Innenstadt Vapiano in Ulm: „Bau-Chirurgie“ ist deutlich komplexer

Architekt Berthold Braunger (l.) und Rechtsanwalt Christoph Mogg als einer der ersten Mieter im Raum zwischen dem nördlichen (hinten) und südlichen Gebäude des früheren Modehauses Honer. Die hintere Fassade zum verkleinerten Innenhof wird noch versetzt.
Architekt Berthold Braunger (l.) und Rechtsanwalt Christoph Mogg als einer der ersten Mieter im Raum zwischen dem nördlichen (hinten) und südlichen Gebäude des früheren Modehauses Honer. Die hintere Fassade zum verkleinerten Innenhof wird noch versetzt. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Frank König 23.08.2018
Das Bauvorhaben in der Neuen Mitte mit der Restaurantkette als Hauptmieter ist komplexer als erwartet.

Wer hat nicht alles schon einen Blick ins frühere Modehaus Honer riskiert, wo es hinter weitgehend zugehängten Fensterscheiben einigermaßen verwüstet aussieht. Die Dinge gehen freilich ihren geregelten Gang, versichert Berthold Braunger vom Ulmer Architekturbüro Braunger Wörtz.

Kernsanierung aufwendiger als gedacht

Er nennt die Vorgehensweise in dem weitgehend in den siebziger Jahren entstandenen Gebäude „Bau-Chirurgie“. So wurden alle alten Treppen des Mode­hauses herausgesägt, um durchgehende Ebenen für die Büros in den oberen Etagen herzustellen. Zur Erschließung gibt es zwei neue Aufzüge. Die gerippten Decken brauchen Unterzüge für eine bessere Statik, außerdem mehr Brandschutz. Braunger mit Blick auf die alte Bausubstanz: „Das Motto der Zeit lautete damals Sparen.“

Weil die Kernsanierung wesentlich aufwendiger ist als zunächst angenommen, verzögert sich auch die Eröffnung des neuen Vapiano-Restaurants in der Location an der Neuen Mitte. Der Investor – ein mittelständischer Unternehmer aus dem Alb-Donau-Kreis, der weiter ungenannt bleiben will – rechnet nun mit einem Start von Vapiano unmittelbar nach dem ersten Quartal 2019.

Das Verhältnis des Vermieters zu Vapiano sei ungeachtet der Verzögerungen ungetrübt. So laufen umfangreiche Planungen für den Einbau der großen Küche und das Aufstellen des vapiano-typischen Olivenbaums, der allein eine Tonne wiegt und speziell unterfangen werden muss.

Schutt in Schubkarren

Um alle statischen Herausforderungen zu bewältigen, wurde ein neues Fundament betoniert. Seit Ende letzten Jahres sind demnach nie weniger als zwei Dutzend Arbeiter auf der Baustelle, die aber erstmal mit Schubkarren den ganzen Schutt herausfahren mussten. Für das Einbringen der bis zu 14 Meter langen Stahlträger und umfangreicher Lüftungsanlagen wurde der Dachstuhl des vorderen Gebäudes geöffnet. Aber das „Bergfest“ wurde immerhin Ende Juli gefeiert. Seither läuft nach dem Teilabriss der Aufbau.

Ausgabefenster für Take-Away

Dabei erhält der Komplex zwischen Neue Straße und Münsterplatz auch neue Wände zum etwas verkleinerten Innenhof. Die Außenfassade zum Münster soll sodann ein Highlight werden und eine neue „Anmut“ in die Hinterhofsituation aus der Nachkriegszeit bringen, erläutert Braunger.

Dazu werden Fenster mit Rahmen aus Eichenholz statt Alu verwendet, von denen auch der „Denkmalschutz angetan“ war. Die Fenster mit dem rückwärtigen Eingang von Vapiano und Zugang zur Außenbewirtschaftung machen auch mit ihrer Höhe etwas her: Es soll zudem ein Ausgabefenster für Take-Away geben.

Sechs Büros geplant

Das rückwärtige Gebäude wächst im Zuge des Umbaus von vier auf fünf Etagen, im vorderen Gebäude bleiben es vier. Auch die Fassade zur Neuen Straße und die Dachneigung bleiben unverändert. Der Investor will insgesamt sechs moderne Büros einbauen, von denen drei schon vermietet sind: an dem Immobilienmakler Objekta, die Wirtschaftskanzlei Mogg und einen Personaldienstleister. Durch den umfangreichen Umbau will man das Haus für die nächste Generation fit machen.

Kran bis Weihnachten weg

Die Kosten für das umfangreiche Sanierungsprojekt belaufen sich auf mehrere Millionen Euro. Die Bauarbeiten mit Portalkran in der Brautgasse sind auch deshalb nicht einfach, weil die ausführenden Handwerksfirmen wie auch nun während des Weinfests immer wieder die Baustelle am südlichen Münsterplatz räumen müssen, das nächste Mal dann bereits für den Einstein-Marathon im September. Bis Weihnachten will Braunger aber auch den Kran definitiv weg- und das Dach wieder draufhaben, um sich dann in der Schlussphase ganz auf den Innenausbau zu konzentrieren.

Das könnte dich auch inetressieren:

Neues rotes Biberschwanzdach

Zuschnitt Die nutzbare Fläche des Gebäudes steigt durch den neuen Zuschnitt beider Häuser des Gebäudekomplexes um etwa 1000 Quadratmeter – von  bisher 2200 auf 3200. Vapiano verfügt über etwa 200 Sitzplätze. Die Büros gehen Anfang 2019 in die Vermarktung und haben Flächen mit je 220 Quadratmetern. Durch die neuen Treppenhäuser mit Aufzügen sowohl auf der Nord- als auch auf der Südseite ist das Gebäude erstmals barrierefrei. Zu den Besonderheiten gehört ein rotes Biberschwanzdach.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel