Blasmusik Tausende Musiker beim Landesposaunentag

Ulm / Bernd Rindle 01.07.2018
Mehr als 6500 Musiker geben beim Landesposaunentag auf dem Münsterplatz ein imposantes Abschlusskonzert.

Jetzt der Gospel ‚Wartet im Wasser‘“, sagte Landesposaunenwart Hans-Ulrich Nonnenmann das nächste Lied im Bewusstsein an, dass eine Generalprobe für das Abschlusskonzert in praller Sonne kein Zuckerschlecken ist. „Ich weiß, jetzt denkt der eine oder andere: schön wär’s“, anstatt auf dem glühend heißen Münsterplatz zu stehen. Allein,  6500 Bläser in Einklang zu bringen, ist so einfach nicht, erfordert volle Konzentration: „Ihr müsst zu mir herschauen, keiner schaut auf die Leinwand!“

Was dabei herauskam, war auch beim 47. Landesposaunentag genauso beeindruckend, wie all’ die Jahre zuvor. Dem gewaltigen Klangkörper, der auf einmal fast zu Donnerhall anschwillt, um danach sensibel, fast filigran abzuebben, kann man sich nicht entziehen. Am wenigsten der Landesbischof der evangelischen Landeskirche in Württemberg. Bei den Klängen der Posaunen „wird Gott spürbar“, sagte Frank Otfried July, der bedauerte, dass in der Welt derzeit auch andere, harte und wenig humanistische Töne zu hören seien. Umso mehr freute er sich über die traditionell gute Aufnahme und den harmonischen Verlauf des Landesposaunentages in Ulm.

Der Mob ist in der Stadt

 Dass der wieder stattfand, war nicht zu überhören, denn Ulm klang in allen Gassen und auf etlichen Plätzen. Bereits am Samstagnachmittag, Stunden vor der Eröffnung, hatte es sich abgezeichnet. Überall in der Innenstadt waren auffällig viele Menschen mit Koffer ähnlichen Behältnissen und Textiltaschen unterwegs. Szenekennern war sofort klar: Der Mob ist in der Stadt!

 Genauer gesagt, der „Brassmob“. Vor dem niemand sicher sei kann, weil keiner weiß, wo er ins Blech reinstößt. Die kurzen Platzkonzerte waren von langer Hand vorbereitet und fanden ohne Ankündigung an unterschiedlichen Orten in der Innenstadt statt. Was dabei am Samstag zum Vortrag kam reichte von „Lobet den Herrn“ bis zur „Schwäb’schen Eisenbahn“, obendrein wurde dem Publikum der „Radetzkymarsch“ geblasen.

 Und weil die Bläsergruppen gerne noch eines drauf setzen, tauchen sie auch dort auf, wo man schon gar nicht mit ihnen rechnet. Vorgestern etwa sind Posaunen-Guerilleros ins Donaubad und weiter in bayerisches Hoheitsgebiet eingedrungen, wie Kletterer am Sparkassen-Dome bestätigen können.

 Gesetzter ging es bei der Eröffnung auf dem Kornhausplatz zu, wobei Andreas Lämmle auch Unerwartetes zu bieten hatte: „Wir können es machen, wie beim Volksfest. Es geht um Wasser, es geht um Lebensquelle: Ozapft is!“ Der Vorsitzende des evangelischen Jugendwerks Württemberg war getragen von der Hoffnung, dass sie mindestens zwei Tage lang sprudeln möge.

Hut auf

Ein anderer sorgte sich unterdessen um die dermatologische Gesundheit der Teilnehmer. Einer, der Kraft seines Amtes als Anzugträger der Hitze trotzte. „Denken Sie dran, genug trinken, einen Hut aufsetzen und Sonnencreme ins Gesicht.“ Was andernfalls dabei rauskommt, „können Sie bei mir sehen – man wird einfach zu dunkel im Gesicht“, warnte OB Gunter Czisch.

 Mottogemäß erfrischend lebendig ging es auch beim ersten musikalischen Einsatz des Landesjugendposaunenchors zu. Dabei hatten die Zuhörer die Gelegenheit, quasi im Zeitraffer demonstriert zu bekommen, wie ein Musikstück erschlossen wird – von stoischen Grundtönen bis zu rhythmischen, mehrstimmigen Bläsersätzen.

Was nur noch vom Klangkörper auf dem Münsterplatz getoppt wurde, auf dem man jüngst noch wenig Grund zur Freude hatte, was auch Bischof July nicht entgangen ist. Er verwies auf die Gelegenheit, statt „Fußballkatzenjammer ein fröhliches Vollbad“ vor dem Münster zu nehmen, in der „glitzernden Kathedrale“ der Blechblasinstrumente.

OB auf dem Fahrrad oder: Was ist nachhaltig?

Diskussion Ist „Nachhaltigkeit“ bloß ein Trendwort oder hat der Begriff Substanz? Darüber diskutierten beim Landesposaunentag Landesbischof Frank Otfried July, Landesumweltminister Franz Untersteller und Oberbürgermeister Gunter Czisch im Stadthaus.

Definitionen Für Untersteller wird der Begriff „inflationär“ gebraucht. „Das  birgt leider auch Gefahren“, so der Grünen-Politiker, der das einst von SPD-Vordenker Erhard Eppler eingeführte Wort „Enkeltauglichkeit“ angemessener findet. Bei Nachhaltigkeit gehe es eben neben Umweltthemen auch um Ökonomie und Soziales: „Gerechtigkeit zwischen den Generationen und den verschiedenen Teilen dieser Welt“. Bischof July erinnerte daran, dass der Mensch in einer besonderen Verantwortung für die Welt stehe. Aktuell werde Nachhaltigkeit bei der Flüchtlingsproblematik. „Die Menschen kommen zu uns,  weil sie in ihren Lebensbedingungen keine Nachhaltigkeit sehen.“

Unideologisch Czisch plädierte für eine Entideologisierung des Begriffs. „Es muss konkret sein und praktisch anwendbar, etwa bei der Frage: ‚Wie komme ich zur Arbeit?’“ Da geht der OB übrigens selbst mit gutem Beispiel voran, wie er erzählte. Er habe sich gerade ein Cityfahrrad bestellt, um künftig schneller von einem innerstädtischen Termin zum nächsten zu kommen. „Wenn ich zu Fuß gehe, werde ich immer aufgehalten.“  

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