Folk Teekränzchen und große Pub-Party

Christoph A. Schmidberger 03.07.2017

„Wir dissen immer die Leute, die sitzen.“ E-Gitarrist und Sänger Patrick „Pat“ Prziwara hat wenig Verständnis für diejenigen Konzertbesucher auf der Tribüne, die den packenden Auftritt der Erlanger „Irish-Independent-Speedfolk“-Band  gleichsam wie bei einem Teekränzchen verfolgen, wo doch statt eines gepflegten englischen 5-Uhr-Tees eine feucht-fröhliche Pub-Party geboten wird. Allerdings sind im so gut wie ausverkauften Zelt noch genügend hüpfende, tanzende und sonst wie wippende Gäste da, die die Location trotz des Regenwetters in einen dampfenden Hexenkessel verwandeln.

Der Name „Fiddler’s Green“ steht  für einen angenommenen jenseitigen Ort – vergleichbar den elysischen Gefilden der graeco-romanischen Mythologie –, an dem hauptsächlich irische Matrosen oder Soldaten paradiesische Zustände mit immerwährendem Fiddle-Spiel und endlos fließendem Bier vorfinden. Dank der Musiker, die sich bereits 1990 um  Frontmann Ralf „Albi“ Albers (Gitarre, Irische Bouzouki, Gesang) zusammenfanden, um eine vogelwilde Mixtur diverser Folkstile mit Punk und Alternative Rock zu würzen, kommen auch alle nicht-irischen Matrosen für gut zwei Stunden in den Genuss jenseitig-guter Zustände.

Neben Evergreens wie „The Leaving of Liverpool“ gibt es vor allem einige Titel vom aktuellen Studiowerk „Devil’s Dozen“ wie „Down“, das mit Mariachi-Klängen und teilweise spanischen Textzeilen weitere Farbe Abwechslung bringt. Im Licht eines auf dem Album befindlichen Covers von Styx’ Hit „Boat on the River“ betrachtet, mag das im Zelt  gespielte „Mr. Tickle“ (nach der  Zeichentrickserie „Mr. Men“ aus den 1970ern) gar nicht mehr verwundern – Albers linkische Bewegungen und Gesten erinnern in Kombination mit der doch sehr musicalmäßigen  Komposition nicht von ungefähr an den „Mr. Roboto“ des Styx-Keyboarders Dennis DeYoung.

Die Nummer mit dem Killer-Refrain verdeutlicht letztlich nur die stilistische Vielseitigkeit des Sextetts, das neben klassischem Rock-Instrumentarium und der Fiddle auch noch genügend Raum lässt für Akkordeon und Bodhrán, eine irische Rahmentrommel.

Mit Vollgas geht es bis zur Zugabe, wo dann ausgerechnet für „Rocky Road to Dublin“, einen der  populärsten und feurigsten Klassiker des Irish Folk, plötzlich die Handbremse angezogen wird. Ist aber verzeihbar, nach Action non-stop lockten Kilkenny und Bierbank.