Konditoren Wettbewerb in Neu-Ulm: Suche nach dem besten Eis

Neu-Ulm / Tobias Herrmann 12.04.2018
Beim Vorausscheid des Gelato Festivals in Neu-Ulm wurde das beste Eis gekürt. Zwölf Gelatieri überboten sich mit ihren Kreationen.

Concerto.  Holy. Modica. Trilogia Bianca. Was klingt wie eine Oper von Verdi sind in Wirklichkeit die Namen von Eissorten.
Am Mittwoch ging in Neu-Ulm die dritte Etappe der „Gelato Festival Challenge“ über die Bühne. Bei der Firma Pfersich in der Neu-Ulmer Messerschmittstraße traten zwölf Speiseeishersteller, sogenannte „Gelatieri“, gegeneinander an. Der Sieger und der Zweitplatzierte reisen zur Deutschen Meisterschaft nach Berlin.

Der Sieger, das war an diesem Tag Arnoldo Davido aus Saarburg. Nachdem er sich im vorherigen Jahr noch mit dem zweiten Platz begnügen musste, konnte er in diesem Jahr die Jury mit seiner „Trilogia Bianca“ überzeugen. Dabei handelt es sich um eine Eis-Kreation aus Kaffeesahne, Stracciatella mit Anis und Batol – ein italienisches Gebäck aus Weizenmehl.

Mit „Red King“, einer Mischung aus Granatapfel und Honig, erreichten Rino Bernardi und sein Sohn Manuel den zweiten Platz. Das Besondere an ihrem Eis: Alle Zutaten sind selbst hergestellt. In ihrer Heimat in Venetien haben sie eine riesige Obstplantage. „Kirsche, Feige, Wassermelone oder Granatapfel. Sogar der Honig stammt aus eigener Imkerei“, erklärt Rino nicht ohne Stolz.

Zusammen mit seinem Sohn machte er überdies bereits vor einigen Jahren Schlagzeilen, als sie 2009 in Ochsenhausen die erste Drive-In-Eisdiele Deutschlands eröffneten. „Aus Notwehr“, wie Rino mit einem Schmunzeln erklärt. Die Eisdiele befand sich nahe der Bundesstraße 312, und Parkplätze waren rar. Um für mehr Frequenz zu sorgen, bauten sie die an die Eisdiele angrenzende Garage kurzerhand zu einem Drive-In um und erlangten bundesweit Berühmtheit. 1978 in eben jener Garage gegründet, betreibt „by Rino“ mittlerweile fünf Filialen – darunter auch in Aalen und Immenstadt im Allgäu.

Der Geschmack entscheidet

„Am wichtigsten ist letztendlich der Geschmack“, erläuterte Gerhard Schenk, der Präsident des deutschen Konditoren-Bundes. Zusammen mit Dario Fontanella, einem Eiskonditor aus Mannheim und dem Erfinder von Spaghetti-Eis, sowie dem Ludwigsburger Eiskonditor Tiziano Olivier hatte er die schwere Aufgabe, unter den zwölf Teilnehmern die beiden besten zu küren. Ursprünglich hätte der Food-Journalist Marcus Göllin noch der Jury angehören sollen. Da Göllin jedoch kurzfristig ausfiel, sprang für ihn Zeitungspraktikantin Theresa Moosmann spontan ein.

Laut Schenk ein Glücksfall: Neben Experten und erfahrenen Juroren bringe ein „gewöhnlicher Konsument“ eben einen etwas anderen Blickwinkel mit. Bewertet werden Kreativität, die handwerkliche Qualität, die Art der Präsentation und die Textur oder „Cremigkeit“ des Eises. Zudem achten die Juroren darauf, ob eine Philosophie erkennbar ist und beispielsweise regionale Produkte verwendet werden.

Unter den Teilnehmern hätte auch ein Vertreter aus der Herrenkellergasse in Ulm sein sollen, sagte jedoch kurzfristig ab. So war der Landkreis Biberach besonders stark vertreten, neben Ochsenhausen auch mit der 49-jährigen Henrike Weihs. Sie ging mit „Cheeky Mango“ an den Start.

Ursprünglich Hoteldirektorin, machte sie sich 2016 in Biberach mit der Eisdiele „Lieblingseis“ selbstständig. Seither experimentiert Weihs mit Avocado, Erdnuss oder Blutorange. Beim Wettbewerb 2017 belegte sie mit Sikarni, einer nepalesischen Kreation aus Gewürzjoghurt, Pistazien, Safran und Kurkuma, den vierten Platz.

Für den reibungslosen Ablauf des Wettbewerbs sorgte Colle Adriano, deutscher Eismeister 2014, der allen Teilnehmern mit Rat und Tat zur Seite stand.

Über Neu-Ulm und Berlin zur WM nach Rimini

Gelato Festival Bei Pfersich in Neu-Ulm lief gestern die dritte von vier Etappen der „German Challenge – Gelato Festival“. Dabei traten insgesamt zwölf Gelatieri gegeneinander an. Die besten zwei jeder Etappe reisen zur Deutschen Meisterschaft, die im Juni in Berlin stattfindet. Die drei besten vertreten Deutschland bei der Weltmeisterschaft 2021 in Rimini.