Ulm / UTE GALLBRONNER Drei Monate vor dem Einstein-Marathon sind die Vorbereitungen in vollem Gange. Die Handicap-Starter haben nun hohen Besuch von Triathlon-Weltmeister Daniel Unger bekommen - und ihn chancenlos zurückgelassen.

„Ja, ich hab’ ihn“, Robin reckt einen Arm in die Höhe und jubelt, als er von seiner Runde um den Böfinger Sportplatz zurückkommt. Gerade hat er mit seinem Handbike den früheren Triathlon-Weltmeister Daniel Unger besiegt. Der war freilich zu Fuß unterwegs und fordert umgehend Revanche.

Die Schüler, die sich an diesem sonnigen Nachmittag auf dem Sportgelände des VfL Ulm in Böfingen tummeln, sind alle frisch ausgerüstet mit weißen Funktions-Shirts, die Unger mitgebracht hat. Die einen sind wie Robin Schüler an der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule für Körperbehinderte, die anderen an der Ulrich-von-Ensingen-Gemeinschaftsschule. Zusammen bereiten sie sich auf die Jugendläufe des Einstein-Marathons vor. „Seit vier Jahren sind wir dabei, seit drei Jahren gemeinsam unterwegs“, sagt Lehrer Marco Wendler.

In der Gruppe sind einige dabei, die sich bei den Einstein-Läufen schon richtig gut auskennen. Wie Lilly zum Beispiel, seit Jahren das einzige Mädchen, das sich im Handbike auf den Weg macht. Bei den Läufern, die über verschiedene Strecken antreten, sind es schon ein paar mehr. Carolin etwa, die an diesem Nachmittag einen neuen persönlichen Rekord über 800 Meter aufstellt. Angefeuert von Wendler und seinem Kollegen Mario Klose.

 

Begleitet wird sie von einer anderen Carolin. „Das ist Zufall, dass die beiden gleich heißen“, sagt Edith Oschwald-Nimz, die auf Seiten der von-Ensingen-Schule die Laufgruppe betreut: „Die Schüler finden sich ganz von allein zusammen.“ Beim ersten Projekt hätten die Lehrer noch versucht, Pärchen zu bilden: „Aber das hat sich nicht bewährt. Das geht von ganz alleine“, meint Edith Oschwald-Nimz.

Bei ihr sind es vor allem Mädchen, die mitmachen, einige waren schon öfter dabei, andere versuchen es zum ersten Mal. Nicht jeder braucht einen Mitläufer an seiner Seite. James etwa legt an diesem Tag besonders los, läuft schnell wie nie. „Wenn du die erste Runde ein bisschen langsamer angehst, wird es noch besser“, lobt Wendler. Das gemeinsame Laufen ist es, das alle Schüler begeistert, vor allem auch diejenigen, die Motivation brauchen. Bei Delia etwa hat es sich bewährt, dass zwei Mädchen der UvE sie begleiten. Da geht es dann nicht ums schnelle Rennen, sondern um die Motivation, gemeinsam ins Ziel zu kommen.

An diesem Tag geht es aber auch um den besonderen Gast. Ganz besonders für Robin und Berkay. Die beiden wollen Unger zeigen, wie das ist, im Handbike unterwegs zu sein. Der macht den Spaß mit und tritt gegen die Jungs an. „Da braucht man Muckis“, sagt Robin und deutet auf seine Oberarme. „Und Köpfchen“, ergänzt er noch und deutet auf die Gangschaltung an seinem Adaptiv-Bike. Dann erklärt er Daniel Unger kurz, was er machen muss, ehe er sein Sportgerät dem Triathleten überlässt.

Die erste Runde gegen Berkay geht knapp an den Schüler, und auch im Duell gegen Robin zieht Unger den Kürzeren, obwohl er sich inzwischen eingefahren hat. „Die Jungs arbeiten mit allen taktischen Tricks“, hat er unterwegs erfahren. Beide hätten ihn beinahe in die Wiese gedrängt.