Mit unwiderstehlichem Charme gab er den Kavalier der alten Schule: Als Pavel Fieber 2002 die „Lustige Witwe“ am Theater Ulm inszenierte, trat er auch selbst auf: als Danilo. Ein Schauspieler mit großer Ausstrahlung war er, ein gewiefter Regisseur, ein Theatermacher und umtriebiger Unterhaltungskünstler bis zuletzt. Und ein Musical-Spezialist, in jeder Hinsicht, als Professor Higgins in „My Fair Lady“ stand er über 1500 Mal auf der Bühne.

Und Pavel Fieber schrieb ein Kapitel Ulmer Theatergeschichte, als Intendant von 1985 bis 1991. Noch im März nahm er vital an der Herrenrunde eines Intendanten-Talks anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Neubau an der Olgastraße“ teil – mit guten Erinnerungen ans Ulmer Publikum, das alles andere als provinziell sei: „Es ist schwerer in einer Stadt Theater zu machen, die schläft, wo jeder alles hinnimmt“, wusste Fieber, der in seiner Karriere weit herumgekommen ist. Jetzt ist er am Montag, 6. Juli, überraschend in Würzburg im Alter von 78 Jahren gestorben.
Der im tschechischen Krnov (früher Jägerndorf, Schlesien) geborene Fieber wuchs in Bayern auf und studierte Schauspiel und Gesang am Max-Reinhardt-Seminar und der Wiener Musikakademie. Er arbeitete als Schauspieler und für Film und Fernsehen, schuf rund 100 Inszenierungen – und 1985 debütierte er in Ulm als Intendant.
Die Uraufführung der Oper „Luzifer“ von Franz Hummel (1987) nannte Fieber rückblickend eine seiner Großtaten in den Ulmer Jahren. Auch George Antheils „Transatlantik“ zählte zu den Höhepunkten. Der größte Publikumserfolg des Intendanten war mit Abstand „Jesus Christ Superstar“ (in der Regie von Hansjörg Hack). Und als Fiebers beste Ulmer Inszenierung gilt „Cabaret“ mit Markwart Müller-Elmau als Conferencier und April Hailer als Sally Bowles.

Mann des Musicals

Musical statt Operette, das war Fiebers zunächst nicht unumstrittene Parole in Ulm – aber auch „Anatevka“ mit Mircea Krishan als Tevje geriet zum Hit. Blendend war der Regie führende Intendant 1985 mit „Nathan der Weise“ gestartet, aber im Schauspiel glückte ihm dann freilich deutlich weniger als im Musiktheater, urteilte die Kritik.
Nur sechs Jahre blieb Fieber in Ulm. Es war noch eine Zeit, als die Stadt ihre Theaterchefs bald wieder in die Welt hinaus komplimentierte, den Wechsel feierte. Fieber übernahm zunächst das Pfalztheater in Kaiserslautern und war von 1997 bis 2002 Generalintendant des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe.