Am Fuße des Safranbergs, auf dem Gelände des Tierheims Ulm, herrscht immer noch Baustelle. Arbeiter streichen, verputzen, hämmern und bohren – Jonas Galler scheint das nicht zu stören. Der Tierpfleger bewegt sich auf dem schon fertigen Boden des neuen Betriebsgebäudes ebenso sicher wie auf dem rohen Estrich der alten Gebäude nebenan. „Die Bauarbeiten haben sich leider verzögert“, sagt der 31-Jährige. „Aber wir hoffen, für Besucher schon in den nächsten Wochen wieder öffnen zu können. Je nach Pandemielage natürlich.“

Änderungen bei der Vermittlung

Die Nachfrage ist in jedem Fall da, hat der Tierpfleger beobachtet. „Auch und gerade in Coronazeiten.“ Die Vermittlung lief im vergangenen Pandemiejahr fast wie gewohnt – 383 Tiere wurden in ein neues Zuhause vermittelt, das waren 15 Prozent weniger als im Jahr davor. „Das lag aber daran, dass wir drei größere Kleintierbeschlagnahmungen hatten“, erklärt Galler. Die Pandemiemerke man an anderer Stelle: „Zunächst herrscht bei uns natürlich auch Maskenpflicht, wir haben überall Desinfektionsspender stehen. Und die Öffnungszeiten mussten wir reduzieren.“ Wer sich für ein neues Haustier interessierte, konnte sich weiterhin melden und vorbeikommen. „Das ist übrigens ganz wichtig, dass man sich das Tier anschaut und auch schon Zeit mit ihm verbringt“, sagt Galler. „Wir haben manchmal Anfragen von Menschen, die ihrer Mutter oder ihrem Patenkind ein Tier schenken wollen – das lehnen wir aber ab. Denn zwischen Mensch und Tier muss die Chemie stimmen, das merkt man nur bei der persönlichen Begegnung.“

Unklare Besitzverhältnisse sind problematisch

Neben der Vermittlung hat das Tierheim auch längerfristige „Gäste“. Besonders problematisch ist es, wenn Besitzverhältnisse ungeklärt sind, wie bei den etwa 20 Zwergspitzen, die vor einem halben Jahr zusammen mit 50 weiteren Tieren bei einer Züchterin im Raum Sigmaringen beschlagnahmt worden waren. Da die Hunde in einer Dreizimmerwohnung gehalten wurden, sah das Veterinäramt eine nicht artgerechte Haltung. Die Besitzerin allerdings wehrt sich dagegen juristisch. „Wir haben für diese Tiere bestimmt schon tausend Anfragen bekommen“, sagt Galler. „Solche kleinen Rassen sind derzeit recht beliebt. Aber wir müssen die Interessenten vertrösten.“ Dabei wäre das Tierheim froh, wenn die Zwergspitze ein neues Zuhause bekämen – „die sind jetzt gerade in einer Phase, wo sie gut sozialisiert werden könnten.“ Eine Vermittlung würde außerdem das Personal entlasten, das viel Zeit für die überwiegend kranken Tiere braucht.

Tierliebhaber im Einsatz

Für Entlastung sorgt immerhin eine ganze Zahl von Tierliebhabern aus der Region. „Wir haben viele ehrenamtliche Gassigeher, die regelmäßig mit unseren Hunden eine Runde drehen“, erzählt
Galler. Die Tiere freuen sich meist sehr, an die frische Luft zu kommen. „Einige werden auf dem Rückweg immer langsamer und bleiben teilweise kurz vor dem Tierheim stehen, weil sie die Zeit so genießen“, schmunzelt der Tierpfleger. Die Katzen müssen natürlich nicht Gassi gehen, aber sie freuen sich sehr über Besucher, die mit ihnen spielen und schmusen. Die 70-jährige Renate ist so eine ehrenamtliche Katzenstreichlerin. Jeden Dienstag und Donnerstag kommt sie für zweieinhalb Stunden ins Tierheim. Im Katzenhaus setzt sie sich nacheinander in jedes der Zimmer und spielt und schmust mit den Samtpfoten. Seit fünf Jahren macht sie das. „Ich hatte schon immer Katzen, schon als Kind hatten wir welche“, strahlt die rüstige Seniorin. „Auch heute habe ich eine Katze zu Hause. Aber ich denke, die Tiere hier können ein bisschen Liebe gebrauchen. Bevor ich in Rente ging, hab ich mir das vorgenommen – und ziehe es bis heute durch.“

Das Tierheim freut sich über solche ehrenamtlichen Helfer, wobei die Mitarbeiter im vergangenen Jahr auch etliche Interessenten wieder wegschicken mussten. „Die Hygienebestimmungen haben uns da ausgebremst“, sagt Galler. „Wer aber Interesse hat, sich bei uns zu engagieren, kann sich jederzeit gerne melden.“ Auch Spenden sind natürlich willkommen. „Die Bauarbeiten gehen im Hintergrund noch weiter. Wenn die neuen Betriebsgebäude fertig sind, investieren wir in ein neues Katzenhaus. Das alte ist schon sehr in die Jahre gekommen.“ Galler selbst ist übrigens ein absoluter Katzenmensch: „Ich bin mit Katzen groß geworden und hatte leider auch ein Beißerlebnis mit einem Hund. Von daher sind mir Katzen und Kleintiere lieber.“ Und wie viele Katzen hat er selbst zu Hause? „Das mag jetzt vielleicht überraschen, aber ich habe keine Haustiere“, sagt der 31-Jährige verschmitzt. „Zum einen kann ich so immer wieder mal spontan besonders pflegebedürftige Tiere mit nach Hause nehmen. Zum anderen arbeite ich viel und mache abends gern Sport, da könnte ich einem Haustier nicht gerecht werden. Und: Ich habe auf der Arbeit so viel mit Tieren zu tun, dass es auch mal schön ist, kein Tier um sich zu haben.“ Bei aller Tierliebe.

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