Ermittlungen Tatort Söflinger Maienwald: Hat ein Fuchs das Rehkitz geköpft?

cmy 12.08.2017

Die am Donnerstag von der Ulmer Polizei verbreitete Nachricht von einem möglichen Wilderer, der im Söflinger Maienwald in den vergangenen Monaten mehreren Rehen den Kopf abgeschnitten habe, hat erwartungsgemäß zu einem enormen Echo aus der Bevölkerung geführt. Nach entsprechenden Berichten in vielen Print- und Onlinemedien – darunter auch in der SÜDWEST PRESSE – seien beim Polizeipräsidium Ulm zahlreiche Hinweise eingegangen, teilte die Polizei gestern mit – allerdings kein einziger auf einen möglichen Jagdwilderer.

Der Tenor der Anrufe sei stattdessen ein anderer gewesen: Ein Jäger aus dem Tierreich könne ebenso gut in Betracht kommen. Der Polizei zufolge haben sich mehrere Jagdpächter aus der Region gemeldet, die auf ähnliche Weise getötete Tiere in ihren Revieren aufgefunden hatten. Alle hätten die Vermutung geäußert, die Tiere seien von einem Raubtier gerissen worden. Ein Jäger aus dem Alb-Donau-Kreis sei der Überzeugung gewesen, der Kopf wurde von einem Luchs abgetrennt. Er selbst habe vor rund fünf Monaten nach einem gemeldeten Wildunfall kurze Zeit später das Tier neben der Straße mit „fein säuberlich abgetrenntem“ Kopf aufgefunden, was er eindeutig auf ein Raubtier zurückführte. Ein weiterer fachkundiger Hinweisgeber bezeichnet das Verhalten von Luchsen und auch Füchsen für typisch, Köpfe von erbeutetem Wild „messerscharf“ abtrennen zu können.

Luchs kommt nicht in Frage

Einen Luchs als Täter schließt Wildtierexpertin Judith Ohm von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg indes kategorisch aus. „Das ist ein Mythos. Luchse essen Muskelfleisch und keine Köpfe“, sagte die Biologin auf  Anfrage der SÜDWEST PRESSE. Das fein säuberliche Abtrennen von Köpfen sei jedoch ein typisches Vorgehen von Füchsen. „Sie nehmen den Kopf mit, um in ihrem Bau in Ruhe zu fressen.“ Typischerweise gebe es an den Rümpfen der getöteten Tiere dann aber weitere Biss- oder  Fressspuren“, so Ohm.

Der  Ulmer Jagdpächter, der der Polizei am Montag den jüngsten Fall des geköpften Rehs gemeldet hatte, hatte den Kadaver allerdings als „ansonsten völlig unversehrt bezeichnet“. Fragen bleiben offen. Die Polizei hat mit den zuständigen Forststellen im Land Kontakt aufgenommen und prüft nun, ob die Hinweise zutreffen könnten.

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