Wetter Trockenheit macht Bäumen zu schaffen

Wasser ist zurzeit ein kostbares Gut. Der städtische Mitarbeiter Fazli Bekim bewässert Grünflächen in der Friedrichsau.
Wasser ist zurzeit ein kostbares Gut. Der städtische Mitarbeiter Fazli Bekim bewässert Grünflächen in der Friedrichsau. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Christoph Mayer 25.07.2018
Stadtgärtner gießen rund um die Uhr, das Wasserkraftwerk ist unausgelastet. Für den Ulmer Wald besteht noch keine Gefahr.

Rudi Carrells Hit „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ braucht man dieses Jahr nicht zu spielen. Seit Mitte April ist es überwiegend warm und trocken. Jetzt, passend zum Ferienbeginn in Baden-Württemberg (und am Freitag in Bayern), läuft der Sommer zu seiner Höchstform auf. Goldene Zeiten für Daheimurlauber, Sonnenanbeter und Eis­esser. Doch der Pflanzenwelt verlangt das Wetter einiges ab. Und damit auch jenen Menschen, die für sie im Einsatz sind – Kleingartenbesitzer inklusive.

Bäume leiden

Notstand herrsche in Ulm – im Gegensatz zu trockeneren Gefilden Deutschlands – zwar noch nicht, sagt Christian Giers. „Einige Bäume leiden aber“, fasst  der Leiter der städtischen Abteilung Grünflächen die Lage zusammen. Besonders frisch gepflanzte sowie all jene, die auf versiegelter Fläche und damit auf aufgeheiztem Terrain stehen, mache die Hitze- und Trockenperiode arg zu schaffen. Mit drei Gießfahrzeugen seien die Mitarbeiter des Bauhofs derzeit „rund um die Uhr“ im Einsatz. Regelmäßig werden auch die grünen „Gießsäcke“ an Jungbäumen befüllt, von denen es im Stadtgebiet mehr als 1000 Stück gibt. Die Idee dahinter: „Die Wasserabgabe soll langsam und kontinuierlich erfolgen, denn ein kurzer Starkregen bringt den Bäumen wenig.“ Insgesamt sieht auch Giers einen Trend hin zu trockenerem und wärmerem Klima. Seine Abteilung – für 40.000 Bäume zuständig – reagiere darauf. Gepflanzt würden neuerdings vermehrt auch trockenheitsliebende Bäume wie Schnurbaum, Sommerlinde und Gleditschie.

In den städtischen Forsten sieht es besser aus. „Bisher halten sich die Folgen der Trockenheit in Grenzen“, sagt Forstamtsleiter Max Wittlinger.  Ausnahmen: Fichten bilden mangels Wasser zu wenig Harz und bereiten so dem gefürchteten Borkenkäfer ein Einfallstor. Auch die erst in diesem Frühjahr neu gepflanzten Bäume – mehr als 10.000 Fichten, Douglasien, Lärchen sowie Laubbäume – gelten als Sorgenkinder. „Sie sind zwar gut angewachsen. Wenn es aber weiter so trocken bleibt, sterben sie ab. Akute Waldbrandgefahr herrsche nicht, „die Bestände sind grün“, sagt Ulms oberster Förster. „Bald muss aber mal längerer Regen kommen. Sonst wird es riskant.“

Seit mehr als drei Monaten ist gefühlt Sommer – die Statistik bestätigt es.  Im Juli sind in Ulm nur 35 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen, 45 Prozent dessen, was für diesen Monat normal wäre, wie Diplom-Meteorologe Thomas Schuster vom Deutschen Wetterdienst in Stuttgart auf Anfrage berichtet.  Im um 1,3 Grad zu warmen Juni sah es mit 86 Litern (85 Prozent des langjährigen Mittels) zwar besser aus: Allerdings kam das Nass ungleich  verteilt vom Himmel. „Zwischen 13. und 27. Juni hat es überhaupt nicht geregnet.“ Im Mai fiel die Hälfte des monatlichen Regens (53 Liter) gar an einem einzigen Tag, dem 24. Der April war mit
17 Litern Niederschlag, 260 Sonnenstunden und einer Temperatur von 4,1 Grad über dem langjährigen Mittel sogar rekordverdächtig.

Turbine abgeschaltet

Im Wasserkraftwerk an der Böfinger Halde läuft seit vergangener Woche nur noch eine der zwei Turbinen. „Die Donau führt zu wenig Wasser“, sagt Stadtwerke-Sprecher Bernd Jünke. Die Mess-Stelle „Bad Held“ unter der Adenauerbrücke vermeldete gestern einen Abfluss von rund 57.000  Litern pro Sekunde. In wasserreichen Zeiten (und damit ist kein Hochwasser gemeint) sind es etwa 160.000 Liter. Darauf sind die beiden Turbinen ausgelegt, die jeweils 80.000 Liter Wasser pro Sekunde verarbeiten können. Jünke gibt sich aber optimistisch: „Im Verlauf des Jahres gleicht sich das alles wieder aus“, ist er überzeugt.

Hitzeperiode hält vorerst an

Prognose Frühestens am Samstagabend könnte es über Ulm mal richtig abregnen, sagt DWD-Meteorologe Thomas Schuster. Sicher sei das nicht. Erst ab Mitte nächster Woche sieht er einen Trend zu  feuchterem Wetter – bei Temperaturen von 25 Grad. So berechnet es zumindest das europäische Modell. Das US-amerikanische Modell (für Europa) geht zurzeit von einer längeren Trockenperiode aus. 

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