Tanz Tanz-Ausstellung im Stadthaus: Animierend

Zeitgenössischer Tanz mit „Ruth“ – eine Fotografie von Yvonne Faber.
Zeitgenössischer Tanz mit „Ruth“ – eine Fotografie von Yvonne Faber. © Foto: Yvonne Faber
Ulm / Tayná De Castro Stolz 06.06.2018
Das Stadthaus zeigt in einer großen Ausstellung Bilder von bewegten Menschen und Menschen in Bewegung: „Movinpics“.

Die Stadt bewegt sich wieder: Am Donnerstag beginnt das 3. Festival „Ulm Moves!“ mit einem Parcours durch die Straßen – und auch im Stadthaus wird getanzt, nicht zuletzt in der Ausstellung „Movinpics“ mit Bildern von Menschen in Bewegung und von bewegten Menschen. Präsent sind dort zehn Künstler, Fotografinnen und Fotografen, die mit der Region Ulm und Neu-Ulm eine Verbindung haben und vom Stadthaus zu Auftragsarbeiten zum Thema „Bewegung“ eingeladen wurden.

Nik Schölzel etwa, Spezialist der Theater- und Werbefotografie,  zeigt mit der Serie „Everybody“, dass alle Menschen durch Körperbewegung und Tanz zu einem Hochgefühl animiert werden können. Es sind Bilder der professionellen Tänzer der Lateinformation des SSV Ulm 1846  während eines Wettkampfs und von verschiedenen Tanzgruppen der Lebenshilfe Donau-Iller Senden. Sie demonstrieren auch den Kontrast zwischen sportlichem Ehrgeiz und purem Spaß.

Der freiberufliche Fotograf  Armin Buhl stellt in seiner Serie „Ballettsaal“ nicht direkt Bewegung des menschlichen Körpers dar, sondern Orte: die Turnhalle der ehemaligen Wagnerschule – heute Hans und Sophie Scholl-Gymnasium –, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1969 dem Ulmer Stadttheater als Bühne diente. Wo damals die Infrastruktur für das Tanztraining prekär war, wo vieles improvisiert werden musste, hat heute die Compagnie einen hellen Ballettsaal mit adäquater Ausstattung zur Verfügung.

Die Film-Installation „Through The Wall“ ist ein experimentelles Tanzvideo des Südkoreaners Minkyou Yoo und der in Süddeutschland geborenen Stephanie Englert von der Kunsthochschule für Medien in Köln: 3:45 Minuten lang Tänzerinnen in Schwarz-Weiß, die eine imaginäre Wand in der Bildmitte durchstoßen und dabei Klänge erzeugen. Faszinierend.

Como ist eine norditalienische Stadt, und am  Hafen des  Sees haben sich vor vielen Jahren Jugendliche in Abendkleidern für gepflegten und kultivierten Gesellschaftstanz auf einem Boot getroffen. Das Tanzboot, längst vergessen und verlassen,  hat dekorierte Fenster, auf denen unter anderem tanzende Paare zu sehen sind. Der Architekturfotograf Conné van d’Grachten, der 2017 die kultige Season’s Greatings-Karte des Stadthauses mit Urlaubsfotos gestaltete, hat in seiner Serie „Il Battello del Lario – Dance Me to the End of Love“ die Spiegelungen der Fenster  auf der Wasseroberfläche beobachtet.  Die Serie wurde auf eine große, bewegliche Stoffleinwand gedruckt – ein dynamisches Spiel wie auf der Wasseroberfläche. Und Mark Klawikowski hat die Installation „Drahtzeichnung“ geschaffen, er setzt von der Decke hängende Comicfiguren dem Ventilatoren-Wind aus. Es ist ein elementares Schattenspiel der Bewegung. Das ist ein Highlight der Ausstellung: Mit seinen Drahtmenschen animiert Klawikowski die Besucher, sich mit ihrem Körpers in Bewegung zu setzen.

Lokale Tanz-Historie

In einem zweiten Teil widmet sich die Stadthaus-Ausstellung sehnsuchtsvoll der Ulmer Tanz-Historie. Zu sehen sind  Porträts  ehemaliger Tänzerinnen und Tänzer des Ulmer Theaters, die Armin Buhl, Stadthaus-Chefin und Kuratorin Karla Nieraad sowie Nik Schölzel getroffen, befragt und fotografiert  haben. Es treten auf: Carina Schnabel-Hudec, Ariane Gavizolli, Boris Talevski und Margarita Gradetchlieva, die zwischen 1968 und 1971 dem Ballettensemble des Ulmer Theaters angehörten.

Es sind rührende, bewegende Porträts. Carina Schnabel-Hudec zum Beispiel, die immer noch Kinder unterrichtet, sagt über ihr Tanz-Leben: „Dieses bewusste Körpergefühl, das können Sie ja nicht abschalten. Das hat man oder man hat es nicht.“

Beitrag zu „Ulm Moves!“

Die Ausstellung „Movinpics“ zeigt im Stadthaus bis 26. August Bilder von Menschen in Bewegung und von bewegten Menschen. Die Ausstellung wird morgen, Donnerstag, 19 Uhr, eröffnet. Zu sehen sind Arbeiten der Fotografinnen, Fotografen und Künstler Katharina Alt, Armin Buhl, Martina Dach, Stephanie Englert, Cecila Espejo, Yvonne Faber, Conné van d’Grachten, Mark Klawikowski, Nik Schölzel und Nadja Wollinsky.

Das Programm des Tanz-Festivals

Gastspiele Das Festival „Ulm Moves!“ bietet hochkarätige Gastspiele. Der Auftritt des Ballett Augsburg im Zelt mit „Shortcuts“ ist ausverkauft, Karten gibt es aber zum Beispiel noch für „Too Loud A Solitude“ mit Afshin Ghaffarian im Stadthaus (Sonntag, 20 Uhr), „Grand Finale“ mit der Hofesh Shechter Company am 16. Juni (19 Uhr, Theater Ulm) und „Free Fall“ mit der Compañia Sharon Fridman am 17. Juni (20 Uhr, im Roxy).

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