Unterer Kuhberg Theater-Akademie sucht Räume

Es geht um Brandschutz: Das AdK-Gebäude auf dem Unteren Kuhberg.
Es geht um Brandschutz: Das AdK-Gebäude auf dem Unteren Kuhberg. © Foto: Magdi Aboul-Kheir
Ulm / Magdi Aboul-Kheir 18.05.2018
Die Akademie für darstellende Kunst sucht Räume für ein Theater und Unterricht. Sie sollten ausreichend groß und bezahlbar sein.

Gesucht werden: Räume für ein Theater und für Unterricht. Ausreichend groß und bezahlbar.  Das ist kein Witz, denn die Akademie für darstellende Kunst (AdK) hat ein Raumproblem.

Die AdK, das Ulmer Kolleg für Bühnenberufe, gibt es seit 22 Jahren. Sie hat turbulente Zeiten und eine drohende Insolvenz überstanden. 2011 hat sie die jetzigen Räume im Fort Unterer Kuhberg bezogen und auch mit Eigenleistung ertüchtigt, seitdem firmiert dieses Haus Nr. 10 als „Akademietheaterhaus“.

Besitzer der Räume ist die Stadt, sie hat sie einst vom Bund übernommen. Eigentümer, da Erbpächter, ist aber der Förderkreis für Waldorfpädagogik am Illerblick Ulm. Bei ihm haben AdK und Akademietheater die Räume gemietet, rund 900 Quadratmeter, „zu sehr fairen und günstigen Konditionen“, wie Wolfgang Hamhaber, Geschäftsführer des Fördervereins, betont.

Ende 2017 war der Mietvertrag zwischen Förderverein und Akademie ausgelaufen und dann noch einmal bis zum 31. Juli verlängert worden. Denn das Gebäude erfüllt nicht die Brandschutzverordnung, und Ende Juli endet die Duldung durch das städtische Baurechtsamt. Der Förderverein lehne sich ohnehin „weit aus dem Fenster, so wie wir das bisher mittragen“, sagt Hamhaber.

Eine Sanierung der Räume, um die Vorschriften zu erfüllen, koste mindestens 750 000 Euro. Der Förderverein kann das finanziell nicht schultern. Die Stadt hat angeboten, einen Gutteil der Kosten zu übernehmen, aber für den Verein in einem dennoch nicht ausreichenden Maß. Die Stadt habe „ein Interesse, dass die Gebäude nicht verrotten“, sagt Kulturbürgermeisterin Iris Mann, „und auch, dass die AdK eine Bleibe hat“. Aber wo es um Brandschutz geht, geht es um Verantwortung.

„Wir wissen um die Not“

Die vergangenen Jahre mit der AdK als Mieter seien eine „wilde Fahrt mit Aufs und Abs“ gewesen, sagt Hamhaber, aber selbstverständlich „wissen wir um die Not der AdK“. Die Akademie stecke „in einem Dilemma“, aber der Waldorf-Förderverein könne dies nicht lösen. Die Lage wäre eine andere, wenn die AdK einen Investor und Sponsoren hätte, der die Sanierung mittrage.

AdK-Gründer Ralf Rainer Reimann und Geschäftsführerin Lisa Dietrich suchen also Räume. Am 10. September beginnt das neue Semester, und die AdK hat ja ihre Studenten, erst kürzlich lief das aktuelle Bewerbungsverfahren. Mindestens 25, maximal 32 Studenten sollte die AdK für einen wirtschaftlichen Betrieb zählen. Von Herbst an sind es – in vier Jahrgängen – um die 30.

Die AdK schreibt seit drei Jahren schwarze Zahlen, die meisten Schulden sind abbezahlt, nur noch das Theater hat Altlasten, sagt Reimann. Die AdK finanziert sich selbst, das Akademietheater erhält von der Stadt jährlich nur noch 22 000 Euro und hat seine Produktivität daher gedrosselt. Die Budgetvereinbarung des Theaters mit der Stadt läuft bis 2019.

„Lebendigen Ort bewahren“

Die AdK hat auch ein Konzept für das leerstehende Gebäude Schillerstraße 44 eingereicht, für das ein Zwischennutzungs-Projekt ausgeschrieben ist. „Das wäre die Gunst der Stunde“, sagt Reimann. Aber falls sich bis zum Sommer keine neuen Räume finden lassen, hofft er darauf, dass auf dem Kuhberg die Duldung in Sachen Brandschutz verlängert wird. Auch das ist nicht ausgeschlossen. Schließlich gehe es darum, für die Stadt „einen lebendigen Ort zu bewahren, in dem 30 junge Menschen Theater machen“.

Kulturbürgermeisterin Iris Mann sagt, dass sie die Parteien bei einer Lösung des Problems unterstützt. Und Wolfgang Hamhaber drückt der AdK die Daumen, dass sich für sie „irgendwo eine Tür öffnet“.

Was gespielt wird

Stücke Die aktuelle Produktion im Akademietheater ist das Drama „Geschlossene Gesellschaft“ nach Jean-Paul Sartre, inszeniert von Larissa Zhivo. Die nächste Aufführung ist am 8. Juni, 20.15 Uhr, auf dem Unteren Kuhberg. Vorbereitet werden derzeit ein „Prometheus“-­Stück, dann wird es die Uraufführung eines Stückes von Peter Radtke geben, und zudem steht im Herbst die Premiere von „Kaspar“ an, Peter Handkes sehr eigene Lesart des Kaspar-Hauser-Stoffes.

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