Wie viel frei verfügbare Abende bleiben einem beruflich erfolgreichen Paar eigentlich? Das fragt sich Pierre Lecoeur (Heinz Koch) – auf gerade mal 24 pro Jahr kommt er, und diese sind großteils durch gemeinsame Treffen mit alten Freunden, die mehr Pflicht- als Lustprogramm sind, ausgefüllt. Ein Grund, gemeinsam mit seiner Frau Clotilde (Claudia Riese) über die eigentlich geschmacklose Idee seines Bekannten Boris nachzudenken. Dieser richtet letzte, ultimative Abende ganz im Sinne der alten Freunde aus: mit deren Lieblingsessen, Jahrgangswein, Erinnerungen an bessere Freundschaftstage. Und danach folgt der endgültige Bruch, getreu dem Motto: „Ein Stierkampf ist schöner anzuschauen als ein Kälberrennen“.

„Das Abschiedsdinner“ im Theater Neu-Ulm des Autorenduos Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière ist eine lustige Sache. Und zwei Paare sind den Lecoeurs schon lange ein Dorn im Auge: die Bertins und die Royers. Also los: Dass Pierre ohne seine Frau Bea kommt, ist zwar ungünstig, doch es wird am Plan der endgültigen Trennung festgehalten. Der Auftritt von Antoine (Andreas Gräbe) mit seinem unnachahmlichen Lachen, seiner Exzentrik, ist spritzig, grandios.

Tempo und Timing

Die Komödie nimmt Tempo auf und überzeugt durch das perfekte Timing der drei Darsteller bei den witzigen Dialogen. Antoine durchschaut die Absicht, ihn endgültig loszuwerden, und beginnt, um die alte Freundschaft zu kämpfen. Beim Kleider- und Rollentauschkommt so manche Wahr- und Klarheit ans Licht. Und selbst einem Kleiderständer wird mehr als eine tragende Rolle zugedacht.

Die Komödie ist bei allem Humor nie oberflächlich und enttarnt manch eingefahrene Denkweise der Figuren. Spannend bis zum Schluss ist die Frage, ob so viele Erinnerungen an die guten alten Zeiten eine eingeschlafene Freundschaft wieder neu bereichern. Das Ende des kurzweiligen und flott inszenierten letzten Dinners (Regie: Claudia Riese und Thomas Koch) ist überraschend.