Hauptbahnhof Ulm Tiefgarage wird 6,6 Millionen Euro teurer

Die Baustelle der neuen Tiefgarage am Ulmer Hauptbahnhof.
Die Baustelle der neuen Tiefgarage am Ulmer Hauptbahnhof. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Chirin Kolb 14.06.2018
Die Tiefgarage am Ulmer Hauptbahnhof kostet nach neuer Schätzung knapp 6,6 Millionen Euro mehr - und später fertig als geplant, wird sie auch.

Fertigstellung Frühjahr 2021 statt Herbst 2019, Kosten 58,4 Millionen Euro statt knapp 51,8 – so sieht der neue Zeit- und Kostenplan der Tiefgarage und der Passage am Bahnhof aus, den Baubürgermeister Tim von Winning vorgestellt hat. Nach mehr als einem Jahr Bauzeit sei ein wichtiger Punkt erreicht: „Ab jetzt geht es mit dem Bauen richtig los.“ Die vorbereitenden Arbeiten seien abgeschlossen.

Von Winning räumte in der Pressekonferenz ein: „Es ist nicht alles nach Plan verlaufen.“ Das lag unter anderem am Baugrund. Als die Bagger anfingen zu graben, stießen sie auf Unvorhersehbares. Leitungen verliefen anders gedacht, alte Pläne stimmten nicht, Kriegsschutt türmte sich. Das führte zu Verzögerungen und Mehrkosten. Eine Rolle spielt die gute Baukonjunktur, die die Preise in die Höhe treibt. Das alles summiert sich auf 4,9 Millionen Euro. Darüber diskutierte am Nachmittag auch der Hauptausschuss (siehe Info-Kasten).

Warum die Verzögerung?

Verantwortlich für Verzögerung und Kostensteigerung sind aber auch Auseinandersetzungen mit der Baufirma. Sie seien begründet in „unterschiedlichen Auffassungen“ darüber, inwiefern  Mehraufwand und Mehrarbeit durch die Verträge abgedeckt sind. „Die Firma hat den Interpretationsspielraum, den es immer gibt, sehr weit ausgelegt“, sagte von Winning. „Wir hätten uns mehr gemeinsame Arbeit am Projekt gewünscht.“ Im Detail wollte er sich mit Verweis auf vertrauliche Absprachen nicht äußern.

Ein Sprecher der Firma Dechant Hoch- und Ingenieursbau aus dem oberfränkischen Weismain, die für den Bau verantwortlich ist, wollte auf Anfrage nichts zum Bauverlauf, der Kostenentwicklung und den Auseinandersetzungen mit der Stadt Ulm sagen. „Im laufenden Bauprozess geben wir generell keine Auskünfte“, hieß es. Darüber hinaus sei mit der Stadt Ulm Stillschweigen über die Einigung vereinbart.

Von Winning bestätigte, dass die Stadt zusätzliche  juristische Unterstützung in Anspruch genommen hat. Die Auseinandersetzungen seien nun aber beigelegt. Die Stadt habe sich mit der Baufirma, deren Namen von Winning in der Pressekonferenz nicht nannte, geeinigt. Das Unternehmen habe zugesagt, den Bau zu beschleunigen und arbeitet nun auch samstags. Insgesamt beziffert die Stadt die dadurch entstandenen Mehrkosten auf 1,7 Millionen Euro.

Deckel im Oktober fertig

Der Baubürgermeister äußerte sich zuversichtlich, dass nun alles läuft, „die Baufirma ist sehr leistungsfähig“. Der Deckel der Tiefgarage soll bis 1. Oktober fertiggestellt sein. Die 540 Stellplätze werden in der so genannten Deckelbauweise erstellt. Vereinfacht gesagt: Zuerst wird der Deckel der Tiefgarage gebaut, dann geht es Parkdeck um Parkdeck in die Tiefe, zum Schluss ist die Bodenplatte dran. Wenn der Deckel fertig ist, kann die provisorische Verlegung der Straßenbahnschienen beginnen. Die Gleise müssen weichen, damit die neuen Haltesteige gebaut werden können.

Die unterirdische Passage zwischen Bahnhof, Tiefgarage und künftigem Albert-Einstein-Platz an den Sedelhöfen soll im Frühjahr 2020 fertig werden – wobei „fertig“ ein relativer Begriff ist. Von Winning wies darauf hin, dass vertraglich mit dem Sedelhöfe-Investor lediglich vereinbart sei, dass die Passage „begehbar“ ist. Es müsse nicht alles „picobello fertig“ sein. Ziel sei aber die punktgenaue Fertigstellung.

Die Mehrkosten von rund 6,6 Millionen Euro trägt nicht die Stadt, sondern die städtische Tochter Parkbetriebsgesellschaft (PBG). Sie finanziert sich über Parkgebühren. Das Parken werde wegen dem Bau der Tiefgarage aber nicht teurer, betonte von Winning. Die Stadt denkt jedoch über eine Veränderung der Gebührenstruktur nach.  Damit müsse sich der Aufsichtsrat der PBG befassen.

Info Die Stadtverwaltung informiert am Dienstag, 19. Juni, ab 19 Uhr im Kornhaus über die Planungen am Bahnhof: Bahnhofplatz, ZOB, Tiefgarage, Neubau Bahnhofplatz 7.

Teurer und später fertig: Das sagen die Stadträte

Ärger Der Hauptausschuss des Gemeinderats stimmte dem neuen Kosten- und Zeitplan zu. Martin Rivoir (SPD) machte aber seinem Ärger Luft. Über Monate habe er den Eindruck gehabt, auf der Baustelle gehe nichts vorwärts und die Baufirma „habe keine Lust, da was zu tun“. Wenn die Passage später fertig werden sollte, könnte das eine Haftung der Stadt gegenüber dem Sedelhöfe-Investor nach sich ziehen. Michael Joukov (Grüne) wies auf den schwierigen Baugrund hin und die Risiken, die mit der Entscheidung für eine Tiefgarage eingegangen wurden. Jetzt gehe es darum, die Baustelle möglichst schnell fertig zu kriegen.

Oberbürgermeister „Man muss aufpassen, was man öffentlich sagt“, betonte OB Gunter Czisch in der Sitzung. Allerdings hält er Rivoirs Beobachtung für durchaus zutreffend. „Um es vorsichtig zu formulieren: Wir haben auf der Baustelle nicht immer das Mindestmaß an Zufriedenheit erkennen können.“ Die Auseinandersetzungen mit der Baufirma bezeichnete Czisch als „heftigstes Ringen“. Schließlich sei es gelungen, eine Vereinbarung über schnelleres Bauen und zusätzliche Zahlung zu schließen. Diese 1,7 Millionen Euro seien das vertretbare Ergebnis dieser Verhandlungen: „Da kamen noch ganz andere Forderungen.“