Ulm Technik veraltet: Integrierte Leitstelle wird umgerüstet

Ulm / HANS-ULI THIERER 28.12.2015
Die seit 2001 bestehende Integrierte Leitstelle (ILS) von Stadt Ulm, Alb-Donau-Kreis und DRK in den Räumen der Feuerwache Ulm wird Ende des kommenden Jahres, wenn ein Wartungsvertrag ausläuft, komplett mit neuer Technik auf den Stand der Dinge gebracht. Unter anderem wird die ILS dann digitalfunk-kompatibel sein.

Die neue Technik kostet samt kleinerer Umbauten 1,9 Millionen Euro, die sich die drei Partner nach einem Schlüssel teilen. Die Mittel für den Anteil der Stadt Ulm – je nach Höhe der Fördermittel zwischen 600.000 und 900.000 Euro – hat der zuständige Fachausschuss gebilligt.

„Die 1,9 Millionen Euro sind noch nicht das Ende vom Lied“, kündigte Baubürgermeister Tim von Winning für die kommenden Jahre weitere Investitionsnotwendigkeiten an. Vor allem wird über kurz oder lang die Unterbringung in neuen oder erweiterten Räumlichkeiten notwendig, heißt es in einem Gutachten der Firma Hundsdorfer Consulting aus dem vergangenen Jahr. Denn es fehlen Einsatz-Leit-Tische, qualifizierte Abfrageplätze für Ausnahmesituationen, Büros, ein zweiter Technikraum zur Sicherstellung von Notfalllagen. Heute läuft der Betrieb auf 225 Quadratmetern, notwendig sind laut Gutachten mehr als 700.

Stadtrat Siegfried Keppler (CDU) fragte, ob nicht eine regionale Leitstelle zusammen mit dem Landkreis Neu-Ulm sinnvoll wäre. Von Winnings Antwort: Sinnvoll schon. „Aber in dieser Frage ist die Donau eine sehr radikale Grenze.“

Kommentar von Hans-Uli Thierer: Unüberwindbare Grenze

 

Zu welchen Quantensprüngen die Informationstechnologien geführt haben, erfährt die Ulmer Feuerwehr. Sie betreibt die Integrierte Leitstelle (ILS) in der Karlstraße für Stadt, Alb-Donau-Kreis und mit dem Partner DRK. 2001 ist sie in Betrieb gegangen. Also vor noch nicht allzu langer Zeit, aber eben doch in der Steinzeit der immer schnelleren infomedialen Welt.

Jetzt gilt es, mit Millionenaufwand umzurüsten und die Leitstelle ins digitale Zeitalter zu führen. Wer wollte angesichts solcher Zahlen an der Notwendigkeit zweifeln: Die ILS ist als Kommandozentrale von Notrufabfragen, Alarmierungen, Unterstützung der Rettungs- und Feuerwehrkräfte zuständig für 300.000 Einwohner. Die Mitarbeiter führen täglich 700 Telefonate. Die Einsatzzahlen sind seit 2009, dem Jahr der letzten technischen Aufrüstung, um 30 Prozent gestiegen – auf in diesem Jahr 84 000 Rettungs- und 3300 Feuerwehralarmierungen.

Stadtrat Siegfried Keppler spricht zu recht an, ob das Leitstellenwesen nicht effektiver auf regionalen Beinen daherkäme. Alle bisherigen Versuch, mit dem Kreis Neu-Ulm anzubadeln, aber scheiterten an Kirchturmspolitik, Pochen auf Eigenständigkeiten und Verweisen auf unterschiedliche Strukturen und Organisationsformen. Es darf im Zeitalter der Globalisierung nicht wahr sein, dass eine Landesgrenze im Rettungswesen eine unüberwindbare Barriere darstellt. Die Politik ist gerufen.

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