Nicht, dass Wolfgang Dieterich nicht satt zu bekommen wäre. Dafür ist der Geschäftsführer der Ulm/Neu-Ulm Touristikgesellschaft ein zu zurückhaltender Mensch. Aber: "Es ist noch Potenzial da, das besser auszuschöpfen ist." So merkt er im ersten Quartal 2014 bereits einen Trend zu weiter besseren Zahlen, als sie schon 2013 gebracht hat. Da registrierten die Ulmer und Neu-Ulmer Hotels "einen richtig schönen Übernachtungsrekord", wie sich Dieterich freut.

Wie viele Gäste kommen? 2013 wurden 410 000 Gäste gezählt, ein Plus von 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr (nicht enthalten darin sind die vielen Tagesgäste, die am gleichen Tag wieder abreisen und praktisch nicht gezählt werden können). Die Hotelgäste brachten es dabei auf 693 000 Übernachtungen (viele bleiben schließlich länger als eine Nacht), 500 000 davon in Ulm. Das ist bei einer Steigerung von 8,4 Prozent nicht nur intern bemerkenswert, sondern auch im externen Vergleich - unter den baden-württembergischen Städten kann da nur Heidelberg mithalten. Im Land und in Bayern insgesamt stieg die Zahl nur um 0,2 Prozent (Deutschland: 1,1).

Wie lange bleiben die Gäste? Setzt man Ankünfte und Übernachtungen ins Verhältnis, bekommt man die Aufenthaltsdauer im Schnitt. Das waren dann nur 1,7 Tage, "immer noch relativ niedrig", sagt Dieterich; der Städteboom im Tourismus ist womöglich überbewertet.

Woher kommen die Gäste? Ein Viertel kommt aus dem Ausland. Unter ihnen liegen die Nachbarländer vorne. Das war auch schon anders, vor 2001 waren die USA und Japan spitze. Jetzt sind es die Niederländer (die oft auf Durchreise sind oder ins Legoland wollen), die Schweizer (die aus dem Thurgau zum Einkaufen kommen), die Italiener (die über Ulm hinaus sonst weniger ins Ländle finden), die Belgier und Österreicher. Im Kommen sind Besucher aus China. Und aus den Arabischen Golfstaaten, sie reisen Dieterich zufolge nicht zuletzt wegen medizinischer Behandlung an die Donau (Platz 12, plus 92 Prozent).

Wer könnte noch zulegen? Die UNT will sich künftig gezielt an die Franzosen ranmachen. "Da ist noch viel Potenzial", sagt Dieterich, "aber sie sind sehr schwer zu überzeugen, ihr Land zu verlassen." Immerhin: Fahrten auf der Direktverbindung Paris-Ulm mit dem TGV haben um ein Viertel zugenommen - auf 4000.

Warum kommen die Gäste? Sie kommen als Touristen oder als Geschäftsreisende. Den starken Anstieg von Israelis führt Dieterich auf die Übernahme von Ratiopharm durch das israelische Unternehmen Teva zurück. Dafür gebe es weniger Finnen, seit Nokia die Wissenschaftsstadt verlassen hat. Osteuropäische Länder machen sich mit vielen Arbeitsreisenden in Monteursunterkünften bemerkbar.

Wann kommen die Gäste? Die meisten Hotelgäste kommen im Juli und August, was zeigt, dass Ulm auch als Tourismusziel gefragt ist, schließlich gibt es im Sommer weniger Geschäftsreiseverkehr. Die schwächsten Monate sind Januar bis März.

Welche Rolle spielen Events? Großereignisse wie das Fischerstechen, die Leichtathletikmeisterschaften, das Schäferhundetreffen, 2014 das Donaufest und der Sparkassen-Marathon, 2015 das Münsterjubiläum schlagen sich nicht nur in den Bilanzen nieder, sondern sind aus Sicht der UNT allgemein eine Chance für das Stadtmarketing. Und wenn Neil Young an Schwörmontag für sein Süddeutschland-Konzert nach Ulm kommt, merkt man auch das.

Wie entwickelt sich das Angebot? In den vergangenen fünf Jahren hat sich viel getan, sagt Dieterich, neue Hotels und Bettenkapazitäten haben zu einem Preis- und Qualitätswettbewerb geführt, von dem vor allem der Low-Budget-Bereich profitiere. Und noch wird weiter investiert. Kein Wunder: Der Übernachtungsrekord hat trotz höherer Bettenzahl (4471) die Belegungsquote in Ulm und Neu-Ulm noch verbessert.

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