Ulm Tour de Städtle mit Minister

Ulm / JAKOB RESCH 11.08.2012
Ein ministerieller Konvoi war diese Woche ganz ohne Polizei-Eskorte in der Stadt unterwegs: Die Ulmer zeigten Winfried Hermann, wie sie ihren Radverkehr regeln. Der Verkehrsminister war streckenweise platt.

Am Ende stand der Schulterschluss: "Ich freue mich, dass Ulm das gleiche Ziel hat wie das Land Baden-Württemberg", sagte Verkehrsminister Winfried Hermann am Donnerstag im Rathaus zur beiderseitigen Ambition, den Radverkehr verdoppeln zu wollen. Die Stadt hat dazu das Bündnis "Fahr-Rad" ins Leben gerufen, das Land die Aktion "Radkultur" (siehe Info-Kasten). Baubürgermeister Alexander Wetzig wollte aber nicht vor dem Minister hochstapeln, er sagte: "Wir sind noch nicht die Fahrradstadt. Aber wir sind auf einem guten Weg."

Wie genau dieser Weg aussieht, hatten die Ulmer dem Stuttgarter zuvor auf einer Radtour gezeigt. Angeführt von Tom Philipp Schiller, dem Radverkehrsbeauftragten der Stadt, ging es von der Blau an die Donau und vom Söflinger Klosterhof übers Congress Centrum zum Rathaus. Hermann wurde dafür mit einem Dienstfahrrad aus dem städtischen Fuhrpark ausgestattet, einem Elektro-Bike der Marke Bosch-Hercules Roberta 125 für 2000 Euro.

Hermanns Erkenntnis Numero 1: "Parkende Autos behindern Radfahrer." Das war in der Neuen Gasse zu sehen, weswegen Radler dort 50 Meter den Berg hoch in die Gasse "Bei den Quellen" umgeleitet werden. Wetzig: "Ein Umweg." Unschön.

Hermanns Erkenntnis Numero 2: "Das könnte man übers Internet in den Landesradverkehrsplan einstellen." Wenn der Radweg am Schubartgymnasium wegen Kanalarbeiten gesperrt werden muss. Findet Schiller gut. Im Übrigen entwirft die Stadt über ihr vorausschauendes Baustellenmanagement dafür ein eigenes Umleitungsschild.

Hermanns Erkenntnis Numero 3: "Das ist nicht ganz einfach." Nämlich ein E-Bike auf die Abstellanlage am Bahnhofsteg hochzuwuchten. Dafür bekam er die Vorzüge eines Ulmer Modells präsentiert: Der massive stählerne Fahrradständer, wie er überall in der Stadt zu finden ist, ist eine Eigenentwicklung, die im Baubetriebshof gefertigt wird. Chefverkehrsplaner Thomas Feig: "Querrohr eindübeln, fertig." Da muss nix betoniert werden. "Wir verkaufen das schon an andere Kommunen."

Hermanns Erkenntnis Numero 4:

"Ich habe schon in Berlin gedacht: So was bräuchte es dringend." Ulm hat es schon, und zwar eine Lichtsignalanlage mit angeschlossener Radverkehrsampel wie in der Glöcklerstraße, die Radlern Dauergrün gibt, welche rechts in den Radweg Richtung Ehinger Tor abbiegen wollen. Mal wieder eine Ulmer Spezialität über die Straßenverkehrsordnung hinaus. Wetzig: "Die Behörde hat es noch gar nicht gemerkt."

Hermanns Erkenntnis Numero 5: "Hier darf man erstaunlicherweise mit dem Fahrrad reinfahren. . ." Hätte er nicht gedacht, so mitten auf den Münsterplatz. Für die Ulmer ist dies eine Herausforderung des schiedlich-friedlichen Miteinanders von Radlern und Fußgängern, das eingangs der Platzgasse freilich meist ein Ende hat, wenn Radler zum Ärger der Passanten verbotenerweise weiterfahren. Der Minister appelliert an die "Radkultur", mit der das Land offiziell wirbt.

Hermanns Erkenntnis Numero 6: "Wir bekommen keine größere Radförderung, wenn Radler rücksichtslos sind." Die Ulmer wollen jetzt im besten Verständnis der Straßenverkehrsordnung ein weiteres eigenes neues Schild kreieren, das Radler zum vorsichtigen Fahren ermahnt.

Hermanns Erkenntnis Numero 7: Es gibt ein Radlerparadies. So soll die Zeitblomstraße Schiller zufolge bald "Ulms erste Fahrradstraße" sein, als wichtige Achse zwischen der Olgastraße und der Karlstraße.

Hermanns Erkenntnis Numero 8: "Endlich - die Donau!" Dort werden dem Minister seine Grenzen aufgezeigt. Wetzig: "In der Flussmitte beginnt Bayern." Dann fährt er die Donau auf dem wunderschönen Ulmer Donauradwanderweg in sein Ländle hinein zurück in die Stadt.

Schlusswort: "Ich bin angenehm überrascht, wie weit man in Ulm schon ist." Und das wissen die Ulmer ja vielleicht selbst noch nicht. Weswegen der Minister jetzt angeregt hat, solche Erkundungstouren auch der Bürgerschaft anzubieten.

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