Toller Hecht im Münster

Mit viel Liebe zum Detail inszeniert: "Daniel in der Löwengrube" im Chorraum des Ulmer Münsters. Foto: Volkmar Könneke
Mit viel Liebe zum Detail inszeniert: "Daniel in der Löwengrube" im Chorraum des Ulmer Münsters. Foto: Volkmar Könneke
SYBILLE SCHÄFER 24.06.2013
Eingängige Melodien, biblische Verse, begabte Darsteller: Im vollbesetzten Chorraum des Ulmer Münsters begeisterte am Samstag das Kinder-Musical "Daniel in der Löwengrube" große und kleine Zuschauer.

"Hilfe, die Löwen kommen!" Angriffslustig streifen die kecken kleinen Raubkatzen durch das Ulmer Münster. Ihr Ziel: Daniel in der Löwengrube. Humorvolle Töne und eingängige Melodien bestimmen das gleichnamige Singspiel von Gerd-Peter Münden nach der berühmten biblischen Geschichte aus dem Alten Testament. Eine Bilderbuchvorlage also für die Kinderchöre und die Kinderkantorei der Münsterkantorei unter der Leitung von Iris Wieland.

In den biblischen Versen aus dem Propheten Daniel stehen die zutiefst menschlichen Fragen nach Glaube, Mut und Treue im Zentrum. König Darius unterzeichnet ein Gesetz, vorgetragen von seinen intriganten Höflingen, nach dem einen Monat lang er selbst anstatt Gott angebetet werden soll. Wer sich nicht daran hält, soll in die Löwengrube geworfen werden.

Gekonnt führte der Eingangschor in die Ausgangssituation der Handlung ein und stellte zugleich die Figur des Propheten Daniel vor: "Daniel, du toller Hecht, du bist klug und bist gerecht! Bist gebildet, siehst gut aus, wohnst in einem Königshaus."

Nicht lange lässt jedoch der Neid der Höflinge auf sich warten, und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Unterstützt durch ein humoriges Putzfrauenballett mit Staubwedeln und Schrubbern, das nicht nur durch den Gesang, sondern auch mit tänzerischer Leichtigkeit in seiner szenischen Musical-Darstellung punktete. Johanna Herbst konnte als Daniel ihre gesangliche Begabung in dem Solo-Stück "Gott, mein Gott, ich rufe Dich" unter Beweis stellen. Auch mit der Auswahl von Lea Buschhardt als König Darius bewies Iris Wieland ihr Können in punkto Nachwuchsarbeit in der Münsterkantorei.

Die Liebe zum Detail beim Bühnenbild und fantasievolle Kostüme unterstützten die stimmige Aufführung, die mit dem Auftritt der Löwen auf ihren dramaturgischen Höhepunkt zulief. "Und wir fressen voll Entzücken, ihn in ganz gerechten Stücken, alles bis zum kleinsten Rest. Ei, das wird ein Fest." Doch die Engel beschützen Daniel und vermasseln den Löwen das Festmahl. Mit der "Morgenstimmung" aus Edvard Griegs "Peer Gynt"-Suite läuteten Hanzo Kim, Verena Höß, Thomas Dirr, Jochen Anger und Burkhard Solle, die die Aufführung instrumental trefflich untermalten, den nächsten Tag ein, an dem Darius in tiefe Selbstzweifel verfällt: "Daniel, was ist mit Daniel? Es ist alles meine Schuld, doch ich wurde eingelullt." Doch Daniel lebt, sein fester Glaube hat ihn gerettet. Und so lieferte der Schlusschor die Interpretation des Geschehens nochmals auf anderer Ebene mit dem bekannten Sprichwort "Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein". Der herzliche Applaus am Schluss war mehr als verdient.