Es gab 69 Einwendungen, die eine Rücknahme des Tempolimits forderten und vom Regierungspräsidium Recht bekamen. Daraufhin formierte sich Widerstand gegen den Widerstand: Im Mai ging eine Petition an den baden-württembergischen Landtag, die den Erhalt forderte. Zwischenzeitlich gibt es auch eine Gegen-Petition.

Am Donnerstag nun ist Bea Böhlen, die Vorsitzende des Petitionsausschusses, eigens nach Ulm gekommen, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Denn immerhin liegen fünf Tempo-30-Petitionen vor: außer den zwei Wiblingern noch aus Eggingen, Ermingen und Donaustetten.

In allen vier Teilorten nahmen die Bürger rege Anteil am Besuch Böhlens. In Wiblingen hatten sich rund 40 Menschen eingefunden, Befürworter wie Gegner des Tempolimits. Kaum hatte die Landtagsabgeordnete der Grünen die Anwesenden nach ihrer Meinung gefragt, ging es hoch her. Die Befürworter führten die höhere Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer durch die langsameren Autos an sowie die bessere Wohn- und Lebensqualität der Anwohner durch weniger Lärm.

Dagegen fühlen sich die Gegner im Wortsinn ausgebremst. Sie stellten die Lärmminderung in Abrede, weil die Autos hochtouriger führen, oder forderten das Ausbessern von Schlaglöchern, die eine Lärmquelle seien statt "mit dem Rasenmäher vorzugehen".

Bea Böhlen sah aber nicht Rot, sie behielt in der teils emotional geführten Debatte souverän den Überblick. Für sie ist Lärm ein gewichtigstes Argument: "Er wird von den Menschen als sehr belastend empfunden." Sie riet, bei der Kommunalpolitik eine Lärmmessung und Verkehrszählung einzufordern, weil das hilfreich für die Beurteilung sei.

Aber sie machte klar, dass sie als Vorsitzende des Petitionsausschusses nicht dem zuständigen Berichterstatter vorgreifen wolle. Der Zuständige werde selbst zu einem Vor-Ort-Termin kommen. "Und für den üben Sie ja jetzt nur", sagte sie zu den debattierenden Wiblingern.

Bis zu einer Entscheidung riet sie: "Regen Sie sich nicht so sehr auf und haben Sie gegenseitig Verständnis - als Autofahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger." Niemand habe ein exklusives Recht auf die Nutzung von Straßen.