Es war ein Konzert der Wohlfühl-Sorte mit dem Sympathieträger und Songwriter Léon Rudolf. Mit dabei: Ina Neumayr, die Bassistin des gemeinsamen Trios "Shortsellers" und eine vor einer Woche noch namenlose Freundeskreis-Vorband, die sich vor dem Konzert kurzerhand "Support" taufte - "da ja auf den Plakaten ,Léon & Support stand", wie Gitarrist Artjom Ostapenko schmunzelnd meinte. So einfach kanns sein.

Support rockten dann ordentlich und elektrifiziert, beim Konzert von Léon Rudolf gings dann erwartungsgemäß in erster Linie um Songwriter-Qualitäten, und von diesen besitzt er bereits jede Menge. Während er am Tag zuvor beim Singer-/Songwriter-Festival in Laupheim sogar ein nachdenkliches deutsches Lied gesungen hatte, setzte Léon im sehr gut besuchten Club Schilli auf einen authentischen Mix aus Songwriter-Melancholie, fetzigem Zeitgeist-Folk, Akustik-Reggae und Cover-Songs.

Ein reines Spaß-Konzert wollte der Vollblut-Sänger, dessen Stimme auch dank unzähliger Spontanauftritte als Straßenmusiker gereift ist, im Schilli nicht geben. Und natürlich hörte man seine Vorlieben deutlich heraus: Mumford & Sons, Jack Johnson, Damien Rice. Also war Hüpfen, Chillen angesagt - und melancholisches Schwelgen in der starken stimmlichen Kombi von Léon und der sehr präsenten Ina. Das passte.

Während Ina den E-Bass spielte, bediente Léon auch die Bassdrum, und bisweilen klang das wirklich nach Band. "Keep Singing" heißt nicht nur ein Song, sondern das ist Léons Motto, "auch wenn man bei Voice rausfliegt" oder wenn es einmal "knifflig" wird. Am Ende wurde bei Covers, Shortsellers-Nummern oder eigenen, neuen Songs schon mal richtig lautstark mitgesungen und die Zugaben, die Léon im Spielrausch fast verschwitzt hätte, lautstark gefordert.

Wenn die Songs des Jungen mit der Kappe und der Mundharmonika in den kommenden Jahren mit eigenem Profil geschliffen werden, dann ist mit diesem Vollblutmusiker definitiv zu rechnen. Den Spannungsbogen der Konzert-Langstrecke hat er schon gemeistert.