Bühne Theaterei mit einem Start nach Maß

Mit dem Start mehr als zufrieden: Edith Ehrhardt im Blausteiner Theatereizelt.
Mit dem Start mehr als zufrieden: Edith Ehrhardt im Blausteiner Theatereizelt. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Herrlingen / Helmut Pusch 07.09.2018

Es ist ein Traum. Ich kann machen was ich will und wie ich es will, und das Publikum macht mit.“ Die so schwärmt, ist Edith Ehrhardt, die seit neun Monaten die Theaterei Herrlingen umtreibt, und ihre Entscheidung nicht bereut, die private Bühne zu übernehmen, der mehr als 30 Jahre Wolfgang Schukraft als Prinzipal vorgestanden hatte.

Mehr als drei Jahrzehnte unter einer Leitung, das prägt – das Theater, aber auch das Publikum – vor allem dann, wenn es ein Theaterleiter schafft, einer Bühne einen ganz eigenen Dreh zu geben, mit leichtem aber sicherem Händchen eine Linie vorgibt, und sein Publikum damit charmant umgarnt.

Doch das Stammpublikum hat Edith Ehrhardt offensichtlich im Sturm erobert. „Die alten Besucher kommen weiterhin, es kommen aber auch ganze neue dazu“, sagt sie erfreut. „Das merke ich, wenn mich etwa jemand fragt, wo es denn zum Zuschauerraum geht.“ Und was die Regisseurin und Theaterleiterin besonders freut: „Es kommen auch viele junge Leute um die 30.“

In Zahlen: Die Vorstellungen sahen seit Januar 5500 Besucher, das entspricht einer Platzauslastung von 80 Prozent. „Viele Vorstellungen waren ausverkauft.“ Vor allem Edith Ehrhardts  Bühnenadaption von Dörte Hansens Bestseller „Altes Land“ ist ein Publikumsrenner. „Und die Leute sind begeistert“, sagt die Regisseurin über die Fassung, für die sich die Autorin ausbedungen hatte, dass ihr originaler Erzähltext nicht zu Dialogen mutieren dürfe. „Es wird also viel erzählt, aber das funktioniert auch auf der Bühne.“ Zumindest in der Theaterei Herrlingen, der einzigen Bühne, die den Stoff spielen darf.

Die Inszenierung wird in der neuen Saison, die jetzt startet, wieder aufgenommen – wie auch der Loriot-Abend „Das Frühstücksei“ und der Kunstkrimi „Das Original“ von Stephen Sachs.

Die erste Premiere wird am 24. November Patrick Marbers Fußball-Drama „Der rote Löwe“ sein. Darin verhandeln der Trainer eines englischen Vereins, der junge Spielerstar und der alte Zeugwart die geliebte Sportart in all ihren Varianten und Verwicklungen. Die Rolle des Zeugwarts übernimmt dabei Karlheinz Glaser, den Edith Ehrhardt noch von ihrer Zeit am Theater Ulm kennt. Glaser hatte in Ehrhardts Inszenierung von Roland Topors „Ein Winter unterm Tisch“ gespielt, für die die junge Regisseurin 2003 den Förderpreis der Stadt Ulm erhielt.

Und im Januar gibt es die zweite Premiere: die Komödie „Hamlet for you“ des gebürtigen Ulmers Sebastian Seidel, der sie mit seinem Augsburger Ensemble-Theater vor einem Jahr auch bei den Blausteiner Theatertagen präsentierte. Noch ein Bekannter: Eine der Rollen spielt Frank Ehrhardt, der Mann der Theaterleiterin, der nach seiner Zeit am Theater Ulm elf Jahre lang zum Ensemble der Württembergischen Landesbühne Esslingen gehörte und jetzt nach Herrlingen wechselt.

Skandale und Ovationen

Die weiteren Produktionen der Spielzeit lässt Edith Ehrhardt noch offen. Sie ist auf der Suche nach Stoffen – auch für die Ulmer Schauspiel-Doyenne Ulla Willick (78) und das Theaterei-Urgestein Walter Frei (81). Das Problem: „Die Stücke sollten so gut sein wie die Schauspieler“, sagt die Regisseurin, und Walter Frei wünsche sich zudem nur noch „sitzende Rollen“.

Das Publikum kann Frei auch schon Mitte September wieder auf der Bühne erleben. Dann startet er in der Theaterei seine Lese- und Vortragsreihe „Krawalle contra Ovationen“, in der er einmal im Monat, sonntags um 17 Uhr, Theaterskandale vorstellt – von der Straßenschlacht in New York 1849, die von zwei „Hamlet“-Inszenierungen ausgelöst wurde, bis zu Peter Zadeks Ulmer Inszenierung von Brendan Behans „Die Geisel“, die 1961 in Alten Theater zu Tumulten führte. Zadek hatte zu sehr gezündelt und zwar im Wortsinn: In der Schlussszene waberte dichter Rauch durch die Zuschauerreihen des Alten ­Theaters.

Wieder Theatertage in Blaustein

Mini-Festival Was Theaterei-Prinzipal Wolfgang Schukraft in seiner letzten Spielzeit noch angestoßen hatte, setzt seine Nachfolgerin Edith Ehrhardt fort – allerdings in abgespeckter Form: die Blausteiner Theatertage. Dazu hat die Bühnenchefin zwei Produktionen eingeladen. Am Freitag, 14. September, spielen Agnes Decker, die auch in Ehrhardts Fassung von „Altes Land“ dabei ist, und der Pianist Klaus Hügl Georg Kreislers komisch-tragisches Musical „Heute Abend Lola Blau“. Am 15. September  steht „Altes Land“ auf dem Programm, und am 16. September gastieren die Stuttgarter Schauspielerinnen Susanne Weckerle und Petra Weimer mit einer Bühnenadation von Peter Härtlings „Große, kleine Schwester“ in der Theaterei. Alle Vorstellungen beginnen um 20 Uhr. Vorverkauf unter Telefon 07304/92 59 555.

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