Ulm Tanzfestival "Ulm Moves": "Hey, da bewegt sich was!"

MAGDI ABOUL-KHEIR 29.06.2013
"Ulm Moves" heißt es von Mittwoch bis Sonntag: Dann wird das 1. Ulmer Tanzfestival für Bewegung in der Stadt sorgen. Und ein attraktives Programm bieten, freut sich der künstlerische Leiter Domenico Strazzeri.

Das Ulmer Tanzfestival von 3. bis 7. Juli hat die Überschrift "Ulm Moves". Wie viel Bewegung herrscht denn in der hiesigen Tanzszene?
DOMENICO STRAZZERI: Immer mehr! Der Welttanztag zeigt ja, wie viel Interesse Tänzer und Zuschauer haben. Das Publikumsinteresse merke ich auch in den Vorstellungen meiner Strado Compagnia Danza. Und politisch hat sich echt was getan: Kulturbürgermeisterin Iris Mann hat wirklich einen großen Stein reingeworfen, und die Parteien machen mit - die Folge ist eine finanzielle Förderung, die nun auch "Ulm Moves" mit ermöglicht.

Roxy, Stadthaus und Ulmer Zelt veranstalten das Festival gemeinsam. Was ist die Grundidee?
STRAZZERI: Wir wollen zeigen, dass es mehr als nur Blümchentanz gibt (lacht). Es geht darum, zeitgenössischen Tanz in seiner Bandbreite zu präsentieren. Wir zeigen Produktionen mit starken Themen, die zugleich ästhetisch und choreografisch sehr vielfältig sind. Und wir integrieren die Ulmer Tanzszene.

Die Eröffnungsgala bietet bekannte Namen: Gauthier Dance, Kevin ODay Ballett, Dance Company Nanine Linning. Wollen Sie damit dem Tanzlaien eine Brücke bauen?
STRAZZERI: Es sind fünf namhafte Choreografen im Zelt - das gibts nicht jeden Tag. Für die Gala haben wir aber nur noch Restkarten.

"Revolver besorgen" heißt Helene Waldmanns Stück, das am Donnerstag im Roxy, 20 Uhr, zu sehen ist. Wie choreografiert man Themen wie Vergessen und Demenz?
STRAZZERI: Das Stück bewegt sich rückwärts durch die Zeit - vom alten Menschen zum Baby. Ein Wechselbad der Gefühle, zwischen Lachen und Betroffenheit. Eine sehr emotionale, ergreifende Arbeit.

Am Freitag, 20 Uhr, sind Minka-Marie Heiß und die "Kompanie hausgemacht" im Stadthaus: In "Matter matters?" geht es um Klarträume. . .
STRAZZERI: . . . also um Fantasien und um Träume, die man bewusst wahrnimmt, die man sogar verändern kann. Ein wirklich traumhaftes Stück, das die Spannung auf allerhöchstem Level hält. Modern, expressiv, mit tollen Bildern.

Für welche Altersklasse ist Nina Kurzejas Choreografie "Alice im Icon Land" gedacht, die am Samstag, 18 Uhr, im Roxy zu sehen ist?
STRAZZERI: Das Stück ist wirklich für alle! Und enorm witzig: Kinder lachen sich halbtot, Erwachsene finden es auch unterhaltsam. Alice wird in die heutige Zeit versetzt und kommt dank Apps an andere Orte und in immer neue Situationen.

Das Festival heißt "Ulm Moves" - haben Sie vor, auch die Stadt zur Bühne zu machen?
STRAZZERI: Ja, klar, mit unserem Parcours. Vor den Abendveranstaltungen am Donnerstag, Freitag und Samstag präsentiert sich die Ulmer Tanzszene im öffentlichen Raum, zwischen Stadthaus und Roxy. Wir gehen aber nicht an die schönen, altbekannten Orte, sondern eher an ungewöhnliche, die man schon gar nicht mit Tanz in Verbindung bringt. An jeder Station - wie dem Spielplatz am "Q-Muh", Deutschhaus, Bahnhofssteg, Brunnen am Landratsamt - machen zwischen zwei und 40 Tänzer, aber auch Schauspieler mit. Publikum und Passanten können, geführt von Jörg Zenker und Gaby Fischer, den Parcours mitgehen, sich alle Stationen anschauen. Das Finale findet direkt am jeweiligen Gastspielort statt. Es ist auch eine Möglichkeit, den Ulmern sozusagen im Vorbeigehen zu zeigen: "Hey, da bewegt sich was!"

Es wird aber nicht nur getanzt, sondern auch diskutiert?
STRAZZERI: Im Roxy findet parallel zu "Ulm Moves" am 5./6. Juli der 1. Kinder- und Jugend-Tanzgipfel Baden-Württemberg statt: Fachdiskussionen, aber auch etliche sehenswerte Aufführungen für junge Zuschauer. Und am Sonntag, 7. Juli, 11 Uhr, sprechen wir im Kultur-Café des Roxy über die Entwicklung des Tanzes in Ulm und im Land.

In Ulm wird die freie Tanzszene nun, zunächst bis 2015, mit 100 000 Euro jährlich gefördert. Ihre Strado Compagia Danza erhält 50 000 Euro Zuschuss. Was sind Ihre Ziele?
STRAZZERI: Ich will jetzt zwei, vielleicht drei Produktionen pro Jahr stemmen. Und ich möchte, dass die Compagnia durch Gastspiele über Ulm hinaus bekannt wird. Meine Arbeit hat durch den Zuschuss ein Fundament bekommen, auf dem sich aufbauen und auf dem sich etwas bewegen lässt.

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