Wie viele Mitglieder des AfD Landesverbandes Baden-Württemberg sind vorbestraft?“ Mit dieser und weiteren Fragen reagiert das Theater Ulm in einem Facebook-Beitrag auf eine umstrittene Anfrage der AfD zum Ausländeranteil an staatlichen Bühnen in Baden-Württemberg. In dem Schreiben an den Landtag vom Juni hatte die Partei etwa explizit nach Staatsangehörigkeiten und Ausbildungen der Künstler gefragt.

Theater Ulm fragt AfD-Mitglieder nach Vorstrafen

Kay Metzger, Intendant am Theater Ulm, aber möchte mit seinen Kollegen der AfD „nicht den Gefallen“ tun, selbst mit Statistiken zu argumentieren, um „die wunderbaren Künstler und all die Mitarbeiter hinter den Kulissen aus aller Welt“ aufzuzählen. Die Ulmer drehten den Spieß um und veröffentlichten auf Facebook eine „kleine Anfrage“ an die Rechtspopulisten: „Vorstrafen, Ausbildung und Ausbildungsorte des AfD Landesverbandes Baden-Württemberg“. Vier Fragen werden gestellt: 

1. Wie viele Mitglieder des AfD-Landesverbandes Baden-Württemberg sind vorbestraft?
2. Wie viele Mitglieder des AfD-Landesverbandes Baden-Württemberg sind vorbestraft wegen Gewaltverbrechen?
3. Wie viele Mitglieder des AfD-Landesverbandes haben einen Schulabschluss, und wo haben sie diesen erhalten?
4. Wie viele Mitglieder des AfD-Landesverbandes haben eine abgeschlossene Ausbildung, und wo haben sie diese erhalten?“

Die Anfrage der AfD habe nach einer solidarischen Reaktion der Theater verlangt, sagt Metzger, „aber wir wollten das mit unseren eigenen Waffen tun, mit Humor, „mit einem satirischen Konter“. Die AfD provoziere gezielt mit einer Stigmatisierung von Menschen: „Wir wollten dieses Gefühl der Stigmatiserung jetzt zurückgeben.“

Das Theater Ulm erntet für seinen Protest im Netz reichlich Lob und Zuspruch. Nach wenigen Stunden wurde der Beitrag mehr als 2500 Mal geteilt, fast 1500 geliked und rund 270 Mal kommentiert. „Die perfekte Antwort“, findet eine Userin, andere reagieren mit „Bravo“, „Danke“ oder „Super gekontert“.

Stuttgarter Pfarrer kontert ebenfalls auf Facebook

Das Ulmer Theater folgt damit dem Stuttgarter Pfarrer Matthias Vosseler, der sich ebenfalls auf Facebook an die AfD gewandt hatte. In seinem Beitrag legte er seine DNA offen – ein bunter Mix aus sieben Nationalitäten, von skandinavisch bis nordafrikanisch. „Als 'schwedischer Italiener' erkläre ich mich solidarisch mit den vielen Menschen aus so vielen verschiedenen Herkunftsländern, die hier auf den Bühnen des Landes Kultur zum Blühen bringen“, schrieb Vosseler dazu. Die Botschaft, die sein Kulturschaffen begründe, komme zudem aus Israel.

Außerdem riet er den Parteimitgliedern, auch eine solche DNA- Analyse machen lassen. „Die Ergebnisse werden euch sicher nicht begeistern, aber vielleicht die Augen öffnen. Dann könnt ihr in Zukunft solch unsinnige und im letzten menschenverachtende Anfragen unterlassen.“ Auch Vosseler erhielt für seinen Protest-Post zahlreiche zustimmende Kommentare. In Stuttgart fand zudem am Samstag eine Demonstration gegen die geforderte Auflistung ausländischer Künstler statt.

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