Ein kopfloser Krieger begrüßt die Besucher am Eingang der neuen Ausstellung im Blautalcenter. Mannshoch steht die Figur in einer gepolsterten Transportkiste, der Kopf liegt gut verpackt in einem Fach mit Styroporpolster. Die Statue gehört zur Terrakottaarmee – einer Grabbeigabe des ersten Kaisers von China.

Vor über 2200 Jahren eroberte Qin Shi Huang Di zahlreiche Staaten und schuf das chinesische Kaiserreich. 1974 fanden Bauern in der Provinz Shaanxi Teile der Grabfiguren. Die Terrakottaarmee, das sind Krieger und Tiere aus gebranntem Ton. Im Jenseits sollten sie dem verstorbenen Kaiser zur Seite stehen.

Terrakottaarmee: Detailgetreue Nachbildungen aus China

Bei den Figuren in der Ausstellung „Die Terrakottaarmee und das Vermächtnis des Ewigen Kaisers“ im Blautalcenter handelt es sich um detailgetreue Nachbildungen eines Teils des archäologischen Schatzes. Im Mittelpunkt: Der Raum mit dutzenden Terrakottakriegern. „Jedes Gesicht ist anders“, sagt Ausstellungsmacher Michael Scholz aus Ludwigsburg. Vorne knien die Bogenschützen, dahinter stehen in Reih und Glied Soldaten, Generäle und Offiziere, starren mit leeren Augen ins Nichts. Angefertigt wurden sie alle nahe des Fundorts der Originale, aus örtlichem Lehm und mit alten Fertigungstechniken: Körper, Köpfe und Hände wurden einzeln in historischen, steinernen Brennöfen gebrannt.

Für Scholz ein besonderes Ausstellungsstück: die Sammlung jahrhundertealter chinesischer Münzen. Sein Vater habe die Geldstücke vor 20 Jahren in China gekauft, ohne zu wissen, worum es sich handle, sagt Scholz. „Die lagen bei uns immer sauber verpackt auf dem Dachboden.“

Hohe Ticketpreise schrecken manche Besucher ab

Besucherin Tamara Goldbach aus Illerrieden hat sich die Terrakottaarmee gleich am ersten Tag angesehen. Sie bewundert, „wie viel Arbeit und Mühe da drinstecken“, die Ausstellung habe ihr gut gefallen. Um sich vor dem Coronavirus zu schützen, hat sich Goldbach eine Atemschutzmaske besorgt. Die trägt sie aber nur an sehr vollen Orten, im Blautalcenter verzichtet sie darauf.

Etwa 500 Menschen hätten die Ausstellung am ersten Tag besucht, sagt Michael Scholz. „Das ist okay.“ Er mache sich keine Sorge, dass wegen des Coronavirus die Besucher ausbleiben. Vor den Kassen der Ausstellung zeigt sich: Interessiert sind viele, doch die Ticketpreise – Erwachsene zahlen 15 Euro – schrecken manchen Ulmer ab.

Chinesischer Nationalcircus: Schlangenfrau verbiegt ihren Körper

Gut für die Schwaben, dass es am Samstag auch ein kostenloses Programm im Blautalcenter gab: Der chinesische Nationalcircus präsentierte den gesamten Tag sein Programm. Ein Artist balancierte eine schwere Vase auf dem Kopf, warf sie in die Luft und fing sie mit dem Nacken wieder auf. Andere jonglierten mit Hüten, sprangen Saltos und schlugen einhändig Räder. Und eine Schlangenfrau verbog vor den erstaunten Besuchern ihren Körper.

Bei den Aufführungen standen die Zuschauer dicht gedrängt vor den Bühnen, um nichts zu verpassen. An das Coronavirus erinnerten nur die Ständer mit Desinfektionsmitteln an den Eingängen.

Preise und Öffnungszeiten


Die Ausstellung „Die Terrakottaarmee und das Vermächtnis des Ewigen Kaisers“ gastiert bis zum 13. September im Blautalcenter in Ulm. Sie ist von Mittwoch bis Sonntag, jeweils 10 bis 18 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 15 Euro Eintritt, Kinder 9 Euro.