Lieber sitzen statt aktiv sein: Besonders ältere Menschen, die häufig an mehreren gesundheitlichen Problemen leiden, bewegen sich oft deutlich zu wenig. Dies – so zeigen Studien – kann zu Gebrechlichkeit führen, bestehende Erkrankungen wie Diabetes und des Herz-Kreislauf-Systems verschlimmern oder sogar weitere Krankheiten wie Krebs begünstigen. Mediziner aus Ulm wollen nun zusammen mit europäischen Kollegen herausfinden, wie sich körperliche Inaktivität von Menschen in der dritten Lebensphase langfristig vermindern lässt. Hierfür suchen sie ab Oktober Teilnehmer für das Projekt „Sitless“.

Mitmachen können Männer und Frauen, die 65 Jahre oder älter sind und sich im Alltag zu wenig bewegen. Interessierte sollten selbstständig (auch mit Hilfsmitteln wie Gehstöcken und Rollatoren) mindestens 400 Meter gehen können, nicht dement sein und nicht an schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs leiden. Nach einem Fitness-Check werden die Teilnehmer zufällig einer von drei Studiengruppen zugeordnet. In den Gruppen werden unterschiedliche Ansätze getestet, wie die körperliche Aktivität im Alltag gesteigert werden kann. Während des 16-wöchigen Programms wird eine Gruppe zu einer aktiveren Lebensweise beraten und hört Vorträge über das Thema. Die zweite Gruppe absolviert zwei Mal die Woche 45 Minuten lang Übungen zur Steigerung von Gleichgewicht, Funktion und Muskelkraft. Die dritte Gruppe nimmt ebenfalls an einem Bewegungsprogramm teil sowie an einer Schulung in Selbstmanagement-Strategien.

Zu Beginn und am Ende der Studie tragen alle Probanden eine Woche lang einen Sensor an der Taille, der die körperliche Aktivität misst. Zudem werden die Studienteilnehmer nach 12 und 18 Monaten erneut zu einer Untersuchung eingeladen, um die Nachhaltigkeit des Programms und Langzeit-Erfolge zu bewerten. Nach Abschluss der Studie soll das beste Programm allen älteren Personen zugänglich gemacht werden.

„Ausreichende Bewegung verbessert nicht nur die Lebensqualität und erhöht die körperliche und geistige Fitness, sie kann auch das Risiko für chronische Krankheiten und einen verfrühten Tod senken“, erläutern der Ärztliche Direktor der Agaplesion Bethesda Klinik Ulm, Prof. Michael Denkinger, und Prof. Dietrich Rothenbacher (Direktor des Instituts für Epidemiologie und Medizinische Biometrie, Uni Ulm), die die Studie in Deutschland leiten.

„Wir möchten älteren Menschen Freude an Bewegung vermitteln und dazu beitragen, dass sie langfristig einen aktiveren Lebensstil entwickeln. Unser Anliegen ist es deshalb nicht nur, regelmäßige sportliche Bewegung in ihren Alltag zu integrieren, wesentlich ist auch, die Nicht-Bewegung zu verringern“, so die Mediziner. Das aktuelle Projekt heißt daher „Sitless“, auf Deutsch „weniger sitzen“.

In Ulm beteiligen sich lokale Vereine, die AOK Ulm/Biberach, der Generationentreff Ulm/ Neu-Ulm, die Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin der Universität Ulm sowie die Stadt Ulm in einem Beratungsgremium an der Studie, die außerdem vom Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch unterstützt wird.

Am 21. und am 28. September (jeweils ab 16 Uhr in der Sparkasse Neue Mitte, Hans-und-Sophie-Scholl-Platz 2) informieren die Studienleiter  über das Thema „Bewegung und Gesundheit im Alter“ und das Projekt „Sitless“.

Info Die Teilnahme an diesem „Sitless“-Projekt ist kostenlos und erfordert keine Vorkenntnisse. Alle Teilnehmer erhalten nach Abschluss des Projekts eine Mitmach-Prämie in Höhe von 50 Euro. Weitere Infos gibt es telefonisch unter der Telefonnummer (0731) 18 74 63, oder per E-Mail: sitless@uni-ulm.de