Testlauf für geniale Dilettanten

Sänger Schorsch Kamerun von den Goldenen Zitronen. Foto: Udo Eberl
Sänger Schorsch Kamerun von den Goldenen Zitronen. Foto: Udo Eberl
UDO EBERL 21.10.2013
Ihren Tourauftakt zelebrierten Die Goldenen Zitronen in der vollen Ulmer Kradhalle. Ein begeisterndes Heimspiel mit hohem Kultfaktor.

Nur drei Wochen nach der Veröffentlichung ihres Albums "Who"s Bad" konnte man die Hamburger Goldenen Zitronen zum Auftakt ihrer Tournee am Samstag in der Ulmer Kradhalle erleben. Wie immer war es für die Band ein Testlauf im proppenvollen Kunsttempel beim Roxy - und ein Heimspiel, Multiinstrumentalist Ted Gaier ist ja in Ulm aufgewachsen.

Zu Beginn schienen sich die Zitronen mit dem, was sie im Studio so gekonnt zusammengefrickelt haben, ein wenig zu mühen. Aber die genialen Dilettanten sind Improvisationskünstler, lieben den Balanceakt zwischen Kabelchaos und Zettelwirtschaft. Ur-Punk, New Wave, Krautrock, Disco-Pampf und Musikexperiment, rezitiertes Pamphlet, Fast-Aggro-Rap, verbales Sezieren gesellschaftlicher Realitäten - ein sattes Paket mit neuen Stücken, das mit Klassikern wie "Psycho" oder dem grandiosen Elektro-Rocker "Wenn ich ein Turnschuh wär" aufgefüllt wurde. Der glänzend aufgelegte Frontmann Schorsch Kamerun, der Instrumenten-Hopper Ted Gaier und die Restzitronen spielten in der zweiten Stunde gewohnt sperrig und doch wie aus einem Guss. Hoffentlich auch im kommenden Jahr, dem 30. Jahr der Band. "Weil wir einverstanden sind", so der Titel von einer der Zugaben - und weil wir die Zitronen in Zeiten des Schablonen-Pop so dringend brauchen.