EM Tipps zum EM-Viertelfinale: Das Herz schlägt für Italien

Pasquale Reccia ist Fan der Azzurri, sein Stolz das EM-Trikot 2014. Dennoch meint Reccia zum Kick heute Abend: „Die Chancen stehen 50:50, der bessere soll gewinnen.“
Pasquale Reccia ist Fan der Azzurri, sein Stolz das EM-Trikot 2014. Dennoch meint Reccia zum Kick heute Abend: „Die Chancen stehen 50:50, der bessere soll gewinnen.“ © Foto: Oliver Schulz
Ulm / BEATE ROSE, HANS-ULI MAYER, UTE GALLBRONNER 02.07.2016
Wer zieht ins Halbfinale ein - Italien oder Deutschland? Italiener, die in Ulm leben, und Ulmer italienischer Abstammung haben einen Favoriten: Italien.

„Ich steh’ auf Italien - aber ich freue mich auch für Deutschland.“ So formuliert es Pasquale Reccia (43), besser bekannt als „Lino“ und Chef des Lokals „Enchilada“. Und so hat er es auch seinem neunjährigen Sohn erklärt, für wen man sich eigentlich beim EM-Kick freuen darf, wenn man Italien und Deutschland verbunden ist.  Geboren ist Reccia in Neapel, seit 27 Jahren lebt er in Deutschland. Mit dem Fußballfieber habe ihn frühzeitig sein Vater infiziert. Seine Mannschaft ist „Napoli“, diverse Napoli- und EM-Trikots besitzt er auch, jedoch trägt er sie nur, wenn sie nicht schmutzig werden können, so wertvoll sind sie ihm. Für den Kick am Samstagabend tippt er auf 2:0 – natürlich für Italien. „Wir könnten gewinnen.“ Dass die Spieler im Durchschnitt älter sind als die deutschen Spieler wertet er als Trumpf für die Italiener. „Ihre Erfahrung bringt ihnen den Vorteil. Und sie laufen am meisten von allen.“ Wenn Italien spielt, dann guckt er sich normalerweise das Spiel auf einem italienischen TV-Sender an, denn deutsche Kommentatoren seien „ein bisschen arrogant“, zumindest Italienern gegenüber. Am Samstag wird ihm das nicht möglich sein, dann wird er nämlich im „Enchilada“ arbeiten. Dort wird er auch für alle Gäste den großen Fernseher anstellen und einen deutschen Sender einstellen. Auf den Kick freut er sich schon jetzt: „Das ist wie ein vorgezogenes Finale.“

Für Italien schlägt auch das Herz des Neu-Ulmer Juristen Remo Fratantonio, dessen Vater aus Sizilien stammt, die Mutter aus Neu-Ulm. Ein heißer Fußballfan ist der 38-Jährige nicht gerade, die Länderspiele aber verfolgt er doch. Bei diesem Spiel drückt er Italien die Daumen, die seiner Meinung nach einen Tick besser sind als die Deutschen. 1:0 tippt er deshalb auf einen Sieg der Azzurri. Die hätten sich im Gegenzug zur WM 2014 deutlich gesteigert und im Achtelfinale jetzt sogar den amtierenden Europameister Spanien aus dem Turnier geworfen, was sie für Fratantonio zum großen Favoriten auf den Titel macht. Die Analyse sei rein sachlich begründet, sagt er, so „wie wir Juristen halt immer argumentieren“.

16 ihrer 66 Lebensjahre hat die Ulmerin Sabine Larras-Ades in Italien gelebt und in dieser Zeit zwei ihrer vier Söhne zur Welt gebracht. Gründe genug, sich diesem Land und seinen Leuten tief verbunden zu fühlen. Tatsächlich glaubt sie auch an einen Sieg der Italiener am Samstagabend, was aber weniger mit ihrer persönlichen Beziehung zu dem Land zu tun hat, als vielmehr ganz grundsätzlichen Betrachtungen entspringt. Ein Sieg im Fußball täte Italien und  den Italienern wahrscheinlich sehr gut, glaubt sie: „Das können die sehr gut für ihr Selbstwertgefühl brauchen“, während Deutschland ja ohnehin nicht nur sportlich, sondern vor allem ökonomisch und politisch mit ziemlich breiter Brust auf der Weltbühne agiere. Zwar spiele die deutsche Mannschaft richtig guten Fußball, am Samstagabend aber werde ihr das nichts nützen. Sabine Larras-Ades hofft  auf ein 1:0 der Italiener.

Antonella Canonico hat sich für die Variante „halb-halb“ entschieden. Die 13-jährige Schülerin des Anna-Essinger-Gymnasiums steht mit dieser diplomatischen Version in ihrer Familie aber ziemlich alleine da: „Der Rest drückt den Italienern die Daumen.“  Dachte sie eigentlich, doch ihr jüngster Bruder Alessio hat sie eines Besseren belehrt: „Ich bin für Deutschland, weil Deutschland so gut ist“, stellt der Sechsjährige kurz und prägnant fest. Warum das so ist? „Weil sie Neuer und Müller haben – und die sind einfach gut.“ Ihr Bruder Domenico ist anderer Meinung. Für ihn steht der Sieger des Duells bereits fest: „Ganz klar Italien!“ Den entscheidenden Unterschied, glaubt der Neunjährige, mache der Mann zwischen den Pfosten aus: „Buffon ist besser als Neuer!“