Annabelle Meister hatte schon als Teenager einen klaren Zukunftsplan: Abi, Studium und dann der Berufseinstieg als Kommunikationsdesignerin. So weit, so gut. Doch als sie sich mit 17 Jahren spontan tätowieren ließ, änderte sich alles. Annabelle, die schon in ihren Kindheitstagen gerne zeichnete, war fasziniert davon, wie präzise die Nadel die Tinte in die Haut drückt, wie Stich für Stich ein Kunstwerk entsteht.

Mit diesem Tattoo begann alles.
© Foto: Annabelle Meister

Erstes eigenes Tattoo war Beginn der Karriere

„Ab diesem Moment wusste ich, dass ich Tätowiererin werden möchte“, erzählt sie. Dieses erste Tattoo war sozusagen der Beginn ihrer Karriere und hat eine ganz eigene Bedeutung für sie. Der Pfeil auf ihrem Oberarm steht dafür, seinen Weg zu gehen. Auch wenn es manchmal schwer ist. Und so verwarf sie - sehr zum Bedauern ihrer Eltern - ihren Zukunftsplan und begann ein Praktikum in einem Tattoo-Studio.

Nach ein paar Tagen im Studio war klar, dass sie das Handwerklernen wollte. Prompt bestellte Annabelle sich das nötige Equipment im Internet. Maschine, Nadel und Farbe probierte sie zunächst auf ihrer eigenen Haut aus, später tätowierte sie gute Bekannte. „Meine Freunde vertrauten mir und waren auch mit den Motiven zufrieden. Und das, obwohl ich noch ein totaler Anfänger war.“ Als Annabelle die Ergebnisse dann auf Instagram postete, waren ihre Follower begeistert. Nach und nach trudelten die ersten Tattoo-Anfragenein. Schließlich hatte sie so viele Aufträge, dass sie ein eigenes Gewerbe anmelden musste.

Tätowierer: Es gibt keine klassische Ausbildung

Um als Tätowierer zu arbeiten, gibt es keine klassische Ausbildung. Die meisten Anfänger lernen das Handwerk und die hygienischen Grundlagen in einem Tattoo-Studio. „Man wird mit jedem Stich besser und mit jedem Motiv bekannter“, erklärt sie. Nachdem sie sechs Monate von zuhause aus gearbeitet hatte, war die Zeit reif, in ein Studio zu wechseln.

Heute ist Annabelle 21 Jahre alt und arbeitet freiberuflich im Tattoo-Studio „Vendetta Ink“ in der Ulmer Oststadt. Mittlerweile hat sie einen festen Kundenstamm und sticht ein Motiv nach dem anderen. Die junge Tätowiererin hat ihren eigenen Style entwickelt, der vor allem bei der jungen Generation beliebt ist. Ganz festlegen will sie sich aber noch nicht. „Momentan lasse ich mich noch von vielen Richtungen inspirieren.“ Meist orientiert sie sich in den Bereichen „Line Work“ und „Dot Work“. Auch Mandalas sind häufig auf ihrer Instagram-Seite vertreten. Hier postet sie übrigens fast täglich ihre Ergebnisse.

Vendetta Ink: Am liebsten tätowiert sie Frauen

Bei „Vendetta Ink“ sticht die Ulmerin als einzige Frau. Sie erzählt, dass früher hauptsächlich Männer als Tätowierer gearbeitet haben. Inzwischen sei der weibliche Anteil deutlich gestiegen - auch in der Ulmer Szene. „Ich tätowiere tatsächlich auch lieber Frauen. Die jammern weniger“, sagt Annabelle schmunzelnd und schaut in Richtung ihrer Kollegen.

Man merkt, dass sie sich in der einstigen Männerdomäne gut durchgesetzt hat. Auch ihre Eltern haben sich mittlerweile mit ihrem Traumberuf abgefunden. „Meine Mama hat sich sogar von mir tätowieren lassen. Das will was heißen.“ Durch die positiven Rückmeldungen wagt sich Annabelle an immer aufwändigere Werke. Besonders stolz ist sie auf das Motiv einer Indianerin. Dieses Kunstwerk ziert den Arm einer Kundin. Die Künstlerin saß hierfür ganze vier Stunden an der Nadel. „Das ist dann nicht nur für den Kunden anstrengend. Danach bin ich immer richtig verspannt und kaputt. Deswegen muss ich auch regelmäßig Krankengymnastik machen.“

Traum vom eigenen Studio

Obwohl sie für ihr Alter schon viel Erfahrung gesammelt hat, ist Annabelle immer noch nervös vor dem Stechen. Wer das nicht mehr sei, mache was falsch, meint sie nüchtern. „Als Tätowierer hat man eine Verantwortung. Das Motiv soll gut aussehen und der Kunde soll jahrelang zufrieden mit der Arbeit sein.“

Annabelle hat es geschafft, ihren Traumjob zu finden. Doch da geht noch mehr. Später will sie irgendwann ihr eigenes kleines Studio eröffnen. „Ich habe sogar schon einen Namen - aber der bleibt mein Geheimnis“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Dieser Artikel ist in Kooperation mit cityStories Ulm entstanden.

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