„Animal Compassion Europe – Tiere in Not“ heißt der eingetragene Verein in Neu-Ulm, dem Hannelore Zubler aus Pfuhl vorsteht. Sie vermittelt Straßenhunde aus Griechenland nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Es geht um herrenlose Tiere, die in Griechenland gefangen und kastriert werden, um anschließend mit dem Flugzeug ausgeflogen zu werden. Hier sucht der Verein für die Tiere ein neues Herrchen oder Frauchen. Da ist zum Beispiel „Chronis“, ein Mischlingsrüde, dessen Eigenschaften auf der Homepage des Vereins als „lieb, zutraulich, menschenbezogen, verschmust, sozial verträglich, toller Charakter, eine Seele von Hund“ beschrieben werden. Oder die Mischlingshündin „Megan“, die als „lieb, zutraulich, am Anfang etwas schüchtern, sozial verträglich, dankbar, aufgeschlossen“ gepriesen wird. So weit, so gut – werden Tierfreunde sagen.

Gar nicht gut sind aber manche von Hannelore Zublers Nachbarn im Ginsterweg auf dem Pfuhler Kapellenberg auf diese Aktivitäten zu sprechen. Sie fühlen sich durch die sechs Hunde zunehmend gestört, ja sogar bedroht. Einige haben Angst, zumal sich in der Nähe ein Kinderspielplatz befindet. „Die Hunde sind neurotisch“, schimpfen Nachbarn. Und sie berichten von zwei üblen Beißattacken. Ein Geschädigter, so war sogar dem Neu-Ulmer Polizeibericht am Wochenende zu entnehmen, hat gegen die Hundehalterin Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung gestellt. Er war am Donnerstag vergangener Woche mit dem Fahrrad in Pfuhl unterwegs, als er von einem der vier Hunde, die Hannelore Zubler gerade ausführte, in den Unterschenkel gebissen wurde.

Nicht in den Polizeiakten taucht dagegen ein zweiter von den Nachbarn geschilderter Vorfall auf, der sich ein paar Wochen zuvor abgespielt haben soll: Eine Anwohnerin sei ebenfalls von einem der Hunde gebissen worden. Die Verletzung sei ziemlich böse gewesen, die Geschädigte habe sich mehrfach im Krankenhaus behandeln und operieren lassen müssen, dann aber auf eine Anzeige verzichtet, des nachbarschaftlichen Einvernehmens wegen. Beide Fälle werden von der Hundebesitzerin auch eingeräumt. Die bissige Hündin, die auf den Namen „Lolli“ hört, sei zwar schreckhaft, aber eigentlich sehr friedlich.

Sie bedauert, was geschehen ist, spricht aber den Radfahrer nicht frei von einer Mitschuld. Der sei schnell unterwegs gewesen, „ich konnte nicht mehr reagieren“. Einer ihrer vier angeleinten Hunde habe sich erschreckt und „zugezwickt“, der Radler habe nur einen „kleinen Kratzer“ davongetragen.

Stimmt nicht, sagt der Radler. Es ist Rainer Stingl, der ebenfalls im Ginsterweg wohnt. „Ich bin nicht schnell gefahren“. Hannelore Zubler sei mit vier Hunden unterwegs gewesen. Einer habe unvermittelt zugebissen. Rainer Stingl hat sich von einem Arzt die Bisswunden attestieren lassen: Man habe den Abdruck des Ober- und Unterkiefers sehen können, die Wunde habe auch geblutet. Und danach ist er bei der Polizei vorstellig geworden.

Seit fünf Jahren führt Hannelore Zubler den 2003 gegründeten Verein „Animal Compassion Europe – Tiere in Not“. Der Verein mit Sitz in Neu-Ulm besitzt ein Grundstück in Epanomi in Griechenland. Dort ist ein Tierheim mit Operationsraum, Arztraum, Quarantänestation und Welpenstation entstanden, ist der Homepage zu entnehmen. Der Verein lässt sich die Station auch einiges an Geld kosten. „Mein Mann und ich haben keine Kinder“, sagt sie. Ihr Einsatz für die herrenlosen Hunde in Griechenland sei ihre große Leidenschaft und auch aller Ehren wert. Immerhin befreie sie die Hunde schnell und unbürokratisch aus einer Notsituation. Und das sei praktizierter Tierschutz, den ihr kleiner Verein leiste.

Auf der anderen Seite versteht Hannelore Zubler aber auch ein wenig die Sorgen und Ängste ihrer Nachbarn. „Wir gehen deshalb in Pfuhl mit den Hunden gar nicht mehr Gassi, und wenn, dann nur angeleint.“ Sie hat in Steinheim ein großes Grundstück, wo sich die Tiere austoben können. Und sie wird zusammen mit ihrem Ehemann einen Bauernhof in Dattenhausen in der Nähe von Giengen/Brenz zu einem privaten Tierheim umbauen – „quasi als Pendant zum Tierheim in Griechenland“. Pro Jahr vermittle der Verein mehr als 250 Hunde in den deutschsprachigen Raum, monatlich seien es 10 bis 30 Tiere. Die gechipten und geimpften Tiere lässt sie nach Deutschland einfliegen. Hier werden sie gegen eine Schutzgebühr von 340 Euro für einen Welpen und 380 Euro für einen ausgewachsenen Hund vermittelt.

Hannelore Zubler legt Wert darauf, dass die sechs Hunde, die sie besitzt, keine von den zu vermittelnden Tieren sind. „Klar“, sagt sie, „wenn Nachbarn am Grundstück vorbeigehen, bellen die Hunde. Und bei blöden Bewegungen werden sie manchmal auch ängstlich.“ Seit 1984 wohne sie auf dem Kapellenberg, nie sei etwas passiert – „bis auf die beiden dummen Fälle“. In absehbarer Zukunft will sie mit ihrem Mann in den zum Tierheim umgebauten Bauernhof ziehen.

Die Nachbarn wollen dennoch Unterschriften sammeln, damit die Hunde endlich wegkommen. Doch das dürfte sich schwierig gestalten. Thomas Nägele vom städtischen Fachbereich Sicherheit, Ordnung und Bürgerdienste: „Das Halten von Hunden ist nicht verboten. Die Besitzerin bezahlt auch ihre Hundesteuer.“ Auch sei die Zahl der zu haltenden Hunde nicht beschränkt. Darüber hinaus wollte sich Nägele nicht äußern, weil es sich um ein schwebendes Verfahren handle. Rainer Stingl will sich mit der Hundehalterin nicht gütlich einigen. Er bleibt bei seiner Anzeige. Die Polizei ermittelt, deren Bericht wird nach Abschluss der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft vorgelegt.