenzt; im Wiblinger Hart 4 werden drei Geschosse auf das Dach der Kindertagesstätte gebaut.
  • Ein drittes Baufeld (Kemptener Straße) wird zurückgestellt und bleibt als Puffer für eventuell benötigte PKW-Stellplätze.
  • Der Anteil der finanziell geförderten Wohnungen wurde jeweils auf 30 Prozent reduziert.

Den Bedenken der Nachbarn, dass die Neubauten Schatten werfen könnten und dass die Freifläche der Kita viel zu klein und zu schattig ist, widersprach Pinsler. Laut Planung sei der Abstand zu den anderen Häusern doppelt so groß wie der geforderte Mindestabstand. Der Garten der Kita entspreche zumindest der Minimalfläche. „Aber es gibt ja ansonsten genug Grünflächen in Wiblingen, wo die Gruppen hingehen können.“ Und dass die Kinder im Sommer nicht in der prallen Sonne spielen, sei den Erzieherinnen sehr recht: „Dann müssen sie nicht den ganzen Tag die Kinder eincremen.“ Den Einwurf eines Bürgers, dort brauche man überhaupt keinen Kindergarten, weil es gar nicht so viele Kinder gebe in dem Viertel, ließ der Baubürgermeister nicht gelten: „Wir bauen Kindergärten für die nächsten 40 bis 50 Jahre und bis dahin ziehen in diejenigen Wohnungen, in denen jetzt ältere Menschen wohnen, junge Familien ein.“

Groß war die Sorge bei den betroffenen Wiblingern, dass zunächst verstärkt während der Bauzeit, aber auch später viel zu wenig oberirdische Stellplätze zur Verfügung stehen. Befürchtet wird auch, dass die Mieten für die Tiefgaragenplätze so hoch werden, dass die neuen Bewohner lieber am Straßenrand parken – „vor unserer Einfahrt“. Hintergrund der Kritik ist, dass im Wiblinger Hart 4 ein Parkplatz zugebaut und in der Kemptener Straße 15 ein ehemaliges Parkdeck abgerissen und die Fläche überbaut wird.

Dazu Pinsler: Stellplätze während der Bauzeit könne er nicht versprechen. Und langfristig gebe es Modelle, dass an frei finanzierte Wohnungen, also nicht geförderte, eine Stellplatzmiete gekoppelt ist. Von Winning stellte fest: Ganz so groß sei der Verlust nicht, denn 20 bis 22 Stellplätze seien derzeit ohnehin nicht vermietet.

Dass es einen inoffiziellen Park & Ride-Platz gibt, sei im öffentlichen Raum nicht verboten. Überdies parke derzeit die Öffentlichkeit auf 13 Stellplätzen der UWS, und diese bezahlen die Mieter der UWS mit. Bleibe nur die Lösung wie in der Ulmer Innenstadt, einen gewissen Anteil als Anwohnerparkplätze auszuweisen.

Was gehört unbedingt zu einer Infoveranstaltung vor einem Bauvorhaben? Die Befürchtung, dass Bäume gefällt werden. Diesbezüglich sieht es schlecht aus für die Naturfreunde. Es müssen Bäume fallen, sonst müsste man auf bis zu 50 Stellplätze in der Tiefgarage verzichten, betonte der UWS-Chef.

Beschluss des Bauausschusses

Im Wiblinger Hart Geplant sind 24 Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen und eine viergruppige Kindertagesstätte. In der eingeschossigen Tiefgarage ist Platz für 68 Stellplätze.

Kemptener Straße 15 In zwei Gebäuden stehen dann 28 Wohnungen zur Verfügung – auch im Erdgeschoss. In der zweigeschossigen Tiefgarage wird mit 105 Stellplätzen gerechnet.

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