Donaufest Traumstart an beiden Ufern

Ulm / Harald John 09.07.2018

Als sich Ivan Rakitic den Ball zum entscheidenden Elfmeter schnappte, wurde es ganz leise am kleinen Kroatien-Pavillon von Thomas Baumgärtner. Nur Sekunden später aber jubelte der ganze Platz rund um die Weindorfbühne, allen voran Franjo Marsic, Willi Rica und Stefan Takac. Die drei, die auf dem Donaufest Dragun-Wein, Käse mit Sardellen und würzige Kulen-Wurst verkaufen, stand das Lächeln auch am Sonntag immer noch im Gesicht. Kroatien im Halbfinale und feinstes Sommerwetter – so sah der Traumstart des 11. Internationalen Donaufestes aus.

Von einem „sensationellen Auftakt“ schwärmte denn auch Ralph Seiffert, Geschäftsführer des veranstaltenden Donaubüros. „Es läuft hier einfach super entspannt, weil sehr gut organisiert wurde, lobte er Veranstalter Sebastian Rihm und dessen Team. Die Stimmung sei von der ersten Minute einfach klasse.

Das war auch im Donau-Salon zu spüren, wo es Sonntagmittag beim Auftritt des DC JazzLab so heiß herging, dass Rainer Markus Walter, der Verantwortliche auf Ulmer Seite, die Planen des Zeltes hochschlagen musste: „Denen läuft hier drinnen der Schweiß nur so runter.“ Auch Walters erstes Fazit fiel positiv aus: „Endlich haben wir die richtige Mischung, hier läuft Folklore, Jazz, aber auch Club-Music.“ Viele Musiker aus den zehn Teilnehmerländern, die in ihrer Heimat meist nur vor 18-35-Jährigen spielten, zeigten sich beeindruckt, dass beim Donaufest auch über 60-Jährige mittanzen würden.

Wem die Auftritte im Zelt zu heiß waren, der konnte entspannt über den Markt der Donauländern bummeln, wo es nach scharfen Würsten, nach bosnischem Kebab und serbischen Krautwickeln duftete, wo es auch Entenwurst und – wer es mag – Hahnhodengulasch gibt. Am Rande des Trubels hatten sich Fatih und sein Cousin Anil aus der Türkei am Ufer niedergelassen, um in aller Ruhe eine Partie Backgammon zu spielen. Der Verlierer musste das Essen und Trinken bezahlen.

Bestens gelaunt zeigte sich auch Raduly János. Der Korbflechter-Meister aus dem rumänischen Simonesti flechtet Körbe und zeigt auch gerne anderen seine Handwerkskunst. Wer mag, kann bei dem Siebenbürger etwa in einer Stunde einen kleinen Zaun zusammenbauen. Doch auf einem Fest mit einem derart herzlichen Miteinander werden Zäune nicht gebraucht.

Nur wenige Meter weiter verkauft Brigitte Bonder aus Budapest ihre selbstgebastelten Bären, im Kinderwagen neben ihr schläft der zweijährige Borna tief und fest. Das ist der „Donaufest-Spirit“, von dem Donaubüro-Direktor Rihm schwärmt.

Den erlebten auch zahlreiche Gäste beim „Slawonischen Abend“, bei dem OB Gunter Czisch Baden-Württembergs Justizminister Guido Wolf, Landrat Bozo Galic (Landkreis Vukovar-Srijem) und den kroatischen Botschafter Gordan Grlic Radman begrüßte. Und spätestens, als Ivan Rakitic den Ball im Tor der Russen versenkt hatte, war aus dem Slawonischen Abend eine kroatische Jubelfeier geworden, bei der auch Deutsche, Serben und Bosnier lautstark und weinselig in die Freude mit einstimmten. Donaufest-Spirit eben!

Verrückte Hühner, foische Wiener

Programmtipps Heute startet das Programm im Kinderzelt auf Neu-Ulmer Seite um 10 Uhr und 11.30 Uhr mit dem Theater Babelart und dem Stück „Der Koch, eine Wurst und das verrückte Huhn.“ Um 15 Uhr folgt ein Kunst-Workshop. Um 17 Uhr gibt es eine Führung zum Hochwasserschutz.

Musik Im Donausalon heißt es ab 18.30 Uhr „Danube Streamwaves goes live“, um 19 Uhr treten auf der Bühne Neu-Ulm Martin Spengler & Die foischn Wiener auf. Und bei Einbruch der Dunkelheit startet das Silent Cinema.

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