Messe Tattoo-Messe: Kunst, die unter die Haut geht

Ulm / jkl 09.10.2018

Es surrte überall in Halle sieben am Wochenende. An beinahe jedem der mehr als 50 Stände saßen Tätowierer über liegende und sitzende Frauen und Männer gebeugt, die sich dazu entschieden hatten, mit einem weiteren Motiv ihren Körper zu verschönern. „80 Prozent der Leute haben sich bereits davor festgelegt und kommen mit einem Motiv, das sie sich stechen lassen wollen“, sagte Bernd Goldschmidt.

Der Tätowierer war mit seiner Frau Biggi und ihrem Team von Skin Line Tattoo aus Rastatt auf die Messe Tattoo Convention in Ulm gekommen. Gut jedes zweite Wochenende seien sie deutschlandweit auf Messen unterwegs. „Das ist ein Sieben-Tage-Job, aber es macht Spaß“, sagt Goldschmidt.

„Etwas Florales wäre schön“

Am Stand blätterte Sylvie durch die ausgelegten Ordner mit Vorlagen. „Etwas Florales wäre schön und mit Farbe“, sagte die 37-Jährige, die mit ihrem Freund aus Regensburg gekommen ist. Das richtige Motiv ist bei Goldschmidt aber noch nicht dabei.

Hanna und Jana waren sich dagegen ein paar Meter weiter schon sicher. „Ich möchte mir einen Mond stechen lassen“, erklärte die 21-jährige Jana aus Langenau – in Anlehnung an ihre Hündin, die Luna heißt. „Und weil wir eigentlich auch ein Freundschaftstattoo wollen, habe ich mich für eine Sonnenblume entschieden“, fügte Hanna (20) an. „Wegen Sonne und Mond“, eine Sonne allein habe ihr aber nicht gefallen.

Für beide ist es bereits das fünfte Tattoo. „Man wird nicht richtig süchtig, aber trotz der Schmerzen hat man nach dem Stechen so viel Adrenalin in sich, dass man gleich das nächste haben möchte“, sagte Hanna. Diesem Drang gebe sie aber nicht nach. „Das wäre nicht gut. Zwischen zwei Tattoos sollte schon eine gewisse Zeit liegen, um sich auch sicher zu sein.“ Bereut hat sie bislang noch keines ihrer Motive. „Aber zu manchen Studios würde ich nicht mehr gehen.“ Gleich mit zwei ihrer vier Tattoos sei sie im Nachhinein unzufrieden. „Nicht mit dem Motiv, aber mit der Qualität.“

Einen richtigen Trend in Sachen Motive erkennt Veranstalterin Anja Fünfstück derzeit nicht. Sie sei jedoch immer wieder überrascht, wie oft sich die Besucher richtig große Motive auf Messen stechen lassen. „Man sitzt hier ja doch auch in der Öffentlichkeit und jeder kann zuschauen.“ Fünfstück, die selbst mit ihrem Mann ein Studio in Nürnberg betreibt, beobachtet, dass sich immer mehr Tätowierer auf gewisse Techniken spezialisieren – wasserfarbähnliche Verläufe etwa oder Motive aus feinen Punkten, so genannte Dotworks.

Außer der Messe in Ulm organisiert Anja Fünfstück acht weitere im süddeutschen Raum. In Ulm ist sie zum ersten Mal als Veranstalterin. Mit dem Zuspruch ist sie sehr zufrieden. „Ulm ist toll.“ Allein am Samstag seien  rund 2000 Besucher gekommen.

Finanzierbare Messepreise

Für die Kunstwerke unter der Haut bezahlten die Besucher je nach Größe des Motivs einiges. Jochen aus der Nähe von Kempten hat bei einer Verlosung auf der Messe zwar einen 30 Euro-Gutschein für einen Stand gewonnen. Um sich den Wunsch vom Grizzlybären auf seiner rechten Wade zu ermöglichen, musste er jedoch erst noch zum Geldautomaten. „Das ist nur ein kleiner Zuschuss. Das Ganze wird mich so um die 900 Euro kosten.“ Das sei aber noch im Rahmen: „Hier verlangen sie Messepreise, das macht das Ganze finanzierbar.“

100

Aussteller aus ganz Deutschland waren auf der Tattoo-Messe auf dem Messegelände in der Friedrichsau am Wochenende vertreten. Neben Tätowierern waren auch Piercer vor Ort.

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