Wirtschaft Teva: Restrukturierung beendet

Ulm / jkl 26.07.2018
Rund 200 Mitarbeiter haben den Standort im Donautal seit Jahresbeginn verlassen.

„Wir sind auf Kurs.“ Gut ein halbes Jahr nachdem der Arzneimittelhersteller Teva-Ratiopharm einen erneuten Stellenabbau in Ulm verkündet hat, ist Deutschland-Chef Christoph Stoller optimistisch gestimmt. „Jede Stelle, die abgebaut wird, ist eine zu viel und für den Mitarbeiter eine persönliche Katastrophe“, sagt er. „Aber wir müssen unseren Teil dazu beitragen.“ An den deutschen Standorten im Donautal, Blaubeuren-Weiler und Berlin wurden im Zuge eines weltweiten Sparprogramms des israelischen Pharmakonzerns etwa zehn Prozent der rund 2700 Arbeitsplätze abgebaut.

„Es waren natürlich harte Verhandlungen mit dem Betriebsrat, aber wir haben uns Ende Februar auf einen Sozialplan geeinigt“, sagt Stoller. „Und wir haben hier am Standort bisher nicht eine Kündigung aussprechen müssen.“ Über Frühverrentung und freiwilliges Ausscheiden über Abfindungen verließen so in den vergangenen vier Monaten rund 200 Mitarbeiter aller Abteilungen, mit Ausnahme der Produktion und dem Biotech-Bereich, den Standort Ulm.

Die Schließung des Berliner Büros, in dem zuletzt etwa 80 Mitarbeiter größtenteils im Innendienst und medizinischen Bereich tätig waren, habe sich letztlich positiv für die Mitarbeiter im Donautal ausgewirkt. „Es sind weniger als zehn mitgekommen“, berichtet Stoller. „So konnten wir offene Stellen zum Teil mit Leuten besetzen, die sonst vom Abbau betroffen gewesen wären.“  Nach dem Abbau arbeiten derzeit  2000 Mitarbeiter im Donautal und 500 in Weiler, inklusive Außendienst.

„Für uns ist die Restrukturierung abgeschlossen.“ Das sei für den Standort auch enorm wichtig. „Jetzt kann man nach vorne schauen. Hier am Standort sind wir aus dem Gröbsten raus und die Stimmung wird wieder besser“, sagt Stoller mit Blick auf die Belegschaft. „Wir können uns fokussieren auf das, wofür wir eigentlich da sind: auf den Markt, die Kunden und die Patienten.“ Wirtschaftlich stehe der Standort gut da. Das erste Halbjahr habe Teva Deutschland über Plan abgeschlossen. Stoller zeigt sich optimistisch, dass dieser Trend auch im zweiten Halbjahr anhält.

Größter Standort

Nach der Auflösung des Berliner Büros ist Ulm der einzig verbliebene Standort in Deutschland. „Ulm ist der größte und komplexeste Standort der Teva weltweit“, sagt Stoller. Zur Struktur zählten neben Forschung und Herstellung auch Logistik und ein eigener Fuhrpark. Die Ansiedlung des Biotech-Projekts „Genesis“ sei „absolut wichtig und zentral“ für Ulm. „Das Projekt war hart umkämpft“, intern habe sich der Standort durchgesetzt. So genannte Biotech-Medikamente produziert Teva ansonsten noch in Litauen und Israel.

Der Bau der Biotech-Anlage laufe nach Plan. „Das geht zack, zack.“ Die erste Packung mit Medikamenten aus der Biotech-Anlage soll Stoller zufolge im zweiten Halbjahr 2021 ausgeliefert werden. Für das Projekt baut Teva Personal auf. Zum Jahresende sollen die ersten hundert der letztlich bis zu 300 Fachkräfte eingestellt sein. Auch hier seien Mitarbeiter, die ansonsten vom Stellenabbau betroffen gewesen wären, untergekommen. Auch im Bereich Originalmedikamente sei das Unternehmen auf Personalsuche. „Wir müssen uns anstrengen.“ Fachkräfte im Pharmabereich seien in der Region stark umworben. Die negativen Schlagzeilen Anfang des Jahres seien da nicht zuträglich gewesen. „Genesis hat Vertrauen geschaffen“, ist Stoller überzeugt.

Engagement bei den Basketballern

Sponsoring Bis 2020 läuft der aktuelle Sponsoring-Vertrag, mit dem Teva-Ratiopharm den Basketballverein Ratiopharm Ulm unterstützt. Stoller bekundete ein Interesse darüber hinaus weiter den Verein zu unterstützen. „Wir bleiben mit dabei und haben die Absicht unser Engagement beizubehalten.“ Eine finanzielle Unterstützung beim am Mittwoch nun auch von der Stadt Neu-Ulm abgesegneten Orange Campus sei jedoch nicht geplant.

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