Ulm/Liatoppen / Petra Teubner, Tina Kabza  Uhr

Eigentlich ist die Saison im Biathlon vorbei. Die Weichen für die neue Saison werden gestellt, die Ski sind weggepackt, das Sommertraining beginnt. Für einige Sportler des DAV Ulm stand aber noch ein Höhepunkt auf dem Programm: Sie hatten die Einladung zum Liatoppen Skiskytterfestival erhalten, den norwegischen Jugendmeisterschaften.

„Besonders für unsere 15er war das eine Herausforderung“, sagt der Ulmer Stützpunktleiter Werner Rösch. Die „15er“ ist der älteste Schülerjahrgang, es sind die Sportlerinnen und Sportler, die in diesem Jahr 15 Jahre alt werden. Bis März haben sie mit dem Luftgewehr auf zehn Meter entfernte Scheiben geschossen. Erst mit dem Wechsel in die Jugendklasse erfolgt der Umstieg auf das Kleinkaliberklasse, entsprechend sind die Ziele 50 Meter weg.

Perfekt organisierte Gastgeber

Anders in Norwegen. „Da gibt es keine Luftgewehrklassen. Die fangen gleich mit dem Kleinkaliber an. Allerdings bis zum Alter von 16 Jahren nur liegend und das Gewehr wird am Schießstand bereit gelegt“, erklärt Rösch. Er bewundert deshalb auch die Organisation der Norweger. Denn immer ist dafür gesorgt, dass das passende Gewehr am richtigen Schießstand rechtzeitig bereit liegt, wenn der Sportler kommt und das bei sehr großen Starterfeldern.

Mit dem Flugzeug ging es für Sportler und Trainer von München nach Oslo, danach stand eine knapp vierstündige Fahrt zur Unterkunft an. Diese lag irgendwo im Nirgendwo, und die unendlichen Weiten der norwegischen Schneelandschaft im Sonnenuntergang beeindruckte die Jugendlichen. „Wahnsinn. Kilometerlange Loipen, kein Mensch dort und immer frisch gespurt“, sagte Elisa Kast beim Blick aus der Unterkunft. Beim ersten Frühstück waren auch Menschen zugegen: Langlaufende Norweger, die sich am Buffet ganze Brottürme an Vesperpaketen zurecht machten.

Für die Ulmer Sportler stand nach kurzer Nacht die Mixed-Staffel an. Regel in Norwegen: Die drei Starter dürfen zusammen nicht älter als 45 Jahre sein. Der DAV Ulm schickte seine 15er ins Rennen. Der DAV I mit Startläufer Till Teubner, Yannik Kabza und Charlotte Gallbronner setzte ein unerwartetes Ausrufezeichen: Das Trio landete in dem Wettbewerb mit 48 Staffeln auf Rang zehn. Und: Alle kamen mit nur jeweils einem Nachlader aus. Richard Maier, Kilian Seybold und Mara Biedenbach wurden 32.

Rösch war hoch zufrieden. Seine Erklärung für überraschend gute Schießleistungen: „Wer mit dem Luftgewehr gut und konzentriert gearbeitet hat und das diszipliniert umsetzt, profitiert jetzt davon.“ Ihm gefiel die Disziplin seiner Sportler – obwohl die Nacht mitunter zum Tag gemacht wurde. Egal wie: Hauptsache fit am nächsten Tag. Im Sprint über 4,5 Kilometer wurden allein 111 Starter in der männlichen Jugend 15 auf die Reise geschickt.

Mit letzter Kraft im Massenstart

Till Teubner war der schnellste Ulmer. Nach zwei Fehlern im ersten Schießen blieb er im zweiten fehlerfrei. In 18:27 Minuten lag er 3:13 Minuten hinter Sieger Stian Fedreheim (Hernes/15:14 Min.). Dicht auf den Fersen war ihm Yannik Kabza (2), der zehn Sekunden dahinter auf Platz 62 kam. Beim Massenstart über dieselbe Distanz am dritten Wettkampftag hatten die Jungs schwere Beine und trafen nicht mehr so gut. Bester war Kilian Seybold (72./18:57/3 Fehler).

Bei den Mädchen waren weniger am Start, die Strecken genauso lang. Bei den 16-Jährigen schaffte es Lisa Kohler im Massenstart auf Platz 19 (19:03 Min.). Für die besten Ergebnisse und Zeiten aus Ulmer Sicht sorgte Charlotte Gallbronner als 13. in 17:44 Minuten (2) im Sprint und 12. im Massenstart (18:11/2).

Es war ein grandioses Erlebnis für die acht Ulmer. Neben der schieren Größe des Wettkampfes und der internationalen Konkurrenz war es auch die Siegerehrung, die Spuren hinterließ. Denn gratuliert haben mit Tarje Boe und Ole Einar Björndalen zwei absolute Stars der Szene.

Drei Wettkampftage in Zahlen

1658 Kilometer liegen zwischen den PistenBully-Biathlonzentrum in Dornstadt und dem Wettkampfort Liatoppen zwischen Gol und Geilo im Bezirk Hemsedal. Gewehre, Ski und das weitere Material der Sportler wurden mit dem Vereinsbus transportiert: Zwei Tage dauerte die Hinreise, weitere zwei die Rückfahrt.

1189 Teilnehmer waren insgesamt am Start, darunter die Jugend-Nationalteams aus Polen und Frankreich sowie Athleten aus Schweden, Finnland und den USA.

14 Grad war die Höchsttemperatur an den drei sehr sonnigen Wettkampftagen in Norwegen. Für die Einheimischen Grund genug in kurzen Hosen anzutreten.

2 Autos gingen während der vier Wettkampftage kaputt: Der Vereinsbus hatte einen Plattfuß, der Mietbus einen Motorschaden. Trotzdem war das Ulmer Team immer pünktlich am Start und auch wieder am Flughafen.