Bühne Theaterwerkstatt: Lust an Molières „Krankem“

„Der eingebildete Kranke“: Udo Ulrich als Argan.
„Der eingebildete Kranke“: Udo Ulrich als Argan. © Foto: Theaterwerkstatt
Ulm / Gottfried Lothar 01.12.2018

Jean-Baptiste Molière trug entgegen der Konvention der damaligen Zeit meist keine Perücke auf dem Kopf. In der neuen Produktion der Theaterwerkstatt Ulm tragen hingegen alle Akteure demonstrativ solch einen künstlichen Haarschopf, wenn auch nicht immer von gleich guter Qualität. Doch schmälert das die Leistung des Gezeigten keineswegs. Mit „Der eingebildete Kranke“ von Molière hat sich das seit 30 Jahren bestehende Amateurtheater einen der großen Komödienklassiker ausgesucht.

Eigentlich nur in einem Raum spielend, hat Günter Brendel einen prima funktionierenden Raumteiler erfunden, sodass zwischen Küche und Salon mühelos gewechselt werden kann. Da die offenen Umbauten auch noch inszeniert sind, vergeht der Abend wie im Fluge, woran das Ensemble natürlich den größten Anteil hat. Denn trotz mancher Textunsicherheiten gegen Ende schmeißen sich alle mit spürbarer Lust in ihre Rolle beziehungsweise Rollen, da ein paar Mehrfachbesetzungen vorgenommen worden sind.

Alle Fäden in der Hand hält Gabriele Bartl als Hausmädchen Toinette, die als eine schwäbische Marianne Sägebrecht das Geschehen für den guten Ausgang der Geschichte mit Verve und Charme lenkt. Ihr Gegenpart ist Udo Ulrich als der eingebildete Kranke Argan, den es von seiner Besessenheit zu heilen gilt. In der Übersetzung von Johanna und Martin Walser geschieht das mit viel Sprachwitz und einer ordentlichen Portion Direktheit.

In der flott gespielten Inszenierung von Jörg Zenker ergeht es dem ach so gesunden Bruder Béralde genau andersherum. Markus Rabe hustet vor sich hin und stirbt von allen unbeachtet während des Happy Ends – ein geschickter Wermutstropfen in dieser sehenswerten Produktion. Am guten Gelingen haben auch Nicola Ehrenfeld und Patrick Steiner-Hirth als musikalisches Liebespaar sowie Ursula Straschewski, Jürgen Witschen und Marcel Erhardt in den weiteren Rollen ihren Anteil.

Info Die nächsten Aufführungen: 1., 7., 14. Dezember, 20 Uhr.

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