Die Nachrichten zehn Tage vor Heiligabend waren für viele Ratiopharm-Mitarbeiter ein Schock: Der israelische Mutterkonzern Teva kündigte an, weltweit 14.000 Stellen und damit jede vierte Stelle im Pharmakonzern streichen und seine Kosten um jährlich drei Milliarden US-Dollar senken zu wollen. Jetzt sind erste Details für den Standort Ulm bekannt geworden.

Der SÜDWEST PRESSE liegt ein Brief der Geschäftsführung rund um Ratiopharm-Chef Christoph Stoller vor. Darin ist von „harten Entscheidungen“ die Rede, aber auch von der „herausragenden Rolle des Standortes Deutschland“ innerhalb der Teva. Aus dem Brief geht hervor, dass  jede zehnte Stelle in Deutschland gestrichen werde, damit sind knapp 300 der insgesamt 2700 Mitarbeiter an den Standorten Ulm, Weiler und Berlin betroffen.

Im Werk im Donautal sollen von den Stellenstreichungen neben der Produktion auch die Bereiche IT und Finanzen betroffen sein. Im Bereich Forschung und Entwicklung werden ganze Abteilungen geschlossen. Die betroffenen Mitarbeiter wurden nach SWP-Informationen in dieser Woche informiert. Unklar ist derzeit, wie viele Jobs letztendlich in Ulm wegfallen werden und wie hoch die Zahl der betriebsbedingten Kündigungen ausfällt. In Gesprächen mit dem Betriebsrat sollen nun dem Vernehmen nach sozialverträgliche Lösungen ausgelotet werden. Damit steht am Standort die vierte Entlassungswelle in kurzer Zeit an. Zuletzt wurde im Frühjahr 2017 ein Abbauprogramm mit mehr als 100 Stellen verabschiedet.

Im Zuge des Restrukturierungsplans wird der Standort Berlin, an dem bislang Marketing und Vertrieb von Spezialmedikamenten konzentriert waren, geschlossen. Künftig sollen in Deutschland – gemäß der neuen, globalen Teva-Strategie – Spezialmedikamente, Generika (wirkstoffgleiche Kopie eines bereits unter einem Markennamen auf dem Markt befindlichen Medikaments) und frei verkäufliche Medikamente von einer Einheit vermarktet und vertrieben werden. Die werde in Ulm angesiedelt.

An den bestehenden Plänen für das Vorzeige-Projekt Genesis, für das im vergangenen November die Grundsteinlegung stattfand, will Teva festhalten und noch in diesem Jahr wie angekündigt dafür 40 neue Stellen besetzen. Insgesamt sind dafür Investitionen von knapp 500 Millionen Euro sowie 300 neue Stellen vorgesehen. Auch in verschiedenen Bereichen der Produktionen sollen 30 offene Stellen wie geplant wiederbesetzt werden. Dazu ein Experte gegenüber der SWP: „Wie in vielen anderen Branchen werden spezielle Qualifikationen gesucht, andere Bereiche können im Zuge der Teva-Krise deutlich eingeschmolzen werden.“