"Pferde haben so wunderbare Barthaare", schwärmt die freie Fotografin Martina Dach. Termine auf der Koppel sind ihr die liebsten. Dort sitzt sie erst einmal eine Weile und beobachtet die Pferde und unterhält sich mit den Besitzern. Diese erzählen nicht nur gerne von ihren Tieren, sondern sie hängen die Fotos vom Profi später in die Wohnung oder verschicken sie per Facebook mit dem Kommentar: "Schau mal, mein Pferd."

Mit Hilfe eines speziellen Programmes kann sich inzwischen jeder Laie am Computer eigene Fotobücher zusammenstellen, samt Text. Die Bücher lässt man später binden. Fotoalben sind out. Geblieben sind nur die Sprechblasen, weiß Martina Dach. Die 45-jährige gelernte Porträtfotografin liebt Details wie die Barthaare am Pferdemaul - im Gegenlicht. Die Barthaare abzuschneiden ist verboten. Nicht wegen des Fotoshootings, sondern weil es sich überwiegend um nützliche Tasthaare handelt.

Martina Dach ist ebenso als Sportfotojournalistin unterwegs. Genau zwischen Porträt- und Sportfotografie liegt für sie die Tierfotografie. Ausgerüstet mit Teleobjektiv, "damit ich nicht unter die Hufe komme", und mit kurzen Belichtungszeiten, "um die Bewegung einzufrieren", macht sie mindestens 500 Aufnahmen pro Auftrag. Die Tiere - Hunde müsen ohne Leine laufen, Katzen dürfen in der Wiese mausen - sollen sich ganz natürlich bewegen. Dach: "Ich inszeniere nichts."

Aber sie nimmt sich "Zeit, Zeit, Zeit, denn die brauche ich, wenn ich ehrliche Bilder machen will". Richtig penibel wird sie später am PC, wenn sie die schönsten 20 bis 50 Bilder aussucht und am Rechner die Kontraste verbessert, die Farben korrigiert, Ausschnitte herstellt. Der Kunde erhält schließlich eine CD mit dieser Auswahl. Mit den allerschönsten Fotos kommuniziert Martina Dach mit Kollegen über Facebook. Nur die Profis, die mit dem Pferd des Kunden extra an den Nordseestrand fahren, bleiben unter sich.

Wenn Peter Neher von Picslocation, Schwilmengasse 13, im Fischerviertel für die Tierfotografie in seinem Studio bleibt, dann wird inszeniert, was die Technik und die "Softboxen" hergeben. Diese Scheinwerfer werfen Licht, aber keinen Schatten. Dazu wird geblitzt, damit selbst beim schwarzen Hund jedes Haar zu sehen ist, betont Neher.

Aber halt! Bevor die digitale Studiokamera zwölf Bilder pro Sekunde schießt und genauso schnell nachfokussiert, muss der Hund draußen erst mal Gassi gehen zur Entspannung. Außerdem unterhält sich Neher - er selbst hat einen Dobermann - mit dem Hundebesitzer über die Tier-Mensch-Beziehung. Denn diese soll später auch auf dem Foto zu erkennen sein. Der Besitzer eines Boxerhundes etwa wird in harter Schwarz-Weiß-Optik dargestellt. Anders als das Mädchen mit der rosa Tasche und dem kleinen Pudel.

Musste der 37-jährige Ulmer auch schon verrückte Wünsche in die Tat umsetzen? Durchaus: Er fotografierte einen Hund, der ein Spezialtablett im Maul hielt, auf dem zwei Eheringe lagen. Fertig war die Einladungskarte für die Hochzeit. Oder: Ein Reptilienfan wollte seine Drei-Meter-Boa plus Freundin verewigt haben. Die Frau lag nackt auf dem weißen Studio-Ledersofa und ließ den Kopf der schweren Schlange zwischen ihren Brüsten ruhen.